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Kassel – Graz – New York: der Herbst 2018

Wer in 80 Marathons um die Welt laufen möchte, der muss aus seinen gewohnten Gefilden herauskommen. Lediglich 80 Mal in der gleichen Stadt im Kreis zu rennen, wäre schließlich nicht nur wenig erzählenswert, sondern vermutlich auch äußerst eintönig und demotivierend. Zumindest für mich. Und Motivation war, wie bereits im ersten Beitrag angeführt, der Grund für dieses Projekt.

Warum in 80 Marathons um die Welt?

Bevor die Zahl 80 im Raum stand, war der erste Gedanke jedoch eher 42,195 km anderer Städte zu sehen, um auf diese Art und Weise viele Eindrücke innerhalb kürzester Zeit zu sammeln. Ein sportliches Projekt wie dieses hier war erst der nächste gedankliche Schritt. Und so begann meine Ausschau nach einem Marathon-Ziel außerhalb von Hannover anfangs keinesfalls strategisch, sondern wurde vielmehr aus dem Bauch heraus entschieden. Wo wolltest du schon immer einmal hin? Was übte auch für mich als Laien einen Mythos außerhalb der deutschen Grenzen aus? Die für mich einzig logische Antwort war New York.

Ich meldete mich also schon bald nach dem Hannover Marathon 2018 über einen entsprechenden Reiseanbieter für den Lauf an. Zunächst eigentlich in erster Linie aus Bequemlichkeit. Dass eine Anmeldung „einfach so“ unter normalen Umständen gar nicht so leicht gewesen wäre, war mir zu diesem Zeitpunkt gar nicht bewusst und wäre sicherlich ein guter Einstieg für den Beitrag im Vorfeld von New York. Für mich zählte erst einmal nur das Ziel zu haben und zu wissen, dass es im November erneut über die volle Distanz auf die Strecke gehen würde.

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New York 2018 – Quelle: juansonrunning.com

Während ich nach meinem ersten und zweiten Marathon mental eher ausgebrannt war und die Laufschuhe quasi temporär an den Nagel hing, erging es mir in der vierten Vorbereitung bzw. nach meinem dritten Marathon deutlich anders. Dies mag verschiedene Faktoren gehabt haben. Die Vorbereitung selbst lief optimal und fiel mir so leicht, wie keine zuvor.

Ich hatte bis zum Ende Spaß an allen Läufen und freute mich auch auf noch so lange Trainingsstrecken. Und ich hatte mit der Landesmeisterschaft im Kraftdreikampf sowie der Norddeutschen Meisterschaft im Bodybuilding noch zwei Wettkämpfe vor der Brust, bei der mir ein erhöhtes Laufpensum half, weiterhin an der Erreichung des Gewichtslimits und der Formverbesserung zu arbeiten, ohne beim Essen verzichten zu müssen.

Im Jahr 2018 lief es also anders und ich war bereits die Woche nach dem Hannover Marathon wieder für 20 Kilometer auf der Strecke und absolvierte meinen Nüchternlauf. Dieser wiederum war so einfach und gleichzeitig schnell, wie nie zuvor. Während der Vorbereitung wurde das Laufvolumen stetig erhöht, so dass ich nach dem Hannover Marathon erstmals seit Wochen wieder ein so kurze Strecke im Training lief – den letzten, bewusst entspannten Lauf vor dem Marathon außen vor. Ich hatte also endlich meinen Drive erlangt. New York war jedoch noch in weiter Ferne und die Vorbereitung hätte frühestens im August gestartet.

Warum die Reise nicht mit dem New York Marathon startete

Nach ein paar Wochen merkte ich dann, dass die Motivation, früher wieder einen Marathon zu laufen, täglich größer wurde. Während die Idee, die Welt in Form von Marathon zu sehen, mit dem Erlebnis beim Hannover Marathon 2018 erwuchs, war das wohl in etwa der Zeitpunkt, in dem der Gedanke zu diesem Projekt schließlich aufblühte. Die im ersten Beitrag angesprochene Pflanze brach also nicht nur aus ihrem Samen heraus, sondern hatte noch eine Überraschung in petto. Wohin also so kurzfristig? Großartig so spontan ins ferne Ausland verreisen, war mir zu gewagt und kostspielig. Ein Lauf in Deutschland bot sich dagegen in unmittelbarer Nähe auf den ersten Blick auch nicht an, so dass eine Übernachtung sowieso eingeplant werden musste.

