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Die erste Blutuntersuchung als Läufer

Man kann in das Hobby Laufen nicht nur viel Herzblut investieren, wie ich inzwischen selbst zu merken beginne. Der Gedanke der Optimierung bzw. der Konzentration auf die Feinheiten des Sports ist wohl ein menschliches Phänomen, da ich es auch aus dem Bodybuilding und Kraftsport kenne. Während dort über die perfekte Wiederholungzahl, die Menge an Whey im Post-Workout-Shake oder die beste Brustübung nachgedacht wird, kämpfen Läufer um jedes Gramm bei ihren Schuhen, zermartern sich über Intervalllängen den Kopf oder diskutieren Vor- und Nachteile von Herzfrequenzläufen. Bei all dem vergessen Hobbysportler oft den wichtigsten Faktor für langfristigen Erfolg: den eigenen Körper.

Solange dieser sich nicht in Form von Wehwehchen bemerkbar macht, beschäftigen wir uns oft nur oberflächlich und geradezu stiefmütterlich mit diesem. Eine Hülle, die zu funktionieren hat und uns im besten Fall kommentarlos zu den geplanten Zielen bringt. Möglichst in der gewünschten Pace. Erst wenn es hier oder dort zwackt, die Erschöpfung sich im Training bemerkbar macht oder Krankheiten unseren Bewegungsdrang (aus)bremsen, werden wir auf die eigenen Grenzen aufmerksam gemacht und müssen uns mit diesen auseinandersetzen.

Doch so muss es nicht laufen. Wer sein sportliches Hobby liebt, sollte nicht nur Herzblut investieren, sondern Herz wie Blut immer mal wieder Aufmerksamkeit schenken. Ich spreche von Selfmonitoring, das in verschiedensten Weisen umgesetzt werden kann. Während Leistungssportler je nach Sportart auf einen ganzen Apparat an Helfern zurückgreifen können, die Trainingsplanung und Funktionsüberwachung des Körpers übernehmen, müssen die meisten Menschen mehr Eigenverantwortung übernehmen.

Sei achtsam mit deinem Körper!

Dabei gibt es verschiedene Bereiche und Umfänge, wie man sich mit dem eigenen Körper auseinandersetzen kann, wie ich in meinem Buch Training und Ernährung für Frauen ganz allgemein ausführlich beschrieb. Vom Fitnessarmband, das Schlaf- und Pulsüberwachung im Alltag bietet, über dem Führen entsprechender subjektiver Tagestabellen, Messen der Körpertemperatur oder Stuhl- und Speichelproben. Je nach eigenen Ambitionen gibt es weniger aufwändige Maßnahmen, die täglich umgesetzt werden können, sowie speziellere Mittel, die gezielt zu bestimmten Zeitpunkten genutzt werden. Die Blutuntersuchung zählt zweifelsfrei zu Letzteren.

Dennoch oder gerade deswegen ist diese für Läufer genauso wichtig wie für andere Sportler, die mit einem gewissen Leistungsgedanken an ihr Hobby herangehen. Unser Blut fließt nicht nur sprichwörtlich durch alle Adern und versorgt den Körper so mit Sauerstoff, sondern ist darüber hinaus Transportmedium für Hormone und Mikronährstoffe. Ungleichgewichte, die wir vielleicht erst (zu) spät zu spüren bekommen, können bei der Untersuchung des Blutes deutlich schneller bemerkt werden.

Das bedeutet nicht, dass ich jedem Läufer nun empfehlen würde, wöchentlich das Wartezimmer zu besetzen und sich etwas vom roten Lebenssaft abzapfen zu lassen, aber eine Untersuchung alle ein bis zwei Jahre, solang es keinen speziellen Anlass gibt und bei der letzten Überprüfung alles in Ordnung war, ist vielleicht eine sinnvollere Investition, als in ein paar hundert Gramm weniger bei der Laufjacke.

Das Blutbild ist keine Blutuntersuchung!

Dabei sollte man sich bewusst sein, dass das sogenannte Blutbild nicht dasselbe wie eine sportlerorientierte Blutuntersuchung ist. Während Ersteres sich auf die originären Blutbestandteile beschränkt, ist die Blutuntersuchung wie ein leerer Teller am Buffet, den man selbstständig füllen muss. Und so lief auch ich mal wieder mit meinem Teller los und ließ mir von meinem Hausarzt Blut abnehmen.

Zu Beginn der Reise in 80 Marathons um die Welt hatte ich insbesondere vor der körperlichen Belastung mehrerer Marathons in einem Jahr Respekt. Gerade die Kombination aus Kassel, Graz und New York innerhalb von drei Monaten war für mich ein erster Gradmesser, ob ich einer höheren Marathon-Schlagzahl gewachsen wäre. Dies bestätigte sich, so dass bekanntlich die anschließenden drei Marathons schnell geplant waren. Gleichzeitig plante ich aber nicht nur mein Training um den Wettkampfkalender herum, sondern versuchte auch meiner Ernährung und Nährstoffversorgung in einem optimalen Rahmen verlaufen zu lassen.

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Während die Planung von Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten noch relativ einfach fällt, ist es ohne Untersuchung des Blutes quasi nicht einschätzbar, ob man ausreichend Vitamin D konsumiert oder wie der eigene Testosteronspiegel im Zusammenhang mit dem sportlichen Umfang ausfällt. Also machte auch ich vor einiger Zeit mal wieder einen Termin beim Arzt, um eine Blutuntersuchung durchführen zu lassen. Die folgende Auflistung soll dabei keine abschließende Empfehlung sein, sondern mehr einen Einblick in meine Reise darstellen.

Neben dem großen Blutbild und den Blutfett- und Cholesterinwerten, interessierten mich (als Mitte 30-jährigen Mann) insbesondere Testosteron, Leber- und Nierenwerte, Eisen, Vitamin D, Vitamin B12 sowie Kalium und Natrium. Darüber hinaus ließ ich mir eine Extra-Kanüle abzapfen, um diese an ein separates Labor zur Untersuchung meines Omega-3-Index zu schicken. Dieser ist für Sportler im Zusammenhang mit verbesserter Leistungsfähigkeit und verringertem Muskelkater interessant und da ich Omega-3-Fettsäuren gezielt für ein optimales Omega-6-Omega-3-Verhältnis bereits seit langem konsumiere, nahm ich die Gelegenheit wahr, auch diese Wert endlich bestimmen zu lassen.

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Bereits in der nächsten Woche werde ich erfahren, ob meine bisherige Strategie den für mich richtigen Weg darstellt, oder ob ich noch einmal an der ein oder anderen Stellschraube drehen sollte. Generell kann ich allerdings nur jedem Sportler – egal ob Läufer oder in einer anderen Disziplin – empfehlen, mit dem eigenen Körper sorgsam umzugehen. Dazu gehören neben einer sinnvollen Trainingsplanung und ausreichendem Schlaf aber eben auch die Überprüfung von Dingen, die wir nicht ohne Weiteres selbst wahrnehmen können.

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