Deutschland, Marathon

Cuxhaven Marathon 2020: Corona-Trainingslauf

Ich wäre den Cuxhaven Marathon 2020 ohne Corona nicht gelaufen. Daran besteht kein Zweifel. Schließlich war der eigentlich für dieses Wochenende geplante Dresden Marathon bereits meine nationale Alternative in Zeiten, in denen das Reisen oder gar internationale Marathons nur eingeschränkt bis gar nicht möglich sind. So ging es heute an die Nordseeküste und dort auf die Marathonstrecke.

Spontane Anmeldung: Platz 350 von 350

Das Jahr 2020 wird uns allen in Erinnerung bleiben. Während Corona zweifelsfrei Einfluss auf den Alltag von uns allen ausübt, kämpfte ich, wie schon mehrfach berichtet, zu Beginn des Jahres mit Fußproblemen. Ich blicke deshalb noch einmal auf diese Zeit zum Vergessen zurück, da ich selbst zum Zeitpunkt des Bremerhaven Marathons im Alltag noch nicht völlig schmerzfrei war. Während das Laufen keinerlei Probleme darstellte, war das Fortbewegen zu Hause in Socken von der Tagesform abhängig.

Dennoch entschied ich mich im Anschluss an den geglückten Marathon recht spontan zum Start bei meinem ersten Ultra. Was von außen betrachtet unvernünftig wirken mag, kann ich in erster Linie nur mit Bauchgefühl begründen. Es sollte mein sportliches Highlight im Corona-Jahr werden. Letztendlich verlief bekanntlich auch alles besser als erwartet. Die größte Überraschung war allerdings, dass seit diesem Trail-Lauf meine Fußprobleme gänzlich verschwunden sind. Von einem Tag auf den anderen, was ich mir tatsächlich nicht erklären kann.

In der Euphorie des ersten Ultras surfte ich im Internet nach weiteren Marathons. Dank Corona ist aktuell kaum echte Planung möglich, wie die Absage des Athen Marathons erneut bewies, so dass ich mehr oder weniger von Lauf zu Lauf denke. Zu meiner Überraschung entdeckte ich auf der Seite planet-marathon.de, dass der Cuxhaven Marathon 2020 doch stattfinden würde. Ich war mir sicher, bereits von der Absage gelesen zu haben. Doch die Veranstalter des Bremerhaven Marathons legten nach erfolgreicher Corona-Premiere noch einmal nach.

Während in Bremerhaven nur 200 Läufer auf die Marathondistanz gehen durften, gab es in Cuxhaven für fast doppelt so viele Starter die Möglichkeit. Ganze 349 Starter waren bereits gemeldet, so dass ich nicht länger überlegte. Ich sicherte mir Platz 350.


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Vom Posingslip in die Laufschuhe

Sportlich betrachtet war dies bereits meine zweite Reise nach Cuxhaven. Im Frühjahr 2018 lief ich zunächst den Hannover Marathon, um in den darauffolgenden Wochen an der Landesmeisterschaft im Kraftdreikampf und schließlich an der Norddeutschen Meisterschaft im Bodybuilding des NACs teilzunehmen. Ich war damals keinesfalls so gut in Form wie bei meinem Podiumsplatz bei der GNBF in der Herbstsaison 2019. Dennoch stellte der Start auf der Bodybuildingbühne für mich einen gelungenen Abschluss dar. Dass wenige Monate später die Reise in 80 Marathons um die Welt beginnen sollte, konnte ich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht ahnen.

Der Bodybuilding-Wettkampf fand ebenso wie der Marathon an diesem Wochenende in Cuxhaven statt. Die Stadt am nördlichsten Ende Niedersachsens befindet sich an der Mündung der Elbe in die Nordsee, so dass es streng genommen doch an den viertlängsten Fluss Europas  ging. Statt nach Dresden, wo die Elbe aus Tschechien nach Deutschland fließt, quasi ans andere Ende der Bundesrepublik.

Anstatt der großen Bühne in einer Halle gab es diesmal einen denkbar unspektakulären Startbereich mitten in der Altstadt. Neben dem Marathon sollten am Vormittag auch die Läufer über die 31,65 Kilometer starten. Trotz der doppelt so großen Starterzahl im Vergleich zum Bremerhaven Marathon bliebt es überschaubar. Wie schon Ende August, sammelte man sich zunächst gruppenweise in einem abgesperrten Bereich, bevor es in mit 99 weiteren Läufern zum Startbereich ging. Jeder auf seinem Platz, fein säuberlich auf insgesamt 25 4er-Reihen aufgeteilt.

Während in Bremerhaven noch eine gewisse Demut zu spüren war und man merkte, dass die Teilnehmer froh waren, dass es wieder auf die Marathonstrecke ging, wirkten die Starter in Cuxhaven auf mich deutlich weniger distanziert. Man hielt Abstand, man trug seine Maske, aber es wirkte nicht so, als ob jeder ein rohes Ei bei sich trug, das in keinem Fall hätte zerplatzen dürfen. Ich hoffe, es wird deutlich, was ich mit diesem Vergleich versuche auszudrücken. Insbesondere aufgrund der Rekordmeldungen der letzten Tage, was die Corona-Zahlen betrifft, hätte ich eher Zustände wie vor zwei Monaten erwartet.

