Gut zehn Monate ist es her, dass die Reise in 80 Marathons um die Welt mich nach China brachte. Dank Losglück durfte ich am Shanghai Marathon teilnehmen, nachdem ich 2024 mit Südafrika bereits den fünften Kontinent bereist hatte, auf dem ich an einem Marathon teilnahm. In wenigen Stunden soll der sechste Kontinent hinzukommen, was dem kommenden Lauf ein wenig den Charakter eines Bucket-List-Punktes verleiht. Ob es das wirklich ist, versuche ich mir selbst zu beantworten.
Zehn Monate kein Marathon
Als ich diesen Blog vor einigen Jahren begann, hatte ich keine wirkliche Vorstellung, wo er mich hinführen würde und wer an dieser Reise überhaupt teilnehmen würde. Mit einer gewissen Naivität und gleichzeitig großer Motivation wollte ich nicht nur ein (für mich) besonderes sportliches Projekt beginnen, sondern dieses auch möglichst umfangreich dokumentieren.
Mit der Reise zum New-York-Marathon war die Idee dieses Blogs geboren, wobei ich noch vor meinem ersten Marathon in den USA recht spontan erst die Stadtgrenzen von Hannover und schließlich die Landesgrenzen hinter mir ließ. Das alles ist in den vergangenen Jahren dokumentiert worden und insbesondere in den ersten Monaten ergänzten wöchentliche Texte den Umfang dieses Blogs.
So aktiv ich in der Anfangszeit war, so ruhig war es in den vergangenen Monaten. Dies lag zum einen daran, dass ich 2025 schlichtweg noch keinen Marathon gelaufen war. Zum anderen aber auch daran, dass ich mich fragte, ob meine Beiträge hier die notwendigen Informationen liefern würden. Informationen im Sinne von Gregory Bateson, der eine Information als Unterschied definierte, der einen Unterschied macht – bis heute eine meiner liebsten Definitionen. – In Zeiten immer präsenterer Beschleunigung und reduzierter Aufmerksamkeitsdauer fällt es manchmal schwer zu bewerten, was die relevanten Unterschiede sind.
Beschleunigung oder nur Verweigerung der Zeitverschwendung?
Diese stetige Beschleunigung, die unser Leben begleitet, ist keine Entwicklung der letzten Dekaden. Schon vor Hunderten von Jahren beklagten die Menschen entsprechende Entwicklungen, und womöglich ist das, was wir als Beschleunigung titulieren, manchmal auch schlichtweg nur Veränderung, die wir nicht länger wollen. – Das mag die Perspektive eines vielleicht noch nicht zu alten Mannes sein, aber eines, der älter ist als die Persönlichkeit, die diesen Blog einmal zu schreiben begann.
Schon immer war unser menschliches Wesen darauf ausgerichtet, stets das nächste, möglichst Neue wahrzunehmen. Nicht zu verpassen, was heutzutage darin mündete, sich manchmal dem Rausch der Nicht-Aufmerksamkeit hinzugeben. Und womöglich ist es nur das steigende Alter und die damit ganz von allein einhergehende Erfahrung, die solcher Hektik müde ist. Um es deutlicher auszudrücken:
Der wissenschaftliche Kenntnisstand mag sich weiterentwickeln. Die Sport- und Ernährungswissenschaften erleben jedoch nicht monatlich ein neues Beben, das die geltenden Säulen zum Wackeln bringen würde. Sich wiederum in – für die Praxis irrelevanten – Details zu verrennen, ist nicht meine Art. Ebenso wenig wie das Missinformieren meines Publikums oder das Ablenken von den wesentlichen Dingen. Denn wenn wir eines zu wenig haben – egal ob be- oder entschleunigt –, dann ist es Zeit.
Zeit ist das, was man nie hat …
… aber sich einfach nimmt. – Ich.
Wer noch im seltenen Besitz eines „Freundebuches“ ist, welches zu Schulzeiten unter den Mitschülern in absteigender Reihenfolge der Beliebtheit herumgereicht wurde, könnte diesen Satz darin so einige Male noch aus meiner Feder finden. Zeit hat mich offenbar schon vor über 20 Jahren beschäftigt, und das Bewusstsein, diese als Erwachsener oftmals nicht zu haben, ist frustrierend.
Als ich diesen Blog begann, war ich wenige Monate zuvor Vater einer kleinen Tochter geworden. Inzwischen ist diese der Pubertät näher als dem Anfang dieses Blogs und hat längst ein Geschwisterkind bekommen. Dies erfordert Zeit – von mir, für mich, aber auch insbesondere für mein Umfeld. Das Training und insbesondere das Laufen blieben dennoch stets wichtige Säulen in meinem Leben, und Wochen, in denen ich nicht mindestens vier Einheiten schaffte, sind eigentlich nur durch Krankheiten zu erklären.
Nur die Teilnahme an Wettkämpfen musste in diesem Jahr bislang zurückstecken. Über die Gründe könnte ich vielfältig philosophieren, doch am Ende ist der wichtigste wohl derselbe wie die Tatsache, dass dieser Blog zum ersten Mal keinen Jahresrückblick bekam: Ich musste meine Zeit priorisieren – was nicht bedeutet, dass mir dies immer gut gelang. Beschleunigung ist manchmal auch nur die Zunahme an Rollen, die wir haben, und der damit einhergehenden Erwartungen, die an uns gestellt werden.
Training und Ernährung für Berufstätige
Dies war mit ein Grund, dass ich vor wenigen Wochen meine Einzelbetreuungen pausierte. Eine Frage der Zeit und des gleichzeitigen Anspruchs, allen Rollen, die ich bewusst annehme, gerecht werden zu wollen. Der Umstand jedoch, insbesondere im Rahmen von Betreuungen eher eine Art Entschleunigung zu erleben, da es stets wiederkehrende Schleifen waren, die durchlaufen wurden, ermüdete mich und ließ mich über meine Prioritäten nachdenken.
Das bedeutet nicht, dass ich mir in Zukunft nicht wieder Zeit für so etwas nehmen werde. Doch nicht mehr heute oder morgen, zumal die Notwendigkeit gleichzeitig in meinen Augen immer geringer wurde.
In diesem Jahr brachte ich mit Training und Ernährung für Berufstätige ein weiteres Buch zu einem Themenfeld heraus, das ich bereits auf viele Weisen beleuchtet habe. Wer einen Blick in das eigene Bücherregal wirft und in diesem Moment womöglich feststellt, gar keines zu haben, mag vielleicht denken, dass dies Zeitverschwendung meinerseits war. Dennoch bin ich weiterhin überzeugt, dass ein unaufgeregtes Wort nicht immer die letzte, beste oder einzige Lösung sein muss – aber in jedem Fall besser als eine aufmerksamkeitsgetriebene Schlagzeile ohne Informationsgehalt.
Und ja, dieser kleine Absatz war eine Art Werbung.
Mehr als nur eine Bucket-List?
Damit also zum ursprünglichen Thema dieses Blogs, wegen dem du bis zu diesem Punkt durchgehalten hast. Ist die Teilnahme am Buenos-Aires-Marathon nur das Abhaken eines Punktes auf einer imaginären Bucket-List? Ja und nein.
Ich muss gestehen, dass die Tatsache, nach Europa, Nordamerika, Australien, Asien und Afrika damit den sechsten Kontinent wegen eines Marathon-Wettkampfes zu bereisen, schon in gewisser Weise den Charakter eines Bucket-List-Punktes hat. Mich persönlich verbindet nichts mit Argentinien. Ich spreche kein Spanisch, habe kein Interesse an Tango und werde – wie schon bei all den anderen Rennen – meinen Aufenthalt so kurz wie möglich halten.








