Der Buenos Aires Marathon 2025 liegt hinter mir und ich wünschte, ich könnte von südamerikanischer Stimmung, beeindruckenden Streckenerlebnissen oder anderen unvergesslichen Momenten berichten. Nüchtern betrachtet ist all dies jedoch nicht der Fall. Was vielversprechend begann, stellte sich relativ schnell als erstaunlich unspektakulär heraus.
Buenos Aires ist eine Stadt mit Charme!
Diese Feststellung lässt sich, denke ich, treffen, auch wenn ich nicht viele Stunden in Argentiniens Hauptstadt verbracht hatte. Doch nachdem ich am Tag vor dem Rennen meine Startnummer abgeholt hatte, begab ich mich auf die fast schon obligatorische Hop-on-Hop-off-Tour. Auf meinen Reisen zu den verschiedenen Marathons nahm ich bei diesen Ausflügen schon die unterschiedlichsten Eindrücke mit. Manche Städte haben eine Vielzahl an Spots zu bieten. Bei anderen Städten scheinen die Veranstalter selbst manchmal nicht zu wissen, wie man eine ganze Tour rechtfertigen soll.
Für Buenos Aires gilt in jedem Fall nicht Letzteres. Auch wenn die südamerikanische Hauptstadt es mit der Abwechslung und der unmittelbar an den urbanen Raum angrenzenden Natur eines Kapstadts nicht mithalten kann, gehört die argentinische Metropole in jedem Fall zu den schöneren und abwechslungsreicheren Städten.
Gleichzeitig ändert dies nichts an meiner bereits im Vorfeld geschilderten Einstellung. Die Welt ist enger zusammengewachsen und Buenos Aires hat seinen Reiz, aber überschüttete mich auch nicht mit Eindrücken, die ich in dieser Form bislang nicht hatte. Dennoch war ich gespannt, wo die Marathonstrecke am Folgetag entlangführen würde.
Mehr als 12.000 Finisher beim Buenos Aires Marathon 2025
Mein Tag begann – was wenig überraschend sein dürfte – im Hotel. Ich schrieb in der Vergangenheit schon einmal, dass man die Identifikation einer Stadt mit ihrem Marathon in gewisser Weise am Hotel-Frühstück erkennen kann. Ob das so stimmt, sei dahingestellt. Aber wenn man sich auf ausländische Gäste nicht dahingehend einstellt, dass man am Renntag das Frühstück vorverlegt, ist dies für mich zumindest ein Indikator, dass der Marathon nicht allzu stark im Fokus der Wahrnehmung steht.

Es gab kein vorgezogenes Frühstück und wie sich noch herausstellen sollte, war dies in gewisser Weise ein schlechtes Omen. Zunächst hatte ich jedoch einen anderen Eindruck. Vom Hotel aus musste ich knapp 30 Minuten bis zum Start gehen und schon unmittelbar auf der Straße begegneten mir die ersten Gleichgesinnten. Immer mehr Menschen wurden zu einer großen Traube, die sich durch die Straßen bewegte, welche morgens um 6 Uhr an einem Sonntag bereits erstaunlich belebt waren.


Auf dem Marathongelände bot sich dann der Anblick einer großen Zeltstadt. Während es keine Möglichkeit zur Kleiderabgabe gab, schienen sich verschiedenste Vereine und ähnliche Vereinigungen dahingehend organisiert zu haben, dass überall Pavillons zu sehen waren, bei denen Gruppen in häufig ähnlicher Kleidung zu finden waren. Insgesamt sollten mehr als 12.000 Menschen an diesem Tag den Buenos Aires Marathon bewältigen, was in jedem Fall eine Hausnummer ist.
Gemischte Gefühle am Start…
Doch erwartete mich nun ein spektakuläres Rennen oder eher eine müde Fleißaufgabe? Am Start hatte ich bereits gemischte Gefühle. Während solch eine große Anzahl an Menschen bei einem Marathon in der Regel immer ein Erlebnis ist, fehlte es im Startbereich dann an unscheinbaren Kleinigkeiten, die man über die Jahre aber an anderer Stelle wahrgenommen hat.
Keine größere Anzahl an Pacemakern. Keine Technik, die dafür sorgte, dass auch in den hinteren Startblöcken die Stimmung des Events ankam. Kein Knistern in der Luft, das ich tatsächlich nicht mit anderen Worten beschreiben kann, bei Rennen wie Barcelona, Berlin oder Philadelphia aber durchaus zu spüren bekam. Nichts davon sind Ausschlusskriterien für ein gutes Rennen, und das Rennen in Buenos Aires hatte durchaus seinen einzigartigen Moment. Vor dem Start wurde durch den gesamten Startblock eine riesige, wirklich riesige Argentinien-Fahne gezogen, die über die Hände der Teilnehmer durch das Starterfeld wanderte.



