Einmal ans andere Ende der Welt fliegen, um dort krank in einem Hotel unverrichteter Dinge zu vegetieren, bevor es wieder nach Hause geht? Dieses Schicksal hatte ich schon vor meinem geistigen Auge gesehen, nachdem der bei der Anreise begonnene Schnupfen durch weitere körperliche Warnsignale ergänzt wurde. Wie jedoch bereits die Überschrift verrät, war ich den Vancouver Marathon 2024 einen Tag später dann doch gelaufen. Eine Entscheidung, die ich nicht leichtfertig getroffen hatte.
Waldbaden im Areal der Capilano Suspension Bridge
Schon einmal vom Waldbaden gehört? Mir begegnete dieses Thema erstmals vor einigen Wochen auf der Calm-App, die in den vergangenen Monaten hauptsächlich zur Beruhigung des jüngsten Nachwuchses genutzt wird. Waldbaden ist eine Art bewusster Aufenthalt im Wald, der seit den 1980ern in Japan Verbreitung finden soll und angeblich das Immunsystem anregen würde. Da meine Alternative darin bestanden hätte, mich selbst im Hotelzimmer zu bemitleiden, entschloss ich mich, den bereits geplanten Ausflug zur Capilano Suspension Bridge am Samstag wahrzunehmen.




Hierbei handelt es sich um eine 137 Meter lange Hängebrücke, die 70 Meter über den Boden in einer Art kleinen Park die Bereiche neben dem Capilona River verbindet. Die ursprüngliche Version wurde bereits im Jahr 1889 durch weniger als fünf Männer errichtet und hatte zunächst einen privaten Zweck. Schnell wurde das Konstrukt aber für touristische Zwecke erschlossen und aus der einstigen Brücke aus Hanfstricken ist längst eine sichere Verbindung mit Stahlseilen geworden, die in Betonagen befestigt sind.










Auf der anderen Seite der Brücke erwartet die Besucher eine größere Anlage mit verschiedenen Wegen, die durch den dortigen Wald führen. Auch wenn der Park auf einem Samstag bei gutem Wetter verständlicherweise gut besucht war, stand man sich keinesfalls auf den Füßen und konnte die Zeit in der wirklich wunderschönen Natur gut genießen. Ob dies tatsächlich zur Verbesserung meines Zustandes beitrug, vermag ich nicht zu sagen. Noch auf der Rückfahrt im Bus fühlte ich mich wie erschlagen und versuchte den restlichen Tag so ruhig wie möglich anzugehen.
Weiterhin Erkältungssymptome wenige Stunden vor dem Vancouver Marathon 2024
Etwa eine halbe Stunde vor meinem Wecker wachte ich von allein auf. Die Nacht war erneut unruhig, jedoch war meine Nase spürbar freier. Der Hals war weiterhin nicht verschleimt und meine HRV war etwas besser als noch am Vortag. Ich fühlte mich längst nicht wirklich gut und hätte unter normalen Umständen eine reguläre Trainingseinheit ausfallen lassen. Doch ich war nun einmal bereits in Kanada und wollte die Reise zum Vancouver Marathon 2024 nicht einfach so verstreichen lassen.
Das Ganze war ein Abwägungsprozess, der mich den gesamten Samstag gedanklich beschäftigt hatte. Wäre es mir am Renntag schlechter ergangen als noch am Vortag, hätte ich mich dem Schicksal wohl beugen müssen. So traf ich eine Entscheidung aus der Erfahrung der letzten Jahre heraus.
Ich kenne die Bereiche meiner Gesundheitswerte inzwischen recht gut und weiß, wie diese bei einer schlimmeren Erkrankung aussehen können. Die HRV war nicht völlig im Keller und auch die Erkältungssymptome waren auf Kopf und Nase begrenzt. Der Hals und die Lunge waren frei, sodass ich die Entscheidung traf, mit einem entspannten Puls ins Rennen zu gehen. Ich sah mich notfalls bereits mit dem Besenwagen im Nacken laufen, doch ich wollte es in jedem Fall nicht unversucht lassen.
Ein paar Tausend Läufer im Queen Elizabeth Park
Also duschte ich, aß mein Frühstück im Hotelzimmer, da das Frühstücksbuffet zu spät eröffnet hätte, und fuhr mit der U-Bahn wie auf der Website beschrieben zum Start. Nachdem ich zunächst niemanden auf dem Weg zur Bahnstation sehen konnte, der ebenfalls zum Marathon wollte, war ich zunächst etwas verunsichert und umso mehr beruhigt, als auf dem Bahngleis ein paar weitere Läufer warteten. Die nächste Station füllte sich der Waggon weiter mit Menschen, die zum Vancouver Marathon 2024 wollten, sodass es eine kleine gemeinsame Pilgerreise zum Start wurde.




