Die Reise in 80 Marathons um die Welt verlief in der jüngeren Vergangenheit nicht sonderlich international, was verschiedene Gründe hatte. Einer hiervon war jedoch, dass ich zuletzt im Dezember 2023 und März 2024 unmittelbar vor der Abreise ins Ausland erkrankte und die Reise damit nicht antreten konnte. Im dritten Anlauf gab ich mir selbst das Versprechen, dass es dieses Mal nicht so verlaufen würde. Anders wurde es für den Vancouver Marathon 2024 dann in jedem Fall.
Das erste Mal nach Kanada
Nachdem ich in den vergangenen Jahren bereits vier US-amerikanische Marathons gelaufen war, stand für mich schon länger fest, auch Kanada einmal einen Besuch abstatten zu wollen. Neben Vancouver und Toronto, bei denen mir bekannt war, dass diese einen Marathon anbieten, stand insbesondere der Niagara Fall Marathon zur Auswahl. Letztgenannter wäre die große Reise im Herbst gewesen, die ich mir für das Jahr 2024 vorgenommen hatte, und wurde es schließlich aufgrund eines anderen Rennens nicht.
Damit blieb die erste Jahreshälfte für Kanada und die Wahl fiel auf die größte Marathonveranstaltung des nordamerikanischen Landes. Seit 1972 findet der Vancouver Marathon alljährlich statt. Damals trafen sich noch weniger als 50 Teilnehmer, um fünf Runden im Stanley Park zu laufen. Knapp 50 Jahren später hat sich hieran einiges getan und mehr als 20.000 Menschen aus über 65 Ländern nehmen an einem der verschiedenen Läufe am Rennwochenende teil.
Für die Marathonläufer ist es ähnlich wie in New York ein Poin-to-point-Rennen geworden, dessen Strecke für den Vancouver Marathon 2024 nochmals etwas angepasst worden sein soll. Ein Verlauf durch die Stadt, aber auch mitten einiger grüner Landstriche in der Nähe, versprach zumindest im Vorfeld eine gewisse Abwechslung, auf die ich gespannt war.
Mein erster Marathon mit einer Laufuhr
Das Rennen in Kanada sollte mein 45. Marathon werden und obwohl auch ich inzwischen über die Jahre einiges an Geld in Schuhe und anderes Laufequipment investiert hatte, schaffte es eine Laufuhr bisher nie an mein Handgelenk. Unverständnis darüber wird mir bereits seit mindestens fünf Jahren regelmäßig entgegengebracht, doch die Strava-App auf dem Handy tat bisher stets ihren erforderlichen Dienst.
Das täte sie vermutlich auch weiterhin und dennoch kaufte ich mir knapp eine Woche vor dem Vancouver Marathon spontan eine Garmin-Laufuhr. Keine großen Produktvergleiche. Keine intensive Recherche. Eher spontan holte ich mir eine Garmin Forerunner und schaute mir erst nach meiner Bestellung entsprechende Videos zu den Funktionen der Uhr an.

Vermutlich wird es noch einmal einen kleinen Bericht, in dem ich etwas ausführliche meine Gründe darstellen werde, geben, doch so viel sei schon einmal gesagt: Die ursprünglich nur fürs Laufen gedachte Forerunner hat mein Fitbit-Armband gewissermaßen über Nacht verdrängt. So ging es zwei Tage vor dem Rennen mit einer richtigen Laufuhr nach Kanada, wo unerwünschte Herausforderungen auf mich warten sollten.
Zombies in Vancouver
Nachdem ich am Vorabend kaum schlafen konnte, klingelte um 3 Uhr morgens der Wecker und ich begab mich zum Flughafen. Von dort aus ging es über Paris nach Vancouver, wo die Einreise sich deutlich entspannter darstellte als in den USA. Statt kritischen Grenzbeamten füllte man hier an einem Terminal seine Grunddaten aus und wurde mit dem im Anschluss ausgedruckten Zettel durch das kontrollierende Personal zügig zu den eigenen Koffern weitergeschickt.



