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Bremerhaven Marathon 2020: (M)Eine Perle!

Der Bremerhaven Marathon 2020 ist geschafft. Gemeinsam mit knapp 150 anderen Finishern konnte ich trotz Corona bei einem offiziellen Wettkampf die volle Distanz laufen. Es war heiß, es war hart und es war vor allem ein kleines Highlight in diesen trostlosen Wettkampfzeiten. Eine kleine kostbare Perle, die ich unter anderen Umständen möglicherweise im Rahmen dieser Reise nicht geborgen hätte. So wurde es aber Marathon 22 und gleichzeitig mit Bremen auch das nächste Bundesland auf meiner Bucket List.

Marathonlaufen in Coronazeiten

Die weltweite Coronapandemie macht im Jahr 2020 bekanntlich vieles anders. Bereits im Ausblick auf den Bremerhaven Marathon beschrieb ich in groben Zügen, wie das Konzept der Veranstalter vorgesehen war. Bevor ich mir selbst aber einen Eindruck machen konnte, galt es zunächst anzureisen. Nach über acht Monaten Marathonpause stellte sich am Abend vor dem Lauf die bekannte und durchaus vermisste Aufregung wieder ein. Während ich es zuletzt gewohnt war, bereits am Vortag einzutreffen und vor Ort zu übernachten, war Bremerhaven nah genug, um am frühen Morgen mit dem Auto anzureisen. Zuletzt traf dies auf den Vivawest Marathon im Ruhrpott zu.

Eine Stunde vor dem Start in Bremerhaven angekommen, bereitete mir jedoch die Verkehrsführung Probleme. Ein Parkhaus, das von den Veranstaltern empfohlen wurde, lag hinter einer abgesperrten Brücke. Andererseits gab es nur Verbotsschilder mit dem Hinweis auf den Marathon und keine Gitterabsperrung. War die Fahrt bis zum Parkhaus für Läufer erlaubt? Nachdem mein Navi mich einmal kreisen ließ, sah ich vor mir einen PKW über die Brücke fahren. Ich entschloss mich, diesem zu folgen.

Gleiches galt für eine Motorradstreife der Polizei, die ich bereits in der Ferne wahrgenommen hatte. Wenige Augenblick später wurden sowohl der PKW vor mir, als auch ich angehalten. Offenbar war den Beamten aber bewusst, dass die Beschilderung für Teilnehmer von außerhalb nicht zwangsläufig optimal war. Ich durfte die letzten 200 Meter zum Parkhaus weiterfahren. Von dort aus ging es, wie vom Veranstalter versprochen, innerhalb von fünf Minuten zum Startbereich, wo auch die Nummernabholung stattfand. Die erste Hürde des Tages war somit schon einmal genommen.

Ankunft in Bremerhaven – der erste Anblick beim Heraustreten aus dem Parkhaus

Ich weiß nicht, wie es anderen Läufern geht. Da ich bisher aber fast ausnahmslos in Städten lief, die ich zuvor noch nie besuchte hatte, und mein Orientierungssinn ungefähr dem eines Toasters entspricht, bin ich immer froh, wenn die Nummernabholung rechtzeitig geklappt hat und kein unnötiger Stress aufkommt.

Wie im Vorfeld angekündigt, herrschte auf dem gesamten Gelände Maskenpflicht. Hinter dem Startbogen konnte man zudem bereits die auf den Boden gesprühten Startnummern betrachten. Bereits kurze Zeit später ging es schließlich los. Der Zutritt an den Start erfolgte so geordnet, wie ich es noch nie erlebt hatte. Natürlich war die Veranstaltung relativ klein. Man merkte dem restlichen Teilnehmerfeld aber auch an, dass alle Anwesenden froh waren, einen offiziellen Lauf bestreiten zu können. Nachdem man in einem Vorbereich gesammelt wurde, ging es im zweiten Schritt in einen Schleusenbereich. Von dort aus durfte man im dritten Aufruf seinen Startplatz einnehmen. Ein wenig wie beim New York Marathon – auch wenn dies vermutlich die einzige Gemeinsamkeit dieser beiden Rennen darstellt.

