Deutschland, Marathon

Hamburg oder New York: Hauptsache Marathon

Der Hamburg Marathon 2019 ist geschafft und der elfte Schritt in 80 Marathons um die Welt damit getan. Ganz norddeutsch präsentierte sich die Millionenstadt mit Dauerregen, was die Hamburger wiederum nicht davon abhielt an der Strecke alles andere als norddeutsche Distanz zur Schau zu stellen. „Hamburg hat internationales Niveau!“, hieß noch am Start und in vielerlei Hinsicht fühlte ich mich tatsächlich an den New York Marathon erinnert.

Eine ungeplant verlaufende Vorwoche

Nachdem ich eine Woche vor dem Hamburg Marathon 2019 fast schon euphorisch war, dass ich mich nach den Strapazen des Hannover Marathons mehr als nur gut erholt hätte, verlief die Woche vor dem Lauf an der Elbe anders als geplant.

Ich hatte die gesamte Woche überraschend wenig Appetit und beendete die Woche mit einem ungeplanten Defizit von über 4.000 kcal. Eine ungewohnte Situation, die mit etwas beruflichem Stress und deutlich zu wenig Schlaf in den letzten Tagen einherging. Das Ganze nahm solche Züge an, dass ich am Tag vor dem Hamburg Marathon kaum meinen Tagesverbrauch aß und mich sogar am Nachmittag für drei Stunden hinlegen musste, weil ich so müde war. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich das letzte Mal so fühlte, ohne krank zu sein.

Das Training selbst verlief die Woche über okay, wenn auch nicht überragend. Das kann es fraglos nicht immer sein, so dass ich mir darüber auch nicht weiter Gedanken machte und auch am Freitag noch meine reguläre Krafteinheit absolvierte. Ich kündigte ja bereits an, dass ich kein erneutes Tapering betreiben würde. Eine unfreiwillige Diätwoche war allerdings auch nicht geplant.

Da ich mich wie schon damals zum Kassel Marathon erst am Wettkampftag von zu Hause auf den Weg machen wollte, packte ich meine Bekleidung und Verpflegung am Vorabend, was mich in gewisser Weise mehr stresste, als die Reise per Flugzeug, die ich in den letzten Monaten immer wieder antrat. Allein die Frage, wie viel ich anziehen müsste, bereitete mir Kopfzerbrechen.

Während ich in Hannover erst morgens eine Entscheidung treffen musste und keine Wechselbekleidung in den Beutel stopfte, reiste ich zu den anderen Läufen mit Koffer an und konnte mich am Morgen vor dem Lauf entscheiden. Das war soweit für Hamburg auch möglich, aber die Tatsache, dass sich die Regenvorhersage quasi stündlich änderte, ließ mich hin und her schwanken, was nun die beste Oberbekleidung wäre. Regenjacke ja oder nein?

Am Ende entschied ich mich dafür meine schon vor vielen Monaten gekaufte Regenjacke im Wettkampf einzuweihen und so viel sei schon einmal gesagt: Die Entscheidung war gut so, was allerdings selbst nach dem Aufstehen noch nicht so richtig klar war. Nachdem der Wecker um 02:30 Uhr klingelte, erhielt die Wetter-App die erste Aufmerksamkeit und während die Regenwahrscheinlichkeit für den Lauf zunächst noch bei 50 Prozent lag, steigerte sich diese nach und nach bis kurz vor den Lauf auf 90 Prozent.

Ein Hamburger lässt sich nicht von Regen abhalten

Da war der Wetterfrosch wohl etwas unsicher, letztendlich behielt er mit der kurz vor Rennbeginn getroffenen Aussage aber recht: Es regnete mehr als die erste Hälfte des Rennens, wenn auch nicht sonderlich stark. Ich will mich aber in keiner Weise beschweren. Der Moderator im Startbereich, der den Vergleich von flüssigen Sonnenstrahlen bemühte, erinnerte unter anderem daran, dass die Teilnehmer zwei Jahre zuvor wohl mit starkem Hagel zu kämpfen hatten. So gesehen entsprach der nicht allzu starke Regen fast schon nordischem Schönwetter.

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Ähnlich sahen es offenbar auch viele Hamburger. Während ich mich zunächst ein wenig an den Pisa Marathon mit einem leicht unattraktiven Wetter erinnert fühlte, taten es die Norddeutschen keinesfalls den Italienern gleich. Herrschte in Pisa noch Geisterstimmung an weiten Teilen der Strecke, ließen sich die Hamburger ganz offensichtlich vom erneut sehr großen Teilnehmerfeld begeistern. Es hatte tatsächlich internationales Flair, wie man im Vorfeld durchaus immer wieder an verschiedenen Stellen lesen konnte. In dieser Hinsicht erinnert mich Hamburg tatsächlich an New York.

Wie New York, nur etwas kleiner?