Ein kurzer Moment der Unsicherheit, als mein AirTag nicht seinen Standort aktualisiert hatte, verging glücklicherweise ohne unschöne Überraschung und so rollte ich meinen Koffer aus dem Flughafen hinaus, um mich zum Hotel fahren zu lassen. Erstmals nutzte ich dabei den Uber-Service anstatt eines Taxis, dem ich zunächst zugegeben etwas skeptisch gegenüberstand. Die Tatsache, wie transparent und benutzerfreundlich das Ganze jedoch war, brachte mich zu dem Entschluss, in Zukunft häufiger diese Taxi-Alternative zu nutzen.
Ich wechselte mit dem Uber-Fahrer ein paar Worte und wir kamen im Verlaufe unseres Gesprächs dazu, dass er mir den Anblick von Zombies in Vancouver ankündigte. Ich dachte zunächst im Rahmen unseres Gesprächs nur, dass er obdachlose Menschen damit meinen würde, doch ein paar Stunden später verstand ich seine Darstellung. Vancouvers Drogenszene ist unerwartet offen über die Straßen der Stadt verteilt. Die Menschen konsumieren auf den Gehwegen und bewegen sich zum Teil wirklich wie Zombies über die Straßen, ohne jedoch aufdringlich gegenüber Passanten zu sein. Fentanyl ist offenbar auch in Kanada angekommen.











Zwei Stunden anstatt zwanzig Minuten zur Marathonmesse
Ich konnte mir auch deshalb hiervon einen Eindruck verschaffen, da ich für die Abholung der Startunterlagen die gänzlich falsche Adresse ins Navi eingegeben hatte. Auf irgendeiner Infos-Seite erhielt ich den Namen einer Sport-Halle, die ich verwendete und welche knapp eine Stunde von meinem Hotel fußläufig lag. Ich machte mich auf den Weg und wurde durch China Town und einen Randbereich von Vancouver geführt, in dem es nur noch Einfamilienhäuser und schließlich ein Industriegebiet gab.
Nachdem ich mich gewundert hatte, fast alleine in dieser Gegend unterwegs zu sein und insbesondere keine anderen Läufer zu sehen, rief ich nochmals meine Mails auf. Wenige Meter vor dem vermeintlichen Ziel stellte ich fest, in die komplett falsche Richtung gelaufen zu sein. Anstatt einer Stunde war die Marathonmesse kaum 10 Minuten von meinem Hotel entfernt gewesen. Etwas fluchend bewegte ich mich zurück. Ich versuchte aber, das Ganze positiv zu sehen. So hatte ich noch einmal ein paar andere Ecken von Vancouver erlebt.








Die Startnummernabholung erfolgte dann mal wieder auf einer Messe statt nur einer kleinen Sporthalle. Auch wenn ich etwas traurig war, dass keine anderen Laufveranstaltungen für ihre Rennen warben und ich mir so Inspiration hätten holen können, kam durch die Messe dennoch ein gewisses Marathonfeeling auf. Die Frage war nur, ob auch ich tatsächlich am Rennen teilnehmen könnte.
24 Stunden vor dem Vancouver Marathon alles andere als gesund…
Im Anschluss an die Marathonmesse verblieb noch etwas Zeit, sodass ich spontan eine Hop-on-Hop-off-Tour durch die Stadt im Westen von Kanada machte. Phasenweise wäre ich fast auf der Fahrt eingeschlafen, sodass ich mir eingestehen musste, dass ich ins Bett sollte. Ich holte mir noch etwas zu Essen und begab mich ins Hotel, wo ich zügig einschlief und eine unruhige Nacht haben sollte.
Fast zwölf Stunden später wachte ich auf und ein Blick auf die Uhr bestätigte mir, wie ich mich fühlte. Ich hatte leichte Kopfschmerzen, die Nase lief bereits die gesamte Nacht, mein Puls war erhöht und die HRV niedrig. „Trainingsbereitschaft gering“, erklärte mir die Forerunner auf einer ihrer Grafiken, was ich auch ohne Laufuhr bemerkt hätte. Ich war alles andere als gesund.
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