Im vierten Anlauf zum Dresden Marathon 2023

Manchmal hat man im Leben Punkte auf einer (imaginären) Liste, die man schon häufiger abarbeiten wollte. Doch immer wieder kam es zu unerwarteten Umplanungen, sodass die Erledigung immer wieder verschoben werden musste. Was ein wenig nach Arbeit klingt, ohne so gemeint zu sein, trifft für mich in gewisser Weise auf den Dresden Marathon zu. Nachdem ich das Rennen ursprünglich bereits 2020 laufen wollte, dauerte es letztlich drei weitere Jahre, bis auch ich in der Landeshauptstadt Sachsens 42,195 Kilometer sammelte.

Corona und Chicago

Auch wenn die Erinnerungen so langsam schwinden und Fotos von Menschen mit Masken wie aus einer anderen Zeit wirken, ist die weltweite Corona-Pandemie noch gar nicht so lange her. Vor gut drei Jahren blieb nicht nur die Lauf-Welt stehen, und der Dresden Marathon 2020 fiel entsprechend aus. Obwohl im Folgejahr andere Veranstaltungen in Deutschland und Europa angeboten wurden, entschieden sich die Veranstalter damals erneut, den Marathon zu verschieben. So lief ich in Amsterdam, Barcelona und Thessaloniki im Herbst 2021 dreimal einer Zeit von unter 3–30, aber trat weiterhin nicht in Dresden an.

Der Startplatz wurde ein weiteres Jahr übertragen, und 2022 sollte es schließlich so weit sein. Der Dresden Marathon kehrte zurück. Nur war der Zeitpunkt für mich denkbar ungünstig. Ich selbst hatte zuvor Losglück beim Chicago Marathon und die Zugangsberechtigung für den Major-Lauf in den USA gewonnen. Die Frage, wo ich an den Start gehen sollte, stellte sich keinen einzigen Moment, sodass mein ursprünglich für 2020 gekauftes Dresden-Ticket ungenutzt verfiel.

Runde 1 der Strecke des Dresden Marathon 2023 – Bild: Dresden-Marathon.de

Bodybuilding und Marathons

Dass man als Bodybuilder auch einen Marathon laufen kann, bewies sich mir selbst bereits 2019, als ich einen Tag nach meinem Antritt bei der Deutschen Meisterschaft der GNBF den Köln Marathon bewältigte. In diesem Jahr war der Zusammenhang zwischen diesen auf den ersten Blick gänzlich unterschiedlichen Sportarten jedoch ein anderer.

Nachdem die internationalen Marathons aufgrund von Nachwuchs in den vergangenen Monaten etwas kurz gekommen waren, war geplant, diese im Herbst 2023 wieder aufleben zu lassen. Skopje fiel bekanntlich dem Flugplan der Deutschen Lufthansa zum Opfer. Das erste Novemberwochenende wurde hingegen vom Mr. Olympia 2023 geblockt, sodass erst am darauffolgenden Wochenende ein Marathon für mich planbar war.

Hierdurch öffnete sich wiederum ein Zeitfenster, dass nach dem Bremen Marathon genügend Raum ließ, um relativ spontan einen weiteren Marathon zu laufen. Die Chance, den Dresden Marathon nachzuholen, war damit gegeben und sollte genutzt werden.

Abgeschleppt in Dresden?

Nachdem ich kurzzeitig überlegt hatte, zum Dresden Marathon 2023 erst am Renntag anzureisen, buchte ich schließlich doch noch ein Hotel, um den Lauf nicht unnötig schwerer zu machen, als ein Marathon ohnehin bereits ist. Die 3,5 Stunden Anfahrt hatte ich auch in der Vergangenheit bereits zu einzelnen Rennen in Kauf genommen. Mir war jedoch ebenso bewusst, dass sich dies fast immer in der Performance bemerkbar machte.

Also reiste ich am bereits am Vortag an und übernachtete in einem in der Nähe des Starts befindlichen Hotel. Da dieses keine eigenen Parkplätze bot, stellte ich mein Auto auf einem öffentlichen Parkplatz in der Nähe ab. Die Überprüfung der Rennstrecke am Folgetag führte schließlich zu einem kurzen Schreckmoment, als ich feststellte, bei etwa drei Kilometer unmittelbar an diesem Punkt vorbeizukommen. War der Parkplatz möglicherweise sogar für den Renntag gesperrt und mein Auto drohte abgeschleppt zu werden?

Dieser Gedanke ließ mich nicht in Ruhe, sodass ich um halb zehn am Abend doch noch einmal in Jeans und Jacke schlüpfte, um vom Hotel zum Parkplatz zu gehen. Wie sich zeigte, war die Sorge umsonst. Der gesamte Bereich unterlag keinen Beschränkungen, und die Strecke führte am nächsten Tag zwar tatsächlich an meinem Auto vorbei, doch es gab ausreichend Platz für die Läuferinnen und Läufer.

Hexenschuss vorm Startschuss

Nach einer bescheidenen Nacht in einem zu harten Bett mit einem noch härterem Kopfkissen checkte ich nach dem Frühstück aus und brachte meine Sachen zum Auto. Neben mir parkte inzwischen eine Frau in meinem Alter mit ihrer Mutter. Diese sprach mich wiederum an, ob ich etwas gegen Rückenschmerzen ausrichten könnte.