Also schaute ich auf die Seite marathon.de und scrollte die Termine im Zeitraum vor New York ab und da lachte er mich an: Der Graz-Marathon war für den 13. Oktober 2018 angesetzt. Ohne mit so einem Vorhaben bisher Erfahrungen gemacht zu haben, erschien mir die Pause bis New York lang genug. Gleichzeitig war es ein guter Termin, um die Vorbereitung in der ersten Juli-Woche in Ruhe angehen zu können und das Laufvolumen wieder zu erhöhen. Ich hatte ein Ziel und großen Respekt vor der vermeintlichen Doppelbelastung.

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Graz Marathon 2018 – Quelle: Gigasport.de

Die Vorbereitung startete und während das Training für den Hannover Marathon 2018 schon sehr gut verlief, übertraf die Herbstvorbereitung 2018 meine bisherigen Trainingsleistungen. Ich fühlte mich nach jedem Lauf gut und schaffte es meine bisherigen Bestzeiten auf den jeweiligen Trainingsdistanzen regelmäßig zu unterbieten. Die Pace-Zeiten waren mit um die 5:10 bis 5:15 min durchweg gut 20 Sekunden schneller, als noch in der Frühjahrsvorbereitung und ich fühlte mich keineswegs belasteter.

Gleichzeitig verbesserte ich mich weiter beim Kniebeugen. Waren die 150 Kilogramm in der 74er-Klasse im April noch mein Anfangsversuch bei der Landesmeisterschaft (am Ende waren die 170 Kilogramm in der Wertung), so beuge ich diese inzwischen im Training je nach Tagesform 6- bis 8-mal und wiege immer noch knapp 75 Kilogramm. Die Leistung hatte sich also in jeder Hinsicht verbessert, was ich einer Reihe an Faktoren zuschreiben würde, die vielleicht ein anderes Mal thematisiert werden können.

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Wettkampftiefe wird auch im Training eingehalten.

Ich war fit. Ich fühlte mich fit. Und so überlegte ich immer wieder bei meinen Nüchternläufen: „Wenn du 80 Marathons um die Welt laufen willst, und nicht erst mit dem Eintritt in die Pension fertig sein möchtest, musst du mehr als drei Läufe im Jahr machen…“ – Berücksichtigt man, dass das Leben Veränderung bedeutet und die nächsten Jahre privat, beruflich und körperlich alles Mögliche passieren kann und sicherlich auch in dem ein oder anderen Bereich passieren wird – hoffentlich nur positiv – so war meine Schlussfolgerung, dass ich zumindest ab 2019 mehr als nur drei Läufe planen sollte. Wie viele? Erst einmal egal. Es gibt bereits Überlegungen zum Frühjahr, aber auch das an anderer Stelle.

Frühstart beim Kassel Marathon 2018

Und so liebäugelte sich bereits mit einem Marathon noch einmal im September. Ich hatte bereits auf marathon.de geschaut und festgestellt, dass der Kassel Marathon 2018 Mitte September anstehen würde. Wenn schon einen dritten Marathon, dann mit ausreichend Vorlauf vor Graz. Dann müsste allerdings die Vorbereitung beschleunigt werden…

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Kassel Marathon 2018 – Quelle: Lauf Gehts

Am 12.08.2018 war es dann soweit. Beim eigentlich 28 Kilometer langen Lauf fühlte ich mich so frisch, dass ich spontan noch eine Abzweigung nahm und die 30 Kilometer lief. Die Zeit war 2 h 35 min und ich fühlte mich auch den restlichen Tag weiterhin frisch, ging anschließend zum Bäcker und nachmittags noch mit meiner Tochter spazieren. Wirklich ein dritter Marathon? Eigentlich sprach alles dafür, außer meinem großen Respekte vor der Dreifachbelastung.

Ich schlief noch einmal ein paar Nächte drüber, lief die Woche darauf ebenfalls relativ entspannt die 32 Kilometer nüchtern und meldete mich an. Kassel ist nah genug, dass ich morgens mit dem Zug anreisen könnte und die anschließend wieder nach Hause fahren. Gleichzeitig sollte die Zeit bis Oktober lang genug sein, um ausreichend erholt zu sein.

Die Reise um die Welt startete also in Hannover und wird im ersten Jahr über Kassel und Graz bis nach New York führen. Aus jetziger Perspektive eigentlich eine schöne Marathon-Kaskade, vor der ich aber einen großen Respekt habe. Bisher lief ich drei Marathons in meinem gesamten Leben. Die nächsten drei Monate sollen drei weitere folgen.

5 Gedanken zu „Kassel – Graz – New York: der Herbst 2018“

  1. Das liest sich sehr schön…..Viel Erfolg bei deinem Vorhaben und ich bleibe gespannt auf die weiteren Berichte dazu.
    Viele Grüße
    Christian

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