Der Kampf um den Osaka Marathon 2026

Animes und Mangas spielen auch in der Jugend vieler europäischer Menschen eine nicht unwesentliche Rolle, sodass ich selbst einige eingefleischte Japan-Fans kenne, die zum Teil sogar die Sprache lernen. Ich selbst zähle nicht dazu, und dennoch führte mich Marathon Nummer 50 in das laufbegeisterte Land. Die Losfee meinte es gut mit mir, und so bekam ich beim ersten Versuch einen Platz beim Osaka Marathon.

Wochenlang kein Training nach Buenos Aires

Doch die Teilnahme am Lauf im Land der aufgehenden Sonne stand lange Zeit unter keinem guten Stern. Nachdem ich im Anschluss an den Buenos-Aires-Marathon bereits ungewöhnlich erschöpft war, bekam ich gut eine Woche nach dem Rennen verschiedene körperliche Probleme. Meine gesamte linke Körperhälfte war in verschiedensten Bereichen extrem verspannt, was letztlich sogar jede Form von Training wochenlang unmöglich machte.

Nachdem ich 100 EUR mit einem Selbstzahlertermin bei einem Orthopäden verbrannt hatte, der sich offenbar auf „Erfühlen“ statt Behandeln von Problemen spezialisiert hatte, zog ich in meiner Not Googles AI Gemini zu Rate. Die Wahl fiel auf diesen Assistenten, da die Abfrage von YouTube-Inhalten dort besser integriert ist als beim bekannten KI-Zugpferd ChatGPT. Ich beschrieb ausführlich meine Symptome und den Verlauf, die die Aufmerksamkeits- und Zeitspanne der meisten Heilberufler bereits übersteigen, und machte mich gemeinsam mit der KI auf die Suche.

Letztlich sollte es mich nur wenige Gedankenaustausche kosten, bis ich mein Problem tatsächlich gefunden hatte. Der Marathon und eine ungewöhnliche Position beim Rückflug nach Deutschland sorgten dafür, dass ein tiefer Hüftmuskel verspannt war. Als ich diesen mit gezielten Übungen gelöst hatte, war ich nach zwei Tagen völlig beschwerdefrei. Ich weiß nicht, was größer war: mal wieder eine schlechte Erfahrung mit Heilberufen gemacht zu haben oder die Freude darüber, mit einem geduldigen Gesprächspartner mein Problem schnell ausfindig gemacht zu haben.

Erneuter Rückschlag nach der Anmeldung

Im Dezember 2025 ging meine Vorbereitung für den Osaka Marathon 2026 nach gut zwei Monaten fast völliger Pause dann schließlich los. Ich wusste, dass das Zeitfenster etwas knapp ist, kam aber auch nicht aus einem völlig untrainierten Zustand. Insgesamt war ich guter Dinge, das Rennen seriös bestreiten zu können, und buchte die Reise nach Japan.

Zum ersten Mal sollte es zudem kein Kurztrip zum Marathon werden, sondern ein kleiner Urlaub. Neben einigen Tagen in Osaka plante ich einen Abstecher nach Tokio und schließlich die Rückreise über Peking, sodass ich gut 12 Tage unterwegs sein sollte. So lange war ich seit meinem Auslandseinsatz mit der Bundeswehr 2004 nicht mehr von zu Hause weg.

Doch im Januar kam es dann zum erneuten Rückschlag. Ein Matratzenwechsel, Schlafmangel über mehrere Tage und Stress sorgten dafür, dass ich erneut Verspannungen in verschiedenen Muskelbereichen bekam. Nachdem ich das Problem zunächst nicht allein gelöst bekam, wandte ich mich erneut an Gemini. Dieses Mal war es der Hüftbeuger auf der rechten Seite, der eine Kette an Problemen entstehen ließ, sodass ich gut zehn Tage vor der Abreise das Problem in den Griff bekam. Die langen Läufe im Jahr 2026 blieben damit jedoch ein rares Erlebnis, das in den letzten Wochen vor dem Osaka Marathon sogar gänzlich ausfiel.

Was kann man in Japan überhaupt machen?

Das ist eine Frage, die ich mir zumindest vor Beginn meiner Reise gestellt hatte und die ich daher mit Perplexity durchplante. Auch wenn ich hier vor Ort einige Sachen inzwischen bereits verschob bzw. anpasste, bin ich rückblickend froh, zumindest eine grobe Planung meiner Reise mit dem Tool gemacht zu haben. Das ersparte mir sowohl bei der Suche nach der Lage für ein Airbnb als auch bei der konkreten Planung der Reise einige Zeit, die ich sonst im Suchmaschinendschungel verbracht hätte.