Equipment Bremerhaven Marathon

Runde 1: Die längsten 10 km seit langem

Um 09:45 Uhr war es soweit. Gruppe D mit den ersten 100 Marathonläufern durfte Reihe für Reihe auf die Strecke. Auf diese Weise sollte der Mindestabstand gewährleistet werden. Ergänzt wurde die Maßnahme durch die Maskenpflicht für die ersten 500 Meter, an die sich um mich herum auch praktisch alle hielten.

Ohne Frage macht dies das Atmen auf den ersten Metern nicht einfacher. In Kombination mit dem Anschalten von Strava auf dem Handy und dem Filmen der ersten Schritte auf der Strecke brauchte ich ein wenig, um mich zu sortieren. Nach der angesprochenen Wettkampfpause war dies alles andere als ein Routinerennen. Erst nach knapp einem Kilometer war ich so richtig im Rennen angekommen. Meine Atmung war schnell, der erste Kilometer schwer und ein Blick in meine Aufzeichnungen verrät, dass dieser auch deutlich zu schnell war.

Ich reduzierte die Geschwindigkeit unbewusst und ging auf die erste von vier Runden, die man eher als zwei 5-Kilometer-Schleifen beschreiben könnte. Nach einem kurzen Anstieg über Kopfsteinpflaster ging es über die gesperrte Kennedy-Brücke, die ich auf der Anfahrt noch überquert hatte. Von dort aus führte die erste Schleife in Richtung Deich, von dem man auf die Weser blicken konnte. Meine Aufmerksamkeit erhielt im ersten Augenblick jedoch ein Gebäude.

Am Horizont war das mit 147 Metern höchste zugängliche Gebäude Bremens, das auf den ersten Blick wie das berühmte Burj al Arab aussah, welches ich vom Dubai Marathon kannte. Hierbei handelte es sich allerdings um das Atlantic Hotel Sail City, wie ich später im Internet nachlesen konnte, das in einem – soweit ich es beurteilen kann – touristisch sehr ansprechenden Teil Bremerhavens erbaut wurde.

Atlantic Hotel Sail City in Bremerhaven

Aufgrund der Streckenführung lief man immer wieder anderen Teilnehmern entgegen, so dass trotz der geringen Anzahl an Läufern kein Gefühl der Einsamkeit aufkam. Gleichzeitig konnte man auf diese Weise immer wieder auch Läufer beobachten, die an diesem Tag ein eigenes Rennen liefen. Der spätere Sieger, der als Einziger die magischen 2 h 30 min beim Bremerhaven Marathon unterschritt, lief mir mehrfach entgegen und bzw. an mir vorbei, was zugegeben beeindruckend war.

Willy-Brandt-Platz Bremerhaven

Nach der ersten Schleife, die gerade einmal knapp fünf Kilometer lang war, wie ich später erkannte, ging es fast zum Start zurück. Meine Hoffnung, die ersten zehn Kilometer bereits geschafft zu haben, zerschlugen sich aber schnell, als man kurz vor dem Startbereich umgeleitet wurde und die zweite Schleife in einem Parkbereich verbrachte.

Die spärlich verteilten Streckenschilder verdeutlichten dann noch einmal: Niemand hatte sich geirrt. Es waren tatsächlich erst zehn Kilometer. Schwere zehn Kilometer. Doch ein Blick auf meine Uhr verdeutlichte mir, dass ich zu schnell unterwegs war. Knapp 51 Minuten hätten am Ende bei gleichbleibender Geschwindigkeit eine gute Zeit bedeutet. Aber nicht an diesem Tag. Die Temperaturen wurden langsam heißer. Ich wollte in erster Linie gesund aus dem Rennen gelangen und reduzierte die Geschwindigkeit ganz bewusst.

Runde 2: Sightseeing

Die Tatsache, dass ich trotz reduziertem Tempo praktisch nicht überholt wurde, ließ mich ahnen, dass ich nicht der Einzige war, dem die Temperaturen inzwischen zu schaffen machten. Ich selbst fand nun besser in den Lauf und nutzte die zweite Runde, um wie geplant einige Aufnahmen mit meiner GoPro zu machen. Nachdem ich dies zuletzt beim Reykjavik Marathon 2019 getan hatte, merkte ich insbesondere während der Marathonpause, dass ich die ein oder andere Erinnerung in bewegten Bildern doch zu schätzen wusste. Selbst wenn es nur für einen kurzen Blick in die Vergangenheit war und ich mir die Clips der alten Rennen selbst nie in voller Länger anschaute.

