Marathon, USA

San Francisco Marathon 2019: Ankunft und Messe

Auf geht es zum San Francisco Marathon 2019 und entgegen der Aufforderung durch Scott McKenzie ganz ohne Blumen im Haar. Die einstmalige Hippie-Hochstadt trägt zwar keinen weltberühmten Marathon aus, wird allerdings im Gegensatz zur Gold Coast einige Sehenswürdigkeiten zu bieten haben. Anders als während der Reise nach Down Under habe ich zudem dieses Mal auch die Gelegenheit etwas von der Stadt zu sehen. Die Ankunft wurde von mir im Vorfeld Dank Zeitverschiebung bereits für Freitagmittag geplant, so dass ich theoretisch den gesamten Samstag zur Akklimatisierung zur Verfügung haben würde.

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Gute Bedingungen bei einem langsamen Rennen?

Bezüglich der Wetterbedingungen gilt dabei erneut dasselbe, wie schon bei der Anreise in den australischen Winter: Während in Deutschland am 25.07.2019 mit 42 Grad im Schatten ein neuer Hitzerekord erreicht wurde, erwarten mich im kalifornischen San Francisco fast schon kühle 22 Grad am Tag des Marathons. So gesehen definitiv bessere Laufbedingungen an der amerikanischen Westküste, was sich allerdings in den Rennergebnissen der letzten Jahre nur bedingt widerspiegelt.

Im Jahr 2014 gewann der US-Amerikaner August Brautigam mit einer Zeit von 2h 31:52 min das Rennen und auch in den Jahren zuvor und danach lagen die Ergebnisse der Sieger in einem auffallend hohen Bereich. Das letzte Mal konnte nochmal 20 Jahre früher ein gewisser Patrick Muturi aus Kenia die 2-20-Grenze unterschreiten, was auf den ersten Blick als Hinweis verstanden werden könnte, dass das Rennen ziemlich anspruchsvoll sein müsste. Das soll nicht missverstanden werden, ich werde im Leben nicht in diesen Ergebnisbereich hineinlaufen, allerdings gehört es heutzutage ja fast schon zum guten Ton eines Stadtmarathons, dass der Sieger den zwei Stunden näher ist als den drei Stunden.

Grund für diese relativ langsamen Rennen dürfte aber nicht nur das Streckenprofil sein, sondern in erster Linie die Tatsache, dass die Veranstalter seit 2005 kein Preisgeld mehr zahlen, da größere Sponsoren hierfür nicht gewonnen werden konnten. Dennoch wuchs die Veranstaltung in den darauffolgenden Jahren zumindest ein wenig weiter an. Kamen 2005 noch 4892 Männer und Frauen beim San Francisco Marathon ins Ziel, überquerten 2018 insgesamt 5264 Teilnehmer die Ziellinie nach der vollen Distanz.

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Höhenprofil San Francisco Marathon 2019 – Quellen: thesfmarathon.com

Der Weg dahin wird sich jedoch keinesfalls flach gestalten. Vermutlich wird jeder die berühmten Action-Sequenzen kennen, wenn ins San Francisco ein Auto die steilen Straßen mehr hinabspringt als fährt und allein die Tatsache, dass man eine Schleife auf der Golden Gate Bridge laufen wird, verspricht einen gewissen Anstieg, wie ich im Rahmen des New York Marathons 2018 lernen durfte, bei dem mittels Brücken durch alle fünf Stadtteile rannte.

Laut Anstiegsprofil werden insgesamt vier kleine Bergetappen auf mich warten, wobei zumindest der letzte Abschnitt angenehm flach zu sein schein. Dass dies auch anders geht, lehrte mich bekanntlich bereits der Luxemburg Marathon in diesem Jahr. Inwieweit ich aber die vier Stunden halten kann, nachdem ich zuletzt noch gesundheitlich eingeschränkt war, werde ich erst am Wettkampftag sehen. Zumal ich dem Braten noch nicht ganz traue. Der erste Eindruck von San Francisco bestätigt zwar durchaus flache Straßenabschnitte, allerdings konnte ich auch bereits die berühmten abfallenden Straßen begutachten.

San Francisco: Das sonnige New York?

Damit wären wir auch schon beim Eindruck, den die Stadt in den ersten Stunden bei mir hinterließ. Vom Flughafen aus ging es mit der BART in Richtung Innenstadt. Der Shuttle-Zug fuhr innerhalb weniger Minuten regelmäßig ab und ist für weniger als 10 Dollar vermutlich auch die günstigste Möglichkeit gewesen, direkt in die Stadt zu kommen.

Da dies erst mein zweiter Besuch in den USA ist, muss sich San Francisco den Vergleich mit New York gefallen lassen. Oder sollte ich es eher anders herum ausdrücken? Zumindest auf die ersten paar Stunden betrachtet, empfand ich San Francisco als abwechslungsreicher, einladender und auf gewisse Weise reizvoller. Möglicherweise spielt das sonnige Wetter und die Palmen mit in die Bewertung hinein, wobei insbesondere bei meiner Ankunft in New York letztes Jahr im November ebenfalls sommerlich Temperaturen herrschten.