Es bleibt in gewisser Weise Arbeit, auch wenn das kein lustloses Bild von meiner Reise zeichnen soll. Erholung oder Urlaub ist jedoch in jedem Fall etwas anderes. Gleichzeitig ist die Teilnahme am Rennen in Buenos Aires aber auch mehr als nur das Erfüllen eines Punktes.
Erfahrungen kann einem niemand nehmen
Auch wenn die Intensität der ersten Reise zu Marathons rund um die Welt inzwischen deutlich abgekühlt ist und so etwas wie einen „Mona-Lisa-Effekt“* verspüre, verbinde ich mit jedem Rennen mehr als nur eine Medaille, die bei mir zu Hause hängt. Ich habe Eindrücke und Erfahrungen gesammelt, die mal mehr und mal weniger intensiv, aber in jedem Fall bleibend waren.





Das Rennen von Marathons überall auf dem Globus ist auf der einen Seite meine Art des Marketings, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Auf der anderen Seite aber auch ein Prozess, der Veränderungen erzeugte, die man schwer in Worte fassen und noch schwerer nachlesen kann. Es half, das Wesentliche besser zu erkennen – und damit meine ich nicht nur die Priorisierung der eigenen Zeit, wenn es darum geht, sich sportlich zu betätigen.
Letzteres – und damit sei mir ein letzter Werbeschwenker verziehen – habe ich jedoch zumindest aus meiner Perspektive in meinem Buch Training und Ernährung für Berufstätige zusammengefasst. Es ist kein Läuferbuch, aber ich war schließlich auch noch nie ein Läufer. Ich bin ein Typ, der auszog, Marathons zu laufen. So lautete schon seit Beginn das Motto dieses Blogs, und Buenos Aires ist auf dieser Reise der nächste Schritt.







*Vor fast 20 Jahren besuchte ich den Louvre und sah mir die Mona Lisa im Original an. Die Reaktion, die mir bis heute prägend in Erinnerung geblieben ist, war Enttäuschung. Ich hätte mir das Gemälde genauso gut im Internet anschauen können – und dort wäre es sogar spektakulärer dargestellt gewesen. Ähnlich erging es mir in den vergangenen Jahren auch bei Reisen in verschiedene Länder.

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