Kapstadt Marathon 2024: Das erste Mal Laufen in Afrika

Obwohl der afrikanische Kontinent etwa dreimal so groß wie Europa ist, hatte ich es auf meiner persönlichen Reise in 80 Marathons um die Welt bisher nicht in diesen Teil der Erdkugel geschafft. Mit der Teilnahme am Kapstadt Marathon 2024 sollte sich hieran etwas ändern. Doch die Wahl der Laufveranstaltung in Südafrika würde nicht nur meinen ersten Länderpunkt in Afrika bedeuten, sondern hatte mit meiner bisherigen Laufreise mehr gemeinsam, als mir bis kurz vor der Teilnahme bewusst war.

Der Kapstadt Marathon will ein World Major Race werden

Das Konzept der World Marathon Majors wird den meisten Läufern bekannt sein und auch ich hatte die Rennserie bereits mehrfach in diesem Blog thematisiert. Neben New York, an dem ich im Rahmen einer Marathonreise teilnahm, konnte ich bisher bereits Berlin und Chicago finishen, wobei die Teilnahme beide Male Dank Losglück ermöglicht wurde.

Mir fehlen somit London, Boston und Tokio auf dieser imaginären Bucket List, ohne dass ich mich hiervon jedoch zu sehr treiben lassen würde. Wer eindrucksvolle Rennen laufen möchte, findet schließlich auch auf anderen Strecken der Welt sein Glück. Dennoch könnte der Kapstadt Marathon sich in diese illustre Runde einreihen, wenn es nach dem Wunsch der Veranstalter geht.

Das Rennen in Südafrika ist einer von drei Kandidaten, die sich um eine Aufnahme in die Liste der World Majors beworben haben. Dabei konkurriert Kapstadt als eine der drei Hauptstädte Südafrikas mit Shanghai und Sydney, die ebenfalls ihren Hut in den Ring warfen. Welchen Stand der Entscheidungsprozess hat, verraten weder Marathonveranstalter noch die World-Major-Verantwortlichen auf ihren jeweiligen Internetauftritten, aber vielleicht kann ich in Zukunft auf die ungeplante Teilnahme an einem (zukünftigen) Major Rennen zurückblicken.

Niederländische Wurzeln

Ursprünglich bereits von Portugiesen entdeckt, siedelten sich im 17. Jahrhundert mit den Niederländern die ersten Europäer auf dem Festland rund um das Kap der Guten Hoffnung an. Aus einer Versorgungsstation, die ursprünglich nur als Anlaufpunkt für Schiffe auf dem langen Weg nach Indien dienen sollte, wurde viele Jahrzehnte später eine Stadt, die schließlich gut 150 Jahren nach der ersten Besiedlung durch Niederländer an die Briten überging.

Der Einfluss der deutschen Nachbarn besteht jedoch bis heute. Am Flughafen holte mich absprachegemäß mein Airbnb-Host Casper ab. Dieser erklärte mir, dass er neben Englisch vorrangig Afrikaans sprechen würde, dem man seine niederländischen Wurzeln noch anmerken würde. Zunächst ging Casper sogar davon aus, dass ich dies selbst verstehen würde, da ich schließlich aus Amsterdam angereist sei.

Erst im Laufe des Gesprächs klärte sich auf, dass mein Englisch in seinen Ohren offenbar keinen typisch deutschen Akzent gehabt hätte und er daher annahm, dass ich selbst aus den Niederlanden stammte. Das Missverständnis war schnell geklärt und Casper fuhr mich zu meiner Unterkunft, die, wie ich noch am Abend aus dem Fenster heraus erkennen konnte, tatsächlich vom Balkon aus den direkten Blick aufs Meer ermöglichte. Bei Tag sollte sich die Stadt noch ganz anders präsentieren.

Kapstadt weiß zu beeindrucken

Um es ganz klar auf den Punkt zu bringen: Kapstadt und seine Umgebung sind beeindruckend schön. Ich mag in dieser Reise in 80 Marathons um die Welt bei weitem bislang nicht an allen Ecken der Erde gewesen sein, doch merke ich dennoch manchmal eine gewisse „Abgestumpftheit“, wenn es um das Erleben der neuen Eindrücke geht. Für Kapstadt galt dies nicht.