Dort waren bereits ein paar Tausend Läufer versammelt, die gemeinsam auf die Strecke wollten und pünktlich nach dem Erklingen der kanadischen Nationalhymne losgeschickt wurden. Trotz des verzögerten Starts der einzelnen Blöcke drängte sich den ersten Kilometer an Pulk an Menschen durch die abgesperrte Laufzone und bis zum Ende des Laufes sollte man nie wirklich allein sein.



Wie bereits oben dargestellt, wollte ich mich an meinem Puls orientieren, und hing mich zunächst an den Pacemaker mit dem 3-50-Schild. Schnell wurde mir dieser jedoch zu langsam und auch der Puls hatte zunächst kaum 140 Schläge. Noch am Start war dieser phasenweise auf fast 100 Schläge angestiegen, was rückblickend wohl die Anspannung nach dem Auf und Ab der letzten zwei Tage gewesen war. Ich erhöhte das Tempo also ein wenig und reihte mich zu der Traube an Menschen, die mit dem 3-45-Läufer unterwegs waren.
Die Forerunner kündigte an, dass ich das Tempo nicht durchhalten würde
Seit einigen Tagen ziert eine Garmin Forerunner mein Handgelenk, wie ich bereits im letzten Beitrag erklärte, die neben einigen weiteren Funktionen auch eine Prognose bietet, wie lange man das derzeitige Tempo aufrechterhalten könne. Wie ein Damoklesschwert kündigte mir der Balken an, dass ich keinesfalls 42 Kilometer in diesem Tempo verbringen würde, doch es fühlte sich zunächst gut an und ich ließ das Rennen auf mich wirken.

Diese führte zunächst durch einen Bereich von Vancouver mit verschiedenen Einfamilienhäusern, die sich mit grünen Bereichen abwechselten. Dabei wurde deutlich, dass die Kanadier offenbar nicht nur die optisch prägnanten Blockhäuser aus Holz bauen, sondern auch die vermeintlich „normalen“ Häuser im Kern aus Holz bestehen, wie einige Rohbauten am Straßenrand verdeutlichten.
Nach etwa dem ersten Viertel des Rennens ging es bereits in die grünen Bereiche im Westen von Vancouver. Den auf dem Papier stärkte Anstieg kurz vor Kilometer 10 bemerkte ich fast gar nicht und war umso stärker überrascht, als es kurz vor Kilometer 20 eine längere Zeit steil bergab ging. Der Puls verblieb weiterhin in der angestrebten Region. Die Garmin Forerunner kündigte mir aber weiterhin unnachgiebig einen Einbruch der Pace an.






Knapp 10 Kilometer am Pazifischen Ozean
Ich hielt mich dennoch weiterhin am 3-45-Pacemaker, dem ich ohne Probleme folgen konnte. Inzwischen war mir klar, dass ich nicht vom Besenwagen eingesammelt werden und das Rennen in jedem Fall aus eigenen Kräften beenden würde. Die Frage war nur, in welcher Zeit. Bevor das letzte Viertel des Rennens begann, führte der Vancouver Marathon 2024 über die Burrard Street Bridge und das Feld wurde in den Stanley Park geleitet.
Nun musste ich, wie durch die Laufuhr vorhergesagt, den Pacemaker ziehen lassen, was mir jedoch egal war. Der Puls war weiterhin in einem guten Bereich und ich genoss das Rennen, soweit es mir möglich war. Knapp 10 Kilometer wurde man jetzt am Pazifischen Ozean entlanggeführt. Der Vancouver Marathon 2024 präsentierte sich damit von den verschiedensten Seiten und wusste einiges zu bieten. So muss die Streckenführung eines guten Marathons verlaufen!






Erst einen Kilometer vor dem Ziel ging es zurück nach Downtown, wo man nun den Rest der Strecke von den Kanadiern angefeuert wurde. Auch wenn der Anstieg zur Ziellinie noch einmal Kraft forderte, war ich letztlich trotz aller Widrigkeiten schneller als noch zwei Wochen zuvor in Leipzig. Nach 3 h 48:55 min überquerte ich die Ziellinie und war mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Wenige Stunden vor dem Startschuss prägten noch Frust und Zweifel meine Gefühlswelt, sodass die Reise zum Vancouver Marathon 2024 ein mehr als versöhnliches Ende nahm.

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