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Besuch im Schwarzenegger-Museum

Es war soweit. Nachdem das Abenteuer New York ursprünglich mein erster Lauf im Ausland werden sollte, rutschte – wie ich bereits berichtete – der Graz Marathon relativ schnell dazwischen, nur um dann doch noch vom Kassel Marathon überholt zu werden. Man könnte somit in gewisser Weise vom Bergfest der Herbstsaison 2018 sprechen, wobei ich mich inzwischen ein wenig vom Gedanken einer wirklichen Saison verabschiedet habe. Ich laufe mehr oder weniger im flow.

Die Herausforderung ist nicht die nicht Jagd nach Bestzeiten, sondern die Organisation dieser besonderen Reise um die Welt. Sowohl in Bezug auf die Zusammenstellung der Wettkämpfe, als auch der Planung der Trainingsphasen zwischen den einzelnen Läufen. Und so wäre der Begriff Bergfest wohl auch falsch gewählt, schließlich sind die nächsten Läufe im Anschluss an New York bereits zum Teil mehr, zum Teil weniger fest geplant, so dass der Trip über den großen Teich vermutlich noch nicht einmal den Abschluss für das Jahr 2018 darstellen wird. Aber erst einmal ging es nach Österreich. Das erste Mal in meinem Leben.

Im Gegensatz zu Kassel war ich für diese Reise zumindest so organisiert, dass ich meinen Koffer nicht erst am Abreisetag packte, was nichts daran änderte, dass der Wecker bereits um 04:45 Uhr klingelte. Ich hätte meinen Flug sicherlich auch geschafft, wenn ich mich eine Stunde später in Richtung Flughafen auf den Weg gemacht hätte, aber ich wollte die Reise nicht unnötig stressiger machen. Dennoch verlief nicht alles wie geplant. Nachdem am Morgen auch Waschutensilien und ein Buch im Handgepäck verstaut waren, musste ich feststellen, dass mein extra am Abend vorher noch zubereitetes Essen das Höchstgewicht sprengte. Adieu Jasmin Reis mit Ananas und Hähnchen mit China Soße. Ich hatte mich sehr auf euch gefreut, aber trat die Reise somit nur mit ein paar Eiweißriegeln als eiserne Reserve an.

Die Anreise zum Graz Marathon 2018

Mehr als pünktlich am Flughafen Hannover angekommen, ging es mit der Lufthansa zunächst nach München. Der Flug war gänzlich ausgebucht und als jemand, der noch nicht viel in seinem Leben geflogen war, kam mir sofort das Bild von Sardinen in der Konservendose in den Sinn, nachdem alle in dreier Reihen links und rechts ihren Platz eingenommen hatten. Ich fände es spannend, wie die Menschen reagieren würden, wenn die Deutsche Bahn aus ökonomischen Gründen mehr Sitze in ihre Wagons der 2. Klasse verbauen würde und die Beinfreiheit eines üblichen Holzklasseflugs damit erreicht. Nicht falsch verstehen: Mit meinen 174 stand ich vor keiner ernsthaften Herausforderung, aber für große Menschen stelle ich mir das tatsächlich nicht allzu angenehm vor.

Am Münchener Flughafen kamen dann ich und mein Hunger, der sich inzwischen zu meiner Reise gesellt hatte, gut zwei Stunden vor dem Anschlussflug nach Graz an. Mich würde die Preisgestaltung bzw. –kalkulation von Lebensmittelanbietern an Flughäfen interessieren. Das meine ich ohne jeglichen Zynismus. Ich nehme nicht an, dass die Geschäftsbetreiber nach 5 Jahren für ihre Leben ausgesorgt hätten. Auf jeden Fall hatten selbst ein trockenes Sandwich und ein bisschen geschnittenes Obst auf die Hand am Münchener Flughafen Käferpreise. Ok, das war zynisch.

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Wie lange muss Brot eingeschweißt sein, dass es dennoch trocken werden kann?

Von München aus ging es dann weiter nach Graz und die Lufthansa hatte es geschafft eine noch kleinere Maschine zu organisieren, so dass ein Großteil der Leute ihr Handgepäck doch im Flugzeug verstauen mussten, da in der Kabine nicht ausreichend Platz vorhanden war. Vielleicht liegt es aber auch an den Handgepäckstücken, die ja auch bei mir inzwischen quasi vollwertige Reisekoffer sind und nicht mehr viel mit einem handlichen Stück zu tun haben. Das erinnert mich ein wenig an die Parkplatzproblematik in Deutschland, dass viele Parkplätze, die noch in den 80ern und 90ern angelegt wurden, inzwischen fast schon zu eng für immer breiter werdende Autos werden. Selbst Kleinwagen sind heutzutage ja auf Steroiden, wenn man diese mit ihren Vorfahren vergleicht.