Die Tochter, die am Marathon teilnehmen wollte und extra an diesem Morgen aus Nürnberg angereist war, hatte sich offenbar im Lendenbereich einen Nerv eingeklemmt. Als der Marathon am Parkplatz vorbeiführte, stand ihr Auto noch am selben Platz, sodass ich ihr nur wünschen kann, dass es eine Möglichkeit gab, das Rennen doch noch zu laufen.

Zu den über 1.000 Marathon-Finishern gesellten sich am Start etwa noch einmal so viele Personen, die die halbe Strecke bewältigen wollten. Es hatten sich also durchaus einige Leute beim Dresden Marathon 2023 zusammengefunden und dennoch empfand ich die Veranstaltung vor dem Startschuss nicht sonderlich stimmungsvoll. Daran änderte auch der gemeinsame „Viking Clap“ vor dem Startschuss nichts, der inzwischen auch bei immer mehr Marathonläufen zu Beginn durchgeführt wird.

Runde 2 der Strecke des Dresden Marathon 2023 – Bild: Dresden-Marathon.de

Chaotische Pacemaker

Und so ging es kurz nach 10:30 Uhr auch für mich über die Startlinie, nachdem ein großer Teil des Feldes sich über diese geschoben hatte. Aufgrund der Tatsache, dass die Pacemaker allesamt gemeinsam vorn im Feld standen, war es zunächst schwer, sich zu orientieren. Nach einigen hundert Metern ließ ich zudem zunächst die 3-45-Pacemaker hinter mir, bevor ich den 4-00-Pacemaker einholte. Ich weiß nicht, was hier schieflief, aber diese etwas chaotische Situation sollte sich bis zum Ende fortsetzen.

Das Rennen selbst war durchaus charmant. Auch wenn man nicht direkt durch die Innenstadt geleitet wurde, boten die Veranstalter einige schöne Seiten der Stadt, die ich vor einigen Jahren schon bei einem Tagesausflug im Rahmen einer Stadtrundfahrt kennengelernt hatte.

Nach der ersten Marathonhälfte führte die Strecke wieder zum Startbereich zurück und für die volle Distanz begann die zweite Runde. An diesem Punkt dünnte sich das Feld schlagartig aus, sodass ich erst jetzt ein Gefühl dafür bekam, recht gut in der Zeit zu liegen. Der Blick auf die Uhr bestätigte diesen Eindruck. Bei knapp 1–45 war die erste Hälfte des Dresden Marathons bewältigt. Die 3-30-Pacemaker konnte ich dennoch zu keinem Zeitpunkt vor mir laufen sehen, obwohl diese bei der ein oder anderen Abbiegung vermeintlich nicht allzu weit hätten gewesen sein müssen.

Die zweite Runde mit zum Teil angepasster Strecke

Ohne mir darüber aber weiter Gedanken zu machen, ging es in die zweite Runde. Nach dem unerwartet guten Lauf in Bremen hatte ich keine größeren Ambitionen für den Dresden Marathon. Auch wenn die erste Hälfte sich gut angefühlt hatte, spekulierte ich zu keinem Zeitpunkt auf einen negativen Split, sodass mir klar war, dass es eine Zeit über 3–30 werden würde.

Entsprechend nahm ich keinerlei Druck wahr und auch die Tatsache, dass die herauskommende Sonne zwischenzeitlich dafür sorgte, dass es für mich zu warm war, störte mich weniger. Bei 30 Kilometern waren 2 Stunden und 32 Minuten vergangen, wobei ich nun merkte, dass meine Tagesform nachließ. Phasenweise hatte ich mit Magenproblemen zu kämpfen, war vermutlich auch daran lag, dass ich während des Rennens praktisch nichts aß.

Dennoch nahm ich auch die zweite Runde, die zum Teil eine andere Streckenführung aufwies, als sehenswert wahr. Wenige Kilometer vor dem Ziel überholte mich dann schließlich ein 3-45-Pacemaker. Dies irritierte zugegeben, da der Blick auf meine Uhr mir verriet, dass ich etwas Zeit verloren hatte, aber keinesfalls langsamer als 3–45 unterwegs war.

Ist der Dresden Marathon empfehlenswert?

Inklusive eines kurzen Dixi-Toiletten-Besuchs kam ich mit einer Zeit von 3 h 40:12 min ins Ziel. Was der 3-45-Pacemaker dort bereits machte, ist mir bis heute unklar. Einen Irrtum kann ich wiederum ausschließen, da kurz vor Ende des Rennens einer der Moderatoren an der Strecke ebenfalls davon sprach, dass die 3-45er nun vorbeikommen würden. Wie dem auch sei.

Mir selbst wird der Dresden Marathon 2023 insgesamt in keinen großen Erinnerungen bleiben. Organisation, Strecke und Stimmung an derselben waren in jedem Fall in Ordnung. Wer einen überdurchschnittlichen Marathon in Deutschland sucht, macht mit Dresden sicherlich nichts falsch. Ein Highlight war das Rennen aber nach den Eindrücken der letzten Jahre für mich persönlich nicht. Dennoch ist es eine gewisse Genugtuung, auch diesen Punkt erfolgreich von der imaginären Liste streichen zu können.

Medaille Dresden Marathon 2023

Frank

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