Allgemein, Marathon, USA

New York Marathon 2018: Messe und Hafenrundfahrt bei Nacht

Kein Marathon ohne Startnummern. Aber was so selbstverständlich klingt, ist bei einer Teilnehmerzahl von um die 50.000 Frauen und Männern eine ganz andere Hausnummer, als wenn kaum 5.000 die Ziellinie übertreten werden. Entsprechend erfolgte die Herausgabe der Unterlagen in New York bereits ab Donnerstag und meine frühe Anreise hatte ja unter anderem diesen Hintergedanken: Möglichst nicht dann hingehen, wenn alle anderen es tun.

Eindrücke von der Messe New York Marathon 2018

Also machte ich mich am Vormittag auf den Weg in Richtung Javits Center. Wo anderorts ein großes Zelt aufgespannt oder eine Sporthalle umfunktioniert wird, ist in New York auch in dieser Hinsicht alles größer – und fantastisch organisiert! Pro 2000er Nummernblock, was natürlich immer noch eine kleine Hausnummer ist, gab es einen einzelnen Stand mit jeweils drei Helfern, die allesamt extrem gut gelaunt waren. Generell kam im Rahmen der Nummernabholung bereits die erste Vorfreude auf. Überall riesige Banner mit Sprüchen wie „It will inspire you!“, gutgelaunte Helfer und bereits an diesem ersten Vormittag unzählige Teilnehmer, die sich nur aufgrund der riesigen Halle gut verteilten. Die Messe des New York Marathon 2018 war hervorragend organisiert.

Von der Nummernausgabe ging es sofort weiter zum T-Shirt-Anprobierstand, an dem im Akkord ein Shirt der gewünschten Größe Probe getragen wurde, bevor man sich schließlich sein eigenes Exemplar mitsamt Startbeutel abholen konnte. Das ist wohl der einzige Wehrmutstropfen: Den typischen Sack, in dem man seine Kleidung und andere Dinge stecken kann, wird es in New York nicht als Erinnerung geben. Aufgrund der langen Wartezeiten vor dem Startschuss dient dieser vielmehr als Transportmittel, das man dort dann wiederum ebenso wie zusätzlich Kleidung, die während des Wartens getragen wird, entsorgen kann. Soweit war mir das aber auch bereits im Vorfeld bekannt.

Nach der Startnummernausgabe wurde man zunächst in eine New Balance Area geschleust, auf der man sich mit T-Shirts, Pullovern und anderem Merchandise hätte eindecken können, solange man bereit war, 100 Dollar für einen Pullover oder 30 Dollar für ein sehr einfaches Shirt mit New York Aufdruck zu bezahlen. Wer der Versuchung widerstehen konnte und erfolgreich die Area ohne Geldausgaben verließ, stand umgehend vor der nächsten Verlockung: der New York Marathon Messe.

Laufmessen gehören zu Marathons dazu, das steht außer Frage. Diese Laufmesse hatte aber das Format einer kleinen FIBO und war tatsächlich erstmals so etwas wie eine ernstzunehmende Veranstaltung mit verschiedensten Anbietern und zum Teil kuriosen Produkten, die beworben wurden. Ich lerne die Parallelwelt des Laufens, wenn man so es nennen möchte, noch immer kennen, wie ich bereits in einem früheren Beitrag betonte. Was ich aber sagen kann: Die Faszienmassage ist offenbar auch im Laufbereich endgültig angekommen, so dass es verschiedenste Geräte zu kaufen gab und der kleine Messi in mir sich zurückhalten muss, nicht noch ein Utensil zu kaufen.

Fast schon kurios fand ich dagegen „Regenerationssandalen“, die es in verschiedener Qualität an mehreren Ständen gab. Diese hatte allesamt eine deutlich gedämpfte Sohle, ähnlich wie bei einem Balance Pad, und sollen im Anschluss an einen Marathon unterstützend wirken. Ehrlich gesagt hatte ich bisher noch nie Probleme mit den Fußsohlen nach einem Lauf, wobei man dazu sagen sollte, dass ich regelmäßig auch die Sohle ausmassiere. Inwieweit solche Sandalen, die für um die 50 Dollar zu erwerben waren, tatsächlich einen Vorteil für die Regeneration bringen, fällt mir schwer nachzuvollziehen. Dennoch musste ich mich tatsächlich zurückhalten, nicht doch ein Paar zu kaufen und hätte ich mir vor wenigen Tagen nicht bereits Trekz Air Kopfhörer zugelegt, hätte ich hier auf der Messe zugeschlagen. Der Sog der Subkultur hat mich tatsächlich gefangen.