Während ich bei der Fahrt vom Flughafen zum Hotel bereits das hell erleuchtete Stadtzentrum bewundern durfte, kam bei Tageslicht eine beeindruckende Natur hinzu. Der Ozean war lediglich den sprichwörtlichen Steinwurf von der Haustür meiner Unterkunft entfernt und auf der gegenüberliegenden Seite erhoben sich die beeindruckenden Berglandschaften, die sich rund um Kapstadt befinden und gefühlt von überall aus der Stadt wahrgenommen werden können.

Am bekanntesten ist wohl der Tafelberg, der im Rahmen einer weltweiten Umfrage zu einem von sieben Naturweltwundern erkoren wurde. Wer sich über den Ablauf der Wahl im Internet beliest, wird feststellen, dass der Wahlablauf nicht ohne Kritik umgesetzt wurde. Kapstadt und ihre Verantwortlichen weisen dennoch an verschiedenen Stellen gerne auf das Wahlergebnis hin und ohne dazu eine tiefergehende Meinung zu haben, kann ich sagen, dass die Stadt, die Natur und das gesamte Umland einen Anblick bieten, den man so leicht nicht wiederfinden wird.

…die Marathonmesse dagegen eher nicht

Die Stadt selbst wäre also in jedem Fall würdig, die Kulisse für einen World Major Marathon zu bieten. Die Marathonmesse wirkte dagegen deutlich weniger spektakulär. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie die Marathonmesse in New York mich beeindruckt hatte. Auch die Ausstellungsflächen in Berlin oder Chicago waren auf einem Niveau, an das Kapstadt bei weitem bislang nicht heranreicht.

Nachdem man kurz durch das Kapstadt-Stadion geführt wurde, ging es in die Katakomben des Stadions, wo der Bereich zur Nummernabholung aufgebaut war. Anschließend wurde man durch die Ausstellerstände geschleust, die jedoch von ihrer Anzahl her nicht unüberschaubar waren.

Enttäuscht hatte mich hauptsächlich die Tatsache, dass es quasi nur einen Lauf gab, der auf der Messe für eine Teilnahme warb. Normalerweise gibt es auf größeren Marathonmessen immer mehrere Veranstalter, die auf ihre Rennen aufmerksam machen, was für mich deutlich spannender ist als der x-te Riegel- oder Laufschuhanbieter.

Erneut krank vor einem Wettkampf?

Doch letztlich war ich nicht für das Besuchen einer Marathonmesse nach Südafrika gereist, sondern um am Kapstadt Marathon teilzunehmen. Bereits die Wochen vor dem Lauf war das Training nicht so verlaufen, wie ich es mir gewünscht hätte. Familiäre Verpflichtungen führten wie schon häufiger zuletzt zu ungeplanten Anpassungen im Trainingsplan. Größere Sorgen machte mir aber die nächste Krankheitswelle unmittelbar vor meiner Abreise.

Gut 10 Tage vor dem Kapstadt Marathon musste ich bereits zwei Tage krank zu Hause bleiben. Nachdem ich dies zunächst als Glück im Unglück wahrgenommen hatte, verschlechterte sich der Gesundheitszustand innerhalb der Familie in der Woche der Abreise weiter. Ich selbst blieb zunächst verschont, hatte aber am Tag meiner Ankunft so starke Kopfschmerzen, dass ich froh war, entsprechende Tabletten mitgenommen zu haben. Während die erste Nacht in Kapstadt von Donnerstag auf Freitag wenig erholsam war und ich dies auf die Reisestrapazen schob, ging es mir einen Tag vor dem Rennen, am Samstag, deutlich schlechter.

Ich hatte Kopfschmerzen, meine Gesundheitswerte waren so, als ob ich am Vortag bereits den Marathon gelaufen wäre, und war trotz über 9 Stunden Schlaf wie gerädert. Nachdem ich einen Spaziergang in die Innenstadt unternommen und zurück im Airbnb angekommen war, musste ich mich mittags noch einmal hinlegen und schlief weitere zwei Stunden. Allmählich ging es mir zum Abend hin besser und zumindest die Atemwege waren im Gegensatz zum Vancouver Marathon frei geblieben. Dennoch dürfte es klar sein, dass dies nicht um Umstände waren, die man sich wünscht, wenn man an das südliche Ende der Erde für einen Marathon fliegt.

Schweißgebadet zum Kapstadt Marathon 2024

In der Nacht schwitzte ich mein komplettes Bett nass. Nachdem ich anfangs noch Schüttelfrost hatte und mich bekleidet schlafen gelegt hatte, zog ich die Sachen nach einiger Zeit aus und schwitzte dennoch am gesamten Körper. Mehrfach wurde ich in der Nacht wach und kurz vor dem Klingeln des Weckers entschloss ich mich um 04:30 Uhr, mich nicht noch einmal umzudrehen.