In Kombination mit angenehm kühlen Temperaturen war ich zu diesem Zeitpunkt also optimistisch, die Stadt, welche ich am Vortag bereits erlebt hatte, nun aus einer laufenden Perspektive zu entdecken.
…Ernüchterung beim Rennen
Doch bereits kurz nach dem Start machte sich Ernüchterung breit. Wird man bei anderen Läufen meist große Teile des Startbereichs vom Publikum erst einmal auf die Strecke getragen, war die Anzahl an Zuschauern – insbesondere in Anbetracht der Teilnehmerzahl – überschaubar. Schon wenige hundert Meter verschwanden die Streckengäste vollständig, was fast das gesamte Rennen über so bleiben sollte.
Wer südamerikanisches Feuer am Streckenrand erwartet hatte, wurde gehörig enttäuscht. Der Hotel-Frühstück-Indikator hatte mal wieder recht. Doch Publikum ist bei einem Rennen nicht der entscheidende Punkt. Die Strecke sollte der eigentliche Star sein. Doch auch diese blieb hinter meinen Erwartungen zurück, die am Vortag aufgekommen waren.

Zwar führte das Rennen immer mal wieder an Hotspots vorbei, die ich am Vortag im Rahmen der Stadtrundfahrt gesehen hatte, doch diese waren am Renntag eher verwaist und ich hätte sie beinahe nicht wiedererkannt. Zu großen Teilen führte das Rennen hingegen durch eher anonyme Bereiche bzw. Nebenstraßen von Buenos Aires, was die Millionenmetropole eher ruhig und unbewohnt wirken ließ. – Dies mag wie immer nur ein subjektiver Eindruck sein, doch ich habe national wie international inzwischen genügend Beispiele erlebt, die in einer anderen Liga spielten.
Am Ende blieb ein durchschnittliches Rennen…
…und das ist nicht nur auf die Veranstaltung selbst bezogen. Während in Berlin in diesem Jahr bei unerwartet warmen Temperaturen Rekorde angegriffen wurden, forderten Jetlag und Müdigkeit der vergangenen Wochen von mir im kühlen Buenos Aires ihren Tribut. Ich war zwar nicht krank wie im vergangenen Jahr bei meinen großen Reisen, doch körperlich spürbar erschöpft.
Meinen eigentlich guten Trainingszustand konnte ich so nicht ins Rennen bringen. Eine Pace von knapp 5:15 fühlte sich gut, aber keinesfalls langsam an, sodass mir schon auf den ersten Kilometern klar war, dass auch ohne den Slalom um zu langsame Teilnehmer heute keine sehr gute Zeit für mich möglich sein würde.






Am Ende wollten die Beine dann auch nicht mehr mitarbeiten. Während der Puls während des Rennens kaum über 150 Schläge stieg und im Durchschnitt klar darunter blieb, wurde meine Pace auf der zweiten Hälfte der 30er-Kilometer zunehmend langsamer. Zwar sammelte ich fortlaufend andere Teilnehmer ein, musste mich aber auch von anderen Startern, die von hinten kamen, überholen lassen.
Kontinent Nummer 6
Am Ende war der Buenos Aires Marathon 2025 damit für mich in gewisser Weise doch nur ein Punkt auf meiner Bucket List. Das lateinamerikanische Spektakel, das ich mir insgeheim erhofft hatte, fand ich nicht. Gleichzeitig konnte damit aber auch der „Was-wäre-wenn“-Konjunktiv von der Liste verschwinden.
Eine mögliche Reise nach Rio de Janeiro in den kommenden Jahren, mit der ich durchaus geliebäugelt hatte, werde ich mir in absehbarer Zeit sparen. Ich könnte mir vorstellen, dass es im Land des Sambas doch noch einmal etwas anders zugeht. Doch wenn ich Karneval will, kann ich auch in Köln (noch einmal) an den Start gehen.

In Argentinien wurden es am Ende knapp 3 h 46 min für mich. In Anbetracht der Anreise und der Erschöpfung der vergangenen Wochen ein akzeptables, aber letztlich auch kein gutes Ergebnis. Ob ich in diesem Jahr noch einmal an den Start gehen werde, hängt wiederum von einigen Faktoren ab, die nicht in meiner Hand liegen.

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