Im Anschluss an die Nummernvergabe überlegte ich zunächst die Zeit für ein wenig Stadterkundung zu nutzen. Allerdings erwies sich der Beutel als recht unhandlich und meine Jacke zugleich als deutlich zu warm, so dass ich zunächst noch einmal ins Hotel zurückkehrte, um mich dann auf den Weg zu machen. Nur wohin? Für den Abend hatte ich eine Bootstour für New York bei Nacht gebucht und bis dahin waren noch gut fünf Stunden Zeit.

Date mit der Freiheitsstatue

Also entschloss ich mich zur Freiheitsstatue zu marschieren, bzw. zumindest bis zum Dock der Fähe. Während man als Fußgänger alle paar Meter durch eine rote Ampel ausgebremst wird, die New Yorker mal mehr und mal weniger ernst nehmen, entdeckte ich durch Zufall die High Line. Dabei handelt es sich um eine 2,33 km lange ehemalige Güterzugstraße, die seit September 2014 endgültig zu einer Parkanlage ausgebaut wurde und ganz offensichtlich ein beliebtes Touristenziel ist. Im Internet sind Zahlen von 5 Millionen Besuchern pro Jahr zu finden und wer ein wenig den Gesprächen der Menschen lauschte, an denen man vorbeigeht, wird nur selten Englisch zur hören bekommen.

Im Anschluss wechselte ich auf die West Street, die am Hutson River entlang verläuft, um schließlich endgültig an den Piers entlang zu gehen. Da ich aus Schwerin, der Stadt der sieben Seen komme, und auch in Rostock, wo ich die ersten Jahre studierte, die Ostsee vor der Tür hatte, ist Wasser tatsächlich das Einzige, was ich manchmal in meinem heutigen Zuhause vermisse und was auf mich immer wieder aufs Neue eine beruhigende Faszination ausübt.

Am Pier, von dem die Ausflüge zur Freiheitsstatue ablegen, angekommen, konnte ich dann auch feststellen, dass die Ausflüge allesamt für den Tag ausgebucht waren. Ursprünglich hatte ich überlegt, die Überfahrt noch mitzunehmen. Auf der anderen Seite hätte ich drei Stunden später auch schon bei meiner abendlichen Bootstour sein müssen. Ein wenig hatte ich da wohl den Bezug zur Zeit verloren, denn knapp zwei Stunden davon waren allein schon für den Rückweg zu Fuß verplant.

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Also aß ich in Ruhe etwas, ging mit einem gemütlicheren Tempo zurück und schaute mir unter anderem das Ground Zero Gelände mit dem 2014 neu errichteten Tower 1 an, der aktuell das höchste Gebäude der USA darstellt. Der 11. September 2001 ist ohne Frage ein Datum, bei dem jeder, der alt genug ist, weiß, wo er zum Zeit des Vorfalls war. Ich hatte allerdings bis heute keine Vorstellung, wie sehr Mitten in einer Stadt das Ganze stattfand. Ich würde lügen, wenn ich etwas von einem beklemmenden Gefühl erzählen würde, aber interessant war das Ganze in jedem Fall.

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New York bei Nacht

Von dort aus ging es dann auch tatsächlich Richtung Pier 83, von wo aus meine Bootstour startete und wie sich herausstellte war eine Stunde vor Abfahrt eine gute Ankunftszeit, um noch einen der letzten guten Plätze auf dem Oberdeck zu erhalten. Ich schrieb bereits, dass New York für mich bei Nacht ein ganz anderes Gesicht hatte und dieser Eindruck bestätigte sich bei der Hafenrundfahrt noch einmal. Darüber hinaus kam ich doch noch einmal nah an die Freiheitsstatue heran, was für mich rückblickend auch absolut ausreichend war.

Weiter ging es dann noch einmal unter der Brooklyn, der Manhattan und der Williamsburg Bridge, bis die Fähre etwa auf Höhe der Vereinten Nationen wendete und nach zwei Stunden auch wieder den Pier erreichte. In der Zwischenzeit sorgte der Wind und die etwas kühleren Temperaturen auch für eine deutilch dezimierte Personenzahl auf dem Oberdeck, so dass spätestens auf der Rückfahrt jeder, der wollte, einen perfekten Blick auf die New Yorker Skyline hatte.

Man liest in diversen Internetlisten zu kostenlosen Attraktionen in New York unter anderem regelmäßig von der Fähre die an der Freiheitsstatue vorbeigeht. Für mich war die Hafenrundfahrt bei Nacht aufgrund des Gesamtpakets allerdings dennoch das Geld wert, so dass ich im Anschluss müde vom Tag und mit Vorfreude auf den Marathon ins Bett ging.

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2 Gedanken zu „New York Marathon 2018: Messe und Hafenrundfahrt bei Nacht“

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