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Mein letzter Hannover Marathon(?)

In einer Woche ist es soweit. Ich werde an den Ort zurückkehren, an dem vor gut einem Jahr der Grundstein für diese Reise in 80 Marathons um die Welt gelegt wurde. Es war nicht mein erster Marathon, aber wie ich bereits berichtete, wurde die Idee wie ein Samen gepflanzt, der nach einigen Monaten aufkeimte. Was die Teilnahme in Hannover betrifft, so wird es meine vierte und vermutlich (vorerst) auch die letzte werden. Nicht nur aus diesem Grund ist es diesmal alles anders.

Laufen im Flow?

Meine ersten drei Teilnahmen beim Hannover Marathon waren stets etwas Besonderes. Der Wettkampf erzeugte im Vorfeld immer ein gewisses Aufbruchsgefühl bei mir. Es war die Herausforderung, die wie ein großer Berg am Horizont darauf wartete, erklommen zu werden. Der Beginn der Vorbereitungen stellte für mich praktisch immer einen Neustart dar. Hatte ich nach meinem ersten Marathon die Laufschuhe fast komplett an den Nagel gehangen, so war das Lauf-Burnout nach den folgenden Teilnahmen zwar nicht annähernd so groß, allerdings fehlte ein Grund, oder besser gesagt ein Ziel, sich weiterhin für längere Strecken in die Laufschuhe zu begeben.

Ehrlich gesagt, wüsste ich noch nicht einmal, ob ich inzwischen an einem Punkt angekommen bin, auch ohne den nächsten Marathon am Horizont am Sonntag frühmorgens längere Nüchternläufe zu machen. Zumindest nicht in dem Umfang, wie es die letzten Wochen vor dem Marathonlauf erfordern. Ich bin jemand, der ein Ziel benötigt, wobei dies vermutlich nicht sonderlich außergewöhnlich ist. Wer nicht weiß, wohin die Reise gehen soll, läuft Gefahr, sich im Kreis zu bewegen, oder sogar ungeplant Rückschritte zu machen. Dennoch ist dieser Hannover Marathon mehr als nur ein Ziel.

Waren die ersten drei Teilnahmen so etwas wie mein Jahreshighlight, nach dem ich zufrieden einen Haken hinter eine große Herausforderung setzen konnte, die bewältigt wurde, so wird es im Jahr 2019 mein dritter Marathon sein, an den sich noch viele weitere anschließen sollen. Entsprechend musste ich dieses Mal auch nicht Anlauf nehmen und mich Kilometer für Kilometer an längere Distanzen herankämpfen, sondern werden diesen Marathon im Trainingsflow laufen, wenn man so möchte. Aber auch im Wettkampfsflow?

Dass vom Psychologen Mihaly Csikszentmihalyi entwickelt Konzept beschreibt den Rauschzustand höchster Leistungsfähigkeit, wenn die optimale Balance zwischen Über- und Unterforderung getroffen wird. In gewisser Weise hatte ich dieses Gefühl bereits vor einem Jahr. Ich scheiterte damals zwar nur knapp an der Marke von 3 h 30 min, allerdings überraschte ich mich selbst, mit welcher ungeplanten Leichtigkeit der Marathon verlief. Auch wenn ich meine ersten beiden Marathons insgesamt nicht als Kampf bezeichnen würde, so lief ich bei meiner dritten Teilnahme erstmals einen Marathon mit Genuss.

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Der Flow führt zum tatsächlichen Genuss… – Quelle: Wikimedia.org

Inzwischen habe ich viele neue Eindrücke und Erfahrungen gesammelt und betonte bereits mehrfach, dass der Hannover Marathon sich meiner Meinung nach nicht vor größeren internationalen Veranstaltungen verstecken müsse. Ich hoffe vor allem, dass sich dieser Eindruck bei meiner vierten Teilnahme bestätigen wird und nicht nur eine verklärte Erinnerung war. Im Gegensatz zu den anderen Läufen, die ich die letzten Monate bestritt, kenne ich die Strecke und freue mich auf das Rennen, die Zuschauer und den Flow.

Noch einmal angreifen?

Gleichzeitig wird es, wie ich bereits schrieb, meine (vorerst) letzte Teilnahme beim Hannover Marathon sein. Dies hat schlichtweg den Grund, dass im April eine Vielzahl an interessanten Rennen stattfinden. Mit dem Frühlingsanfang erwacht nicht nur die Natur aus ihrem Winterschlaf, sondern offenbar auch die Laufcommunity, obwohl ich persönlich nichts gegen den ein oder anderen Marathon in winterlichen Landschaften hätte. Allerdings ist mir selbst bewusst, dass die zu erwartenden Temperaturen deutlich mehr für potentielle Bestzeiten taugen, als Minusgrade oder glühende Hitze. Das dürfte für die meisten Menschen, die sich auf ein oder zwei Rennen pro Jahr vorbereiten, ein nicht unwichtiger Punkt bei der Wahl der Marathonveranstaltung sein.

Und so werde auch ich noch einmal angreifen und versuchen meine Zeit aus dem letzten Jahr zu verbessern. Wenn ich bedenke, dass ich trotz Eisenmangel und Anreisestrapazen in Neu Delhi eine akzeptable Zeit hinlegte, stimmt mich dies positiv, die (ungeplante) Wettkampfpause der letzten Wochen nutzen zu können. Den vermeintlichen Rückschlag in einen Anlauf umwandeln und vielleicht sogar eine neue persönliche Marathonbestzeit schaffen. Das wäre ein schöner Abschluss, den ich mir für meinen letzten Hannover Marathon wünschen würde. Ob dies klappen wird, wird sich in einer Woche zeigen. Ich werde versuchen die Heimvorteil zu nutzen und im Gegensatz zu den sonstigen Läufen das ein oder andere Register ziehen. Hannover Marathon 2019: Ich komme!

Ein Gedanke zu „Mein letzter Hannover Marathon(?)“

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