Wie schon in der Nacht zuvor war meine HRV im Keller. Unter normalen Umständen wäre ich an diesem Tag nicht trainieren gegangen und noch weniger hätte ich an einem Marathon teilgenommen. Doch ich war bereits in Südafrika und insbesondere die Erfahrungen aus Kanada im Frühjahr ließen mich nicht völlig verzweifeln. Mir ging es nicht gut, aber die Atemwege waren weiterhin frei, sodass ich frühstückte und mich für den Lauf fertig machte.

Eine knappe Stunde später sah die Welt nicht sonderlich anders aus, aber ich fühlte mich auch nicht schlechter. Ich machte mich auf den Weg zum Startbereich, der nur wenigen Fußminuten von meinem Apartment lag, und reihte mich in meinem Startblock ein.

Ein viel zu schneller Pacer

Schrittweise wurden die einzelnen Blöcke ins Rennen geschickt. Beim Kapstadt Marathon 2024 war es eine so große Anzahl, dass man diese nebeneinander aufreihte und nach und nach in den Wartebereich der Strecke schickte. Gemeinsam mit den Starterinnen und Startern des Block G ging es an die Startlinie und ganz vorn reihte sich der Pacer mit einem 3-45-Schild ein.

Das war die Zielzeit, die ich bei meiner Anmeldung angegeben hatte, wobei ich mir nach den letzten Tagen und insbesondere den letzten Stunden in Südafrika erst einmal keine Gedanken um meine Zeit machte. Ich hatte keine Vorstellung, wie mein Körper auf das Laufen reagieren würde, und versuchte erst einmal das Tempo meiner Gruppe aufzunehmen.

Dieses fühlte sich von Anfang an jedoch deutlich schneller als eine 3–45 an. Ich traute mich nicht auf meine Uhr zu blicken, ob ich einfach so mitgenommen war, oder der Pacer vorn zu schnell lief, und konzentrierte mich zunächst darauf, in das Tempo zu finden. Bei gut 10 Kilometern blickte ich dann doch das erste Mal auf die Zeit. Wie ich feststellen musste, waren wir näher an der 3–30 als der 3–45 unterwegs. Der Pacer war zu schnell.

Ein Lauf wie in Trance

Dies merkte die Person offenbar irgendwann selbst und drosselte ein paar Kilometer später das Tempo. Ich selbst fühlte mich inzwischen aber gut. Trotz einiger Brücken und leichter Steigerungen blieb mein Puls bei knapp über 150 Schlägen. Von der Strecke bekam ich hingegen eher weniger mit. Rückblickend verflogen die Kilometer geradezu, wie ich es selten bei einem Rennen bisher hatte, was jedoch auch dem Umstand geschuldet war, dass die optischen Highlights insbesondere auf der ersten Hälfte eher spärlich gesät waren.

Ebenso war die Stimmung an der Strecke auf den ersten Kilometern eher ruhig. Auch hier gab es bereits viele andere Rennen, die mich deutlich mehr überzeugen konnten. Im Hintergrund blitzte immer mal wieder die Berglandschaft rund um Kapstadt auf und in der zweiten Hälfte führte der Marathon schließlich auch in die Innenstadt der südafrikanischen Stadt, die sich vor der internationalen Konkurrenz nicht verstecken musste.

Die letzten fünf Kilometer ging es schließlich noch einmal am Ozean entlang. Ich wurde inzwischen etwas langsamer, womit ich an diesem Tag aber komplett leben konnte. Ich war froh, das Rennen rückblickend derart entspannt gelaufen zu sein. Am Ende sollte ich nach 3h 39:22min ins Ziel einlaufen, was Platz 2.387 von 16.488 Läuferinnen und Läufern entsprach.

Ergebnis Kapstadt Marathon 2024 – Bild: ultimate.dk

Ob es der Kapstadt Marathon in Zukunft schafft, ein World Major Marathon zu werden, weiß ich nicht. Allein für das Rennen hätte ich niemandem eine Empfehlung ausgesprochen. In Kombination mit der wirklich sehenswerten Stadt und ihrer beeindruckenden Natur kann man den Kapstadt Marathon aber in jedem Fall auf seine eigene Bucket List setzen!

Medaille Kapstadt Marathon 2024

Frank

3 Kommentar zu “Kapstadt Marathon 2024: Das erste Mal Laufen in Afrika

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