Der Marathon im Big Apple ist nicht nur der Größte der Welt, sondern auch Teil der Big Six. Dem Hamburg Marathon ist diese prestigeträchtige Zuordnung nicht vergönnt, zumal mit dem Berlin Marathon bereits ein deutscher Lauf Teil des Bundes ist. Allerdings hatte ich mehr als einmal das Gefühl eines Déjà-vus – ähnlich wie das Hamburger Miniaturwunderland eben, nur etwas kleiner

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Block F beim warten auf die Freigabe zum Hamburg Marathon 2019

Los ging es bereits am Start. Ein deutlich größeres Marathonfeld, als bei fast allen anderen Läufen brauchte ein wenig Zeit, um etappenweise losgeschickt zu werden. Kein fließender Übergang wie bei anderen Marathons, falls es überhaupt eine Einteilung in verschiedene Startblöcke gab.

Nachdem auch ich schließlich den Startbogen durchschritt, wälzte sich vor mir quasi ein Läuferfeld entlang, dass sich auch nach einigen Kilometern nicht ausdünnte. Ein Anblick, den ich in der Form auch erst in New York erlebt hatte. Der Neu-Delhi Marathon in Indien bot ein spektakuläres Schauspiel beim Start im mit Flutlicht erhellten Stadion, doch das Teilnehmerfeld des Marathons überschritt dort nicht einmal die 1.000 Läufer und zerfiel wie auch bei den anderen Läufen in überschaubarere Menschenansammlungen. Eine Masse an Leuten, soweit das Auge reichte, hatte ich vorher nur in New York gesehen.

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Streckenverlauf Hamburg Marathon 2019 – Quelle: haspa-marathon-hamburg.de

Die Stimmung an der Strecke war keinesfalls ein Hamburger Alleinstellungsmerkmal, allerdings fiel der Marathon durchaus positiv auf. Die bereits erwähnten Läufe in Kassel oder Pisa können damit in keiner Weise mithalten und von den fast schon bizarren Verhältnissen beim Dubai Marathon will ich gar nicht erst wieder beginnen. Es war keinesfalls New Yorker Lärm, der einen vorantrieb. Insbesondere in Anbetracht des Wetters war die Stimmung aber durchweg laut und gut, auch wenn es immer wieder ruhigere Passagen gab. Auch eine Volksfeststimmung, wie sie in Hannover in einigen Stadtteilen am Streckenrand zelebriert wird, war in Hamburg maximal erahnbar.

Zuletzt nahm ich aber auch die Strecke ähnlich wie beim internationalen Vorreiter wahr. Ich kann das tatsächlich schwer in Worte fassen und es würde mich sehr interessieren, ob es anderen Läufern, die beide Marathons innerhalb kurzer Zeit erlebten, ähnlich ergeht. 

Auch den Hamburg Marathon läuft man nicht in Bestzeit?

Der New York Marathon ist auch für seine hügelige Strecke bekannt und in Relation zu anderen Strecken ein eher langsamer Marathon. Die Bestzeit liegt bei 2 h 05:06 min und ist damit 02:07 min langsamer als der aktuelle Weltrekord aus Berlin und nur 24 Sekunden schneller als die Strecke in Hamburg. Nach all den Parallelen könnte man nun meiden, dass auch Hamburg kein Rekordpflaster wäre, doch die Strecke gilt generell als schnell, wobei ich mir inzwischen sowieso unsicher bin, inwiefern dies große Anbieter nicht generell für sich als Eigenschaft beanspruchen. Es ist schließlich auch immer eine Frage, welches Läuferfeld man sich einlädt und beim Hamburg Marathon wurde der Moderator zeitweise nicht müde, diverse Teilnehmer mit verschiedenen Titeln und Rekorden vorzustellen. Zu allem Überfluss kamen noch einige Elite-Läufer aus Japan hinzu, die Hamburg als Qualifikationswettkampf für einen Ausscheidungslauf im Vorfeld der olympischen Spiele in Tokyo nutzen konnten.

Für mich selbst sollte es aber nur zu einer inzwischen fast schon alltäglichen Leistung reichen, die ich aus dem Training heraus lief. Nach 3 h 40:47 min hatte auch ich meine 42,195 km beendet und war damit fünf Sekunden schneller als noch in New York. Nach dem Verlauf der letzten Woche hatte ich keine großen Überraschungen erwartet, ging das Rennen aber dennoch so an, dass nichts musste, aber alles sein durfte.

Während ich die Halbmarathondistanz noch bei 1 h 43:38 min durchschritt, wurde ich nach hinten raus zunehmend langsamer, was mich aber weder überraschte noch frustrierte. Hatte ich mich zuletzt vor drei Wochen noch ein wenig geärgert, so war ich dieses Mal schon nach dem Übertreten der Ziellinie mit mir im Reinen. Der Marathon war anstrengend, ohne dass ich das Gefühl hatte, völlig zerstört zu sein.

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Zwischenzeiten Hamburg Marathon 2019

 

Dennoch schwanke ich, wie es nun weitergeht. Während Anfang Juni ein fester Termin geplant ist, hatte ich für Mitte Mai einen Lauf ins Auge genommen, für den die Anmeldung ganz bewusst aber noch nicht abgeschickt wurde. Ich werde die nächsten Nächte nochmal darüber schlafen und in meinen Körper hören, bevor ich mich entscheide. Diese Reise ist, wie ich in der Vergangenheit schon betonte, schließlich ebenfalls ein Marathon und kein Sprint. 

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