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Dr. Acker auf dem Weg nach Graz – man hatte bei der Lufthansa keine „R“s mehr…

Ich selbst hatte allerdings in doppelter Hinsicht Glück. Mein Handgepäck durfte zum einen bei mir bleiben und zum anderen saß ich dieses Mal am Fenster und konnte mir die Alpen aus der Luft anschauen. Für jemanden aus einem Bundesland, in dem die höchste Erhebung gut 174 m über dem Meeresspiegel liegt, sind richtige Berge immer wieder ein faszinierender Anblick.

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Zumindest eine Weile wurde die Aussicht genossen.

Ankunft in Graz

In Graz angekommen, ging es dann mittels Taxi direkt zur Nummernausteilung. Ich hatte zwar ein Hotel in halbwegs naher Umgebung gebucht, allerdings kannte ich die Stadt nicht und war mir unsicher, inwieweit andernfalls alles reibungslos verlaufen würde. Obwohl Österreich auf einer Bewertungsliste mit Taxifahrern, die Touristen beim Fahrpreis über den Tisch ziehen, sicherlich keinen der vorderen Plätze einnehmen wird, ist mein Vertrauen in Taxifahrer in anderen Ländern generell nicht allzu groß. Dies mag auch daran liegen, dass ich vor Jahren in Madrid mit dem Taxi vom Flughafen bis zum Hotel gefahren war und aufgrund mangelnder Kommunikationsfähigkeit und Transparenz bis heute nicht weiß, ob ich zunächst zehnmal um den Flughafen gefahren oder ob doch der direkte Weg genommen wurde. Wie auch immer, in diesem Fall ließ mich der nur gebrochen Deutsch sprechende Taxifahrer sogar das Navi seines Autos selbst bedienen. Irgendwie dachte ich immer, Taxifahrer müssten sich halbwegs in ihrer Stadt auskennen.

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Nummern und Beutelausgabe – nicht der Startbereich!

Die Startnummernausgabe wurde wie üblich mit einer kleinen Laufmesse verbunden. Und wie schon beim Kasselmarathon war ich zu blöd, mir im Vorfeld zwei, drei Gel-Packs zu kaufen. Da, ebenfalls wie beim Kasselmarathon, auch im Beutel keine Packs ausgegeben wurden, blieb mir nichts Anderes übrig, als zu phänomenalen Messepreisen überteuertes Maltodextrin in Gel-Form zu kaufen. Ich versuche in Zukunft klüger zu sein. Ganz darauf verzichten wollte ich jedoch auch nicht.

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In Hannover hätte ein Schalter für den Marathon etwas knapp werden können.

Spontane Fahrt ins Schwarzenegger Museum

Im Anschluss ging es zu Fuß ins Hotel und kaum dort angekommen stieg ich erneut ins Taxi: So ein Blog lebt schließlich auch von sinnvollen Beiträgen und davon, dass man etwas zu erzählen hat. Durch einen glücklichen Zufall wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass das offizielle Arnold Schwarzeneggermuseum in Thal, nur wenige Minuten von Graz entfernt, im Geburtshaus der Bodybuildingikone angesiedelt ist. Wenn ich schon einmal hier war, musste ich dort hin.

Der Taxifahrer warnte mich schon vor, dass viele Menschen hierherkämen und ganz schnell durch wären. Bei Museum denkt man ja meist an eine Vielzahl an Räumen in denen am besten an jeder Wand Ölgemälde hängt. Ganz so war es dann wiederum nicht, was auch schlichtweg daran liegt, dass das Elternhaus erhalten wurde und nicht winzig, aber auch kein Palast war.

Während auf der unteren Ebene thematisch insbesondere die Gouverneur-Zeit, sowie Aufnahmen aus der Jugend präsentiert wurden, waren oben diverse Aufnahmen und Artefakte seiner aktiven Bodybuilding- sowie der Filmkarriere zusammengestellt. Es ist schwer zu beschreiben. Ich war sicherlich kaum 10 Minuten in dem Haus und vieles kannte ich entweder aus Zeitschriften, Dokumentationen oder einer seiner Biografien [Amazon-Partnerlink] – wenn nicht sogar alles. Aber dennoch oder gerade deswegen fühlte ich mich für diese kurze Zeit wie ein Kind im Disneyland und kaufte mir als Andenken für meine eigenen Räumlichkeiten eine kleine bronzene Statue, wie sie auch vor dem Gebäude in großer Ausführung zu finden war.

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Marathon-Bizeps

Anschließend ging es wieder zurück nach Graz, wobei ich von der Fahrt eigentlich kaum etwas mitbekam. Voller Konzentration studierte ich meinen eigenen Fotos und die Videoaufnahmen, die ich im Museum gemacht hatte. In Graz selbst wurde es dann schließlich auch bereits Abend. Ich ging noch einmal die Strecke, die ich am nächsten Morgen zum Marathonstart entlang müsste, ab, um keine bösen Überraschungen zu erleben, merkte wie in einem mir neuen Supermarkt mein System 2 mal wieder überfordert war und machte mit ein paar Asia-Nudeln aus der Box meine eigene Pasta-Partie auf den Stufen eines Brunnens. Der Graz Marathon 2018 konnte kommen.

2 Gedanken zu „Besuch im Schwarzenegger-Museum“

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