Die zweite Runde lief ich insgesamt nur geringfügig langsamer als die erste und dennoch fühlte sich das Rennen entspannter als auf den ersten Kilometern an. Dennoch wusste ich, dass das Rennen nun erst wirklich beginnen würde. Der zweite Halbmarathon stand an.

Runde 3 und 4: Der Weg war das Ziel

Spätestens ab der dritten Runde spürte ich, das ich nicht ausreichend Flüssigkeit an den einzelnen Stationen aufnehmen konnte. Die Sonne wurde langsam zu heiß und obwohl wir keinesfalls tropische Temperaturen hatten, sollte ich am Ende des Tages auch einen leichten Sonnenbrand im Gesicht aus Bremerhaven mitnehmen.

Die Strecke wurde leerer. Die Halbmarathonläufer, die vor dem Marathon starteten, hatten ihr Rennen beendet. Den zwischenzeitlich über die 6,5 km auf die Strecke geschickten Teilnehmern begegnete man auf der ersten Schleife nur phasenweise. Auf der zweiten Schleife war man endgültig allein. Das Feld der verbliebenen Marathonläufer hatte sich auseinandergezogen und die Tatsache, dass ich nicht überholt wurde, bestätigte mir, dass die Temperaturen auch von den anderen Läufern weiterhin ihren Tribut forderten.

Runde drei war noch einmal etwas langsamer als die zweite und wie so häufig, ging das Rennen ab Kilometer 36 in die entscheidende Phase. Anders, als bei manch anderem Lauf, gab es aber keinen Einbruch. Ich wurde langsamer, lief aber kontinuierlich weiter. War es in der zweiten Runde noch der zwischenzeitlich 83. Platz und in der dritten Runde der 76., beendete ich das Rennen am Ende auf Platz 79 von 153 Finishern in 3 h 55:38 min.

Zwischenzeiten Bremerhaven Marathon 2020

Kaputt, aber glücklich nahm ich hinter der Zielgerade den Verpflegungsbeutel an, in dem sich die Medaille befand. Bei allem Lob für die professionelle Veranstaltung, war dies das einzige Manko dieses schönen Marathons. Von dem ein oder anderen Powerliftingwettkampf abgesehen, war dies vermutlich die liebloseste Medaille, die ich bisher bei einer Veranstaltung erhalten hatte. Während das Foto sicherlich noch einen passablen Eindruck macht, hat man beim Anfassen das Gefühl, ein Stück Blech in der Hand zu halten.

Diese kleine Kritik soll aber nicht undankbar klingen, denn das bin ich in keiner Weise. Ganz im Gegenteil möchte ich den Veranstaltern an dieser Stelle noch einmal ein klares Lob für ein sehr gut organisiertes Rennen aussprechen. Darüber hinaus bin ich sehr dankbar dafür, dass man sich in Zeiten von Corona die Mühe machte, eine entsprechende Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Danke!

Epilog

Wie geht es nun weiter? Das weiß ich zum jetzigen Zeitpunkt tatsächlich noch nicht. Es gibt aktuell weiterhin einige kleinere Veranstaltungen und ich will 2020 in jedem Fall noch Marathon Nummer 23 laufen. Dennoch will ich nach den Erfahrungen der letzten Monate selbstverständlich nichts überstürzen. Am Tag nach dem Bremerhaven Marathon bin ich zwar schmerzfrei, was noch einmal eine Sorge von meiner Seite aus war, aber dennoch so zerstört, wie schon lange nicht mehr.

Ich kann aktuell schwer einschätzen, ob es an den Temperaturen oder der langen Laufpause lag. Letztendlich war ich vor zwei Monaten erstmals wieder mindestens 30 Kilometer gelaufen, so dass mir aktuell im Vergleich zum letzten Jahr die Laufroutine fehlt. Ich werde die nächsten Tage in meinen Körper hören und die verschiedenen Optionen abwägen. In jedem Fall war es ein wunderbares Gefühl, wieder die volle Marathondistanz gelaufen zu sein. Während des Rennens fragt man sich, was der Quatsch überhaupt soll. Am Ende ist man aber um eine kleine persönliche Heldengeschichte reicher.

|Medaille Bremerhaven Marathon 2020

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