Die zwei Gesichter des Cuxhaven Marathons 2020

Vom Start aus ging es auf die Strecke, die viermal bewältigt werden wollte. Ein weiterer Grund, dass ich diesen Marathon vermutlich unter normalen Umständen nicht gelaufen wäre. Am liebsten sind mir immer noch die Läufe, bei denen es keine Wiederholungen gibt. Die Strecke des Cuxhaven Marathons präsentierte sich in diesem Zusammenhang von zwei Seiten.

Strecke Cuxhaven Marathon 2020 – Quelle: www.cuxhaven-marathon.de

Vom Startbereich aus ging es zunächst über glattes Kopfsteinpflaster in einen Teil der Altstadt, die jedoch reichlich unspektakulär war. Die ersten zwei, drei Kilometer war ich geradezu enttäuscht und mir schwante Böses. Ganz so schlimm wurde es dann jedoch nicht. Kurz vor der Hälfte der Runde lief man auf der Rückseite des Deiches. Die Markierungen auf der Strecke kündigten bereits die Schleife auf die andere Seite an, die man noch laufen würde.

Nach einem kurzen Abstecher durch ein Wäldchen folgte der Anstieg auf den Deich, wo die Strecke begann sich von ihrer besseren Seite zu zeigen. Während man linksseitig noch kurz seinen Blick auf die Nordsee werfen konnte, führte die Strecke nun an der Elbe entlang, die an ihrer Mündung so breit war, dass dennoch maritimes Flair aufkam. Ich fühlte mich an den Pisa Marathon zurückerinnert.

Zuschauer auf statt an der Strecke

Anders jedoch als in Italien gab es durchaus ein paar verirrte Zuschauer an der Strecke, aber insbesondere auf dem Deichabschnitt eine Vielzahl an Zuschauern auf der Strecke. Oder zumindest Passanten, denn während die ersten Meter im Startbereich noch durch Flatterband abgesperrt waren, führte der Cuxhaven Marathon im zweiten Streckenabschnitt mitten über die Flaniermeile.

Diese wurde an diesem windigen Sonntag auch von vielen Menschen genutzt. Dennoch gab es keinerlei Probleme beim Laufen. Während man bei großen Marathonveranstaltungen oftmals geradezu einen Hindernislauf durch das Teilnehmerfeld absolviert, ließen die Passanten stets ausreichend Platz, dass der Marathon ohne Probleme stattfinden konnte.

So sammelte ich meine Runden und merkte bereits nach den ersten 10 Kilometern, dass dies heute ein gutes Rennen werden könnte. Beim Bremerhaven Marathon machte mir noch die Hitze zu schaffen und zwang mich am Ende zu Gehpausen. Den Cuxhaven Marathon lief ich dagegen ohne Probleme durch, wobei ich auf der letzten Runde ein wenig Spritzigkeit einbüßte.

Trainingslauf in Cuxhaven

 Ich kämpfte dagegen aber auch nicht an. Ganz im Gegenteil: Ich hatte mir von Anfang an vorgenommen, entspannt in das Rennen zu gehen. Nach der langen, ungeplanten Pause bin ich noch nicht wieder an dem Punkt angekommen, an dem ich sein will. Ich merke jedoch, dass es stetig besser wird. Während die langen Nüchternläufe inzwischen wieder eine feste Routine sind, gab es in diesem Jahr allerdings erst zwei Einheiten, in denen ich bewusst meine anaerobe Schwelle trainierte. Dennoch lief der Cuxhaven Marathon zu meiner vollen Zufriedenheit.

Hatte ich am Freitag bei einer lockeren 10-Kilometer-Runde noch schwere Beine, trugen mich diese heute zuverlässig über die Strecke. Am Ende sollte ich die Ziellinie nach 3 h 39:04 min überschreiten, die sich gut angefühlt hatten. Die Luft wurde zu keinem Zeitpunkt knapp und die Muskulatur machte sich nach dem Zieleinlauf zwar bemerkbar, aber ich war keinesfalls so kaputt, wie noch vor zwei Monaten.

Eine Empfehlung erhält der Cuxhaven Marathon dennoch nicht von mir. So dankbar ich ebenso wie vermutlich die meisten anderen Teilnehmer war, dass es in Zeiten von Corona einen organisierten Lauf gab, so wenig würde ich den Lauf im Norden Niedersachsens unter normalen Umständen empfehlen. Die Strecke war schlichtweg unspektakulär und die Medaille streitet sich mit dem Bremerhaven Marathon darum, wessen Erinnerungsstück hässlicher ist. Das bitte ich nicht despektierlich zu verstehen, sondern vielmehr als persönliche Meinung im Vergleich zu meinen bisherigen Erlebnissen.

Aus diesem Grund will ich an dieser Stelle noch einmal ein großes DANKE an die Veranstalter aussprechen! Die steigenden Corona-Zahlen der letzten Tage werden nicht nur bei mir Schweißperlen erzeugt haben, ob der Lauf stattfinden kann. Umso mehr freut es mich, dass das Hygienekonzept offenbar bis zum Ende überzeugen konnte und ich hoffe, dass der Lauf für die Verantwortlichen zur vollen Zufriedenheit verlief. Denn das darf ich nach diesem Wochenende in jedem Fall sein: zufrieden

Medaille Cuxhaven Marathon 2020

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