Letztlich lief es darauf hinaus, dass ich am Donnerstag in Japan ankam, dank Jetlag relativ zerstört war, mir aber zumindest die Osaka-Burg schon einmal angeschaut hatte. Am Folgetag ging es nach Kyoto mit dem berühmten Fushimi-Inari-Schrein. Mehr als 1.000 der berühmten roten Tore, die es sogar zum Emoji-Status geschafft haben, warten auf die Besucher, und der Weg zum Gipfel hatte noch einmal fast genauso viele Stufen.

Am Abend holte ich mir die Marathonunterlagen auf der eher unspektakulären Marathonmesse ab und fuhr zurück in meine Unterkunft. Den Tag vor dem Marathon verbrachte ich mit zwei eher unspektakulären Erlebnissen. Eine Sumo-Vorführung mitsamt Wagyu-Hotpot bot leckeres Essen, aber eine enttäuschende Vorstellung. Ehemalige Wettkampfathleten führten eine halb ernste, halb laienhaft-komödiantische Darbietung auf, die zumindest meine Erwartungen enttäuschte. Ähnlich unspektakulär empfand ich das Osaka Aquarium, auch wenn Riesenhaie zugegeben ein interessanter Anblick waren.

20 Grad im nicht vorhandenen Schatten

Am Sonntag ging es dann schließlich zum Osaka Marathon 2026. Nachdem ich am Freitag noch in Winterjacke auf der Straße war und abends fast Minusgrade herrschten, waren für Sonntag 20 Grad im Schatten angesagt. Diesen gab es auf der Rennstrecke jedoch kaum, sodass sich die sehr urban geprägte Route in meiner Wahrnehmung extrem aufwärmte.

Hinzu kamen die körperlichen Probleme. Die letzten Wochen führten dazu, dass ich hypersensibel auf jede Veränderung achtete und am Renntag beide Gluteus-Seiten sowie mehrere Muskeln am linken Bein tapte. Während ich mit einem komischen Gefühl ins Rennen startete, sollte jedoch die Muskulatur insbesondere nach den ersten ein, zwei Kilometern kein Problem sein.

Die Sonne war es dagegen umso mehr. Während ich die erste Hälfte noch in gut 1:50 h ohne große Anstrengung heruntergelaufen war, wurde es nicht nur zunehmend wärmer, sondern ich auch zunehmend langsamer. Mein zeitlicher Puffer schmolz immer mehr dahin – und mit ihm die zwischenzeitliche Zuversicht.

Der Mann mit dem Hammer bei Kilometer 36?

Bei Kilometer 36 war es dann so weit. Ich musste erstmals gehen und merkte, wie ich zu unterzuckern begann. Ich hatte glücklicherweise noch einen letzten Schokoriegel dabei, den ich zur Blutzuckerstabilisierung vor allem lutschte. Das eine Problem war damit gelöst, die Hitze hingegen nicht.

Allmählich trabte ich wieder los, ohne wirklich Tempo aufnehmen zu können. Ich wurde langsamer, aber glücklicherweise nicht zu langsam. Nachdem ich mich zeitweise schon kurz ins Ziel habe gehen sehen, begannen die Rechenspiele in meinem Kopf. Wie langsam durfte ich sein bzw. wie viel Puffer hatte ich auf der Uhr?

Am Ende wurde es eines meiner härtesten und gleichzeitig – nach dem Ohm-Marathon – langsamsten Rennen auf dieser Reise in 80 Marathons um die Welt. Die offiziellen Ergebnisse stehen noch aus, aber meine Uhr sagte mir, dass ich 3:57:17 h gebraucht habe. In Anbetracht der Umstände um diesen 50. Marathon herum bin ich am Ende trotzdem stolz auf mich selbst – was sonst nicht unbedingt meine Art ist.

Ab jetzt Urlaub

Damit beginnt für mich der ungewöhnlichste Teil dieser Reise: Ich werde Urlaub machen. Morgen geht es in die Universal Studios, für die ich noch auf den letzten Drücker ein Ticket für den Mario-Bereich bekam. Wie ich erst wenige Tage vor Abreise erfuhr, ist der Tag in Japan ein Feiertag, was für entsprechend große Anstürme sorgen wird.

Danach geht es für mich ab Dienstag nach Tokio, bevor ich gegen Ende der Woche noch einmal nach Peking fliege. Wenn ich schon einmal am anderen Ende der Welt bin, will ich die Chance nutzen, das erste Mal in Chinas Hauptstadt zu reisen. Auch wenn dies sicher nicht meine letzte Reise dorthin sein wird, sind die touristischen Pflichtausflüge zur Verbotenen Stadt sowie zur Chinesischen Mauer bereits gebucht.

In diesem Sinne: 加油.

Medaille Osaka Marathon 2026

Frank

One thought on “Der Kampf um den Osaka Marathon 2026

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

zurück nach oben

Entdecke mehr von In 80 Marathons um die Welt

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen