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Mein erster Ultramarathon

Vor über 2.500 Jahren machte sich ein Bote namens Pheidipiddes von der Schlacht um Marathon auf dem Weg, um die Spartaner um Hilfe zu bitten. Während dieser Lauf die Grundlage des heutigen Marathons darstellt und wir Dank der britischen Adelsfamilie genau 42,195 Kilometer laufen, erfreuen sich Ultramarathons in der jüngeren Vergangenheit einer wachsenden Beliebtheit. Ich selbst hätte mir den Start bei einem Lauf, der deutlich länger als die eigentliche Marathondistanz ist, lange nicht vorstellen können. Vielleicht in einem Jahr, oder zwei, in jedem Fall irgendwann weit in der Zukunft. Doch Dank Corona kam dieses Jahr bekanntlich vieles anders und so stehe auch ich vor meinem ersten Ultramarathon.

Was ist ein Ultramarathon?

Als ich vor einigen Tagen auf Instagram eine Trainingseinheit postete und darauf verwies, dass es demnächst auf eine über 60 Kilometer lange Strecke gehen wird, meldete sich eine Person und meinte sinngemäß, dass da ja nicht mehr viel zum Ultra fehlen würde. Wie sich herausstellte, dachte derjenige, dass Ultramarathons bedeuten, dass man zwei Marathons am Stück laufen würde. Ganz so ist es allerdings nicht. Die Deutsche Ultramarathonvereinigung DUV definiert eine Strecke von mindestens 45 Kilometern als Ultradistanz.

Was genau mit dieser relativ offenen Grenze letztendlich realisiert wird, fällt so unterschiedlich aus, wie man es sich nur vorstellen kann. Während man 100-Kilometer- bzw. 100-Meilen-Rennen möglicherweise ebenso wie 24-Stunden-Läufe schon einmal wahrgenommen hat, überbieten sich die extremsten Vertreter der Ultramarathons gegenseitig in ihrer Gestaltung.

Seit 2016 werden gemäß Deutschem Leichtathletikverband jährlich mehr als 10.000 deutsche Läufer registriert, die mindestens einen offiziellen Ultra-Wettkampf absolvierten. Als Abkömmling der Randsportarten Bodybuilding und Powerlifting kann man über solche Zahlen nur anerkennend staunen. Sicherlich einer der Gründe für diese Entwicklung: Beim Ultramarathon kommt es den Teilnehmern (noch) seltener auf die Zielzeit an. Der Weg ist das Ziel. Nicht der Kampf gegen die Uhr.

Bisher lief ich alle Marathons unter einer Zeit von vier Stunden. Ich betonte jedoch auch bereits mehrfach, dass irgendwann der erste Lauf kommen wird, der mir mehr Zeit abfordern wird. Damit gehe ich entspannt um. Ich laufe mit, aber nicht mehr zwangsläufig gegen die Uhr. Dennoch war der Respekt vor der Ultradistanz eigentlich zu groß.

Blick auf den Schweriner See – Quelle: Wikimedia.org

Laufen in der alten Heimat

Ich komme ursprünglich aus Schwerin, der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns. Was läge da näher, bei einer Reise in 80 Marathons um die Welt, als den Bundesländerpunkt für M-V in der Geburtsstadt zu holen? Mein Problem: Es gibt keinen Schwerin Marathon! Die zweitgrößte Stadt des norddeutschen Bundeslandes bietet diverse Laufveranstaltungen an, doch die reguläre Marathonstrecke ist bei keinem dabei. Der Fünf-Seen-Lauf ist fast so alt, wie ich es bin und ich kann mich erinnern, diese Veranstaltung bereits als Kind bewusst wahrgenommen zu haben. Doch mehr als die halbe Marathondistanz wäre schlichtweg nicht möglich.

Während ich so zu Beginn dieser Marathonreise bereits gedanklich damit abgeschlossen hatte, einen Lauf in Schwerin zu machen, entdeckte ich vor vielen Monaten den Schweriner Seentrail. Während man in Hannover einen knapp 30 Quadratmeter großen See als Steinhuder Meer betitelt, ist der Mecklenburger bescheidender. Der doppelt so große Vertreter trägt den Namen Schweriner See und teilt sich in einen Innen- und Außensee. Als Jugendlicher fand ich die Vorstellung, einmal den gesamten See zu umfahren, als unvorstellbar. Als Erwachsener kehre ich nun zurück und stelle mich genau dieser Herausforderung – zu Fuß.

Schweriner Seentrail: Der 61 Kilometer Ultra

Unter der normalen Umständen hätte der Schweriner Seentrail bereits im Frühjahr 2020 seinen vierten Durchlauf erlebt, doch Dank Corona musste das Rennen kurz vor dem Wettkampftag abgesagt werden. Dennoch war es keinesfalls so, dass ich nach meiner Genesung größenwahnsinnig geworden wäre, und nach dem Bremerhaven Marathon gleich die nächste Herausforderung gesucht hätte. Ursprünglich war im September der Start in Münster geplant, der jedoch wie so viele andere Veranstaltungen virusbedingt abgesagt wurde.

Da stand ich also und suchte nach einer alternativen Veranstaltung. Traute ich es mir zu, eine Strecke von 61 Kilometern zu bewältigen? Lange Zeit nicht und fast vier Wochen lang grübelte ich jeden Tag, ob ich es schaffen würde, innerhalb des Zeitlimits die Ziellinie zu überschreiten. Durchlaufen war zu keinem Zeitpunkt der Plan. Durchhalten und das Rennen mit der richtigen Strategie angehen, dagegen die wahre Herausforderung.

Hätte man mich ein oder zwei Tage nach dem Bremerhaven Marathon gefragt, hätte ich dankend auf die Teilnahme verzichtet. Noch keine sieben Tage später lief ich im Training erneut – anders als ursprünglich geplant – die 30 Kilometer im Training und sie fühlten sich gut an. Die Entscheidung war somit gefallen: Ich meldete mich für meinen ersten Ultramarathon an.

Seitdem verbrachte ich erneut viele Tage damit, über eine sinnvolle Strategie nachzudenken. Im Training probierte ich in gewisser Weise Intervallbelastungen aus: Ich lief zehn Kilometer in entspanntem Tempo und ging die restliche Zeit, die verblieb, bis eine Stunde vergangen war. Sobald 60 Minuten um waren, wurden erneut zehn Kilometer gelaufen. Zuletzt bewältige ich auf diese Weise zweimal die 30 und einmal die 35 Kilometer in den Nüchterneinheiten. Ich bin also guter Dinge, die ersten 40 Kilometer am Wettkampftag in vier Stunden zu bewältigen, bevor der eigentliche Wettkampf starten wird.

Das Zeitlimit beträgt gut 9,5 Stunden, so dass für den anschließenden halben Marathon noch über fünf Stunden Zeit verblieben. Klingt in jedem Fall machbar. Andererseits bin ich eben noch nie nach einem Marathon weitere 20 Kilometer am selben Tag gegangen, geschweige denn gelaufen. Ich bin also in vielerlei Hinsicht auf die Rückkehr in die alte Heimat gespannt.

Ein Gedanke zu „Mein erster Ultramarathon“

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