In San Francisco suchte ich mir im Vorfeld bewusst ein Hotel in unmittelbarer Startnähe raus, um am Wettkampftag nicht unnötige Wege laufen zu müssen. Das Hotel selbst machte auch tatsächlich einen guten Eindruck, allerdings wirkten die Zimmer auf den Fotos deutlich größer und ich hatte das Gefühl, dass man sich die gute Lage mitbezahlen ließ. Vom Gebäude selbst ist es nämlich tatsächlich nur ein Steinwurf bis zum Pazifik, an dessen Pier-Bereich sich unzählige Touristen und entsprechende Attraktionen ansammelten.

Ich selbst eilte an der Promenade mehr zwischen den Menschen hindurch, als dass ich gemütlich schlendern konnte, denn ich wollte meine Startunterlagen noch von der Marathonmesse abholen, um am Samstag etwas von der Stadt sehen zu können, ohne noch einen Termin im Hinterkopf zu haben. Vorbei an verschiedensten Piers konnte man in gar nicht weiter Entfernung die Insel Alcatraz gut sehen. Wer sich diese anschauen will, sollte in jedem Fall einen Termin machen. Die Trips zum Gefängnisgebäude waren gut sechs Wochen im Voraus ausgebucht.

Ich selbst machte am Ende der Touristenmeile einen kurzen Stop bei In-N-Out Burger. Einem kalifornischen Familienunternehmen, dass inzwischen in einigen Bundessstaaten an der Westküste vertreten ist und mir bereits mehrfach empfohlen wurde. Bei meinem New York Besuch war ich noch überrascht, keine Filiale gefunden zu haben, was ich nun erst rückblickend verstand. Die Kette ist erst in sechs Bundesstaaten vertreten. Zumindest in dieser kalifornischen Vertretung war der Name zudem Programm: Neben einer Abholstation, gab es drei Kassen, die Bestellungen entgegennahmen. Nachdem ich aus den drei Standardburgern gewählt hatte, waren noch über 20 Personen vor mir dran und der Laden entsprechend überfüllt. An Sitzplätze war nicht zu denken. Die Leute sollten rein und wieder raus.

Der nervöse Blick auf die Uhr bliebt dabei unbegründet. Zwar sollte die Marathon-Messe um 17 Uhr Ortszeit schließen, jedoch hatte ich mit über 90 Minuten ein ausreichendes Zeitfenster und musste rückblickend doch relativ kurz warten. Gelohnt hatte sich die Warterei dennoch nicht. Die Fastfood-Kette hebt sich dadurch hervor, dass ihre Burger-Patties nicht gefroren werden, was die regionale Verteilung auch erklärt, um direkt beliefert werden zu können. Ich kann allerdings nicht behaupten, dass die Burger die kulinarische Erfüllung gewesen wären, als die sie mir ankündigt wurden. Aber zumindest kann ich diesen Punkt von meiner Bucket-List streichen.

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San Francisco Marathon 2019: Messe und Abholung der Startnummer

Pünktlich machte ich mich auf den weiteren Weg in Richtung Messe und musste nun auch erstmals selbst ein paar steile Anstiege bewältigen, bei denen ich mir noch nicht sicher bin, ob der San Francisco Marathon am Sonntag dort ebenfalls entlangführen wird. Mitten durch ein kleines Waldgebiet und vorbei an einem riesigen Park gelangte man zur Marathon Messe, die in einem großzügigen Hallengebäude aufgebaut war. Zumindest für den Besucherandrang am Freitagnachmittag war das Gelände mehr als groß genug, wobei die Startnummernstapel auf den Tischen vermuten ließen, dass die meisten Teilnehmer erst am Samstag ihre Unterlagen abholen würden.

Auch die Anmeldung selbst war am Freitag noch möglich, was ich für eine so bekannte und große Stadt wie San Francisco weiterhin ungewöhnlich empfinde, wenn ich bedenke, dass ich letztes Jahr nur deshalb am Pisa Marathon 2018 teilnahm, weil mein eigentliches Ziel Madrid bereits Wochen zuvor ausgebucht war. Doch schon in den letzten Jahren konnte man offenbar nicht seine Limits ausreizen. Zum Start erhielt man ähnlich wie in New York ein kostenloses Langarmshirt zur diesjährigen Veranstaltungen. Vor der Halle wiederum gab es einen Stand, der unter dem Titel „Vintage Shirts“ die Exemplare aus den Vorjahren für 10 Dollar pro Stück verkaufte. So kann man aus der Not auch eine Tugend machen.

Für mich ging es mit einem kleinen Umweg wieder in Richtung Hotel. Bergauf, bergab lernte ich die wohl weltweitbekannten Gefälle kennen, die im echten Leben einen gewissen optischen Reiz haben, den man in dieser Form leider nur begrenzt auf ein Bild bannen kann.

Beim Verfassen dieser Zeilen bin ich nun über 24 Stunden wach und auf den Beinen und ich merke, dass ich nicht mehr wirklich aufnahmefähig bin. Der Start am Sonntag soll bereits um 05:30 Uhr erfolgen, so dass sich morgen und am Sonntag nach dem Marathon genügend Möglichkeiten bieten sollten, noch etwas von der auf den ersten Blick interessanten Stadt mitzubekommen. Ich für meinen Teil freue mich inzwischen vor allem, den Blick ruhen zu lassen. Ich darf gespannt sein, inwieweit das Jetlag meinem Wunsch nach einem ausgiebigen Schlaf respektieren wird.

2 Gedanken zu „San Francisco Marathon 2019: Ankunft und Messe“

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