Kasterlee Marathon 2023: Man hätte es phasenweise auch Trail nennen können!

Mit dem Kasterlee Marathon 2023 habe ich bei meinem 42. Marathon das letzte Puzzleteil gesammelt, welches mir für die Benelux-Staaten fehlte. Während der Luxemburg Marathon heiß und hügelig war, gab es in Amsterdam hervorragende Laufbedingungen und ich rannte das einzige Mal in meinem Leben einen negativen Split. Der Marathon in Belgien war in gewisser Weise eine Mischung aus den beiden zuvor genannten Rennen. Die Bedingungen waren gut. Mein Ergebnis letztlich weniger.

Erneut kein Athen-Marathon

Eigentlich lautete der Plan, bei gut 20 Grad zur Hauptstadt Griechenlands zu laufen. Der Athen Marathon stellt anders als die meisten anderen Rennen keinen Rundkurs dar, sondern hat ähnlich wie New York oder Thessaloniki einen anderen Start- als Zielort. Bereits vor drei Jahren hatte ich das Rennen in Südeuropa ins Auge gefasst, doch die Corona-Pandemie machte meinen Plänen damals einen Strich durch die Rechnung. Nach einigem Hin und Her wurde der Marathon damals abgesagt, nachdem es in Deutschland schon wieder die ersten Laufveranstaltungen gegeben hatte.

Drei Jahre später wollte ich einen erneuten Versuch starten, hatte jedoch zunächst mit der Anmeldung gezögert. Nachdem die ersten beiden Rennen in diesem Jahr unerwartet hart waren, wollte ich den Oktober abwarten. Wie sich herausstellte, war dies letztlich jedoch zu lang. Ich verpasste die Anmeldefrist des Athen Marathons um wenige Tage, was die Frage nach einem Alternativplan eröffnete.

Wie so häufig wurde ich auf meiner oft genutzten Anlaufstelle Planet-Marathon fündig. Meine erste Überlegung nach Italien zum Florenz-Marathon zu reisen, scheiterte daran, dass in Italien ein Attest vom Kardiologen verlangt wird. Für den Pisa Marathon hatte ich diesen sehr kurzfristig noch erhalten, wollte mir den Stress in diesem Jahr jedoch nicht antun. Somit fiel die Wahl auf Kasterlee. Mir selbst war der Ort bisher kein Begriff, aber Belgien stellte ein Land dar, in dem eine Teilnahme längst überfällig gewesen war.

Banner Marathon Kasterlee – Bild: Marathonkasterlee.be

Über 1300 Anmeldungen für den Lauf im 20.000 Einwohnerort

Der Ort, mitten in Belgien, lockt bei einer Einwohnerzahl von gut 20.000 Seelen die letzten Jahre zuverlässig über 1.000 Menschen an, die zum Großteil auf der Halbmarathonstrecke unterwegs sind. Das finde ich, auch in Anbetracht der Tatsache, dass der November durchaus Alternativen bietet, recht erstaunlich. Auch in diesem Jahr sollten es wieder so viele Personen werden, wobei ich auf der Marathonstrecke der einzige deutsche Teilnehmer war.

Auf der Homepage versprachen die Veranstalter zudem, den schönsten Naturlauf der Niederlande anzubieten. Ja, richtig gelesen. Warum diese Formulierung für ein Rennen in Belgien gewählt wird, erschloss sich mir nicht ganz.

Rückblickend verstehe ich aber auch die Selbstbeschreibung als schönster Naturlauf nicht. Die Strecke, welche als Halbmarathon zweimal bewältigt werden musste, führte tatsächlich fast ausschließlich durch die Natur. Doch praktisch jedes Rennen in Deutschland, das als Naturallauf bezeichnet werden könnte, war bisher schöner. Der Lauf in Kasterlee überraschte mich dagegen eher mit langen Betonwegen zwischen Stoppelfeldern, deren trostloser Eindruck durch das nebelige Wetter zu Beginn des Rennens nochmals bestärkt wurde.

Man hätte auch Trail dazu sagen können

Dennoch war die Stimmung in der ersten Runde auffallend gut. Trotz Temperaturen im niedrigen einstelligen Bereich standen eine Vielzahl an Personen an der Strecke, die zum allergrößten Teil aber offenbar ihre Angehörigen beim Halbmarathon anfeuerten. Nach der ersten Runde dezimierte sich das Teilnehmerfeld nicht nur deutlich. Auch die Strecke wies nun kilometerweit keine Zuschauer mehr auf. So wurde die zweite Runde beim Kasterlee Marathon phasenweise zu einem recht einsamen Lauf, was ich jedoch keinesfalls als schlimm empfand.

Deutlich anstrengender war dagegen der matschige Untergrund, durch den man zum Teil geschickt wurde. Die letzten Regentage blieben für die Waldwege nicht spurlos und ab der zweiten Hälfte der zu laufenden Runde hätte das Rennen fast schon die Trail-Bezeichnung verdient. Selbst drei Anstiege boten die Veranstalter im eigentlich flachen Belgien auf, die für mich an diesem Tag ungewöhnlich anstrengend waren.

Drei Marathons in sechs Wochen

Ein Grund hierfür mag schlichtweg darin liegen, dass der Kasterlee-Marathon mein drittes Rennen innerhalb von sechs Wochen war und ich die Tage vor dem Lauf nicht so trainieren konnte, wie ich es mir gewünscht hätte. Bereits während der ersten Runde merkte ich, nicht wirklich frisch zu sein. Gleichzeitig war das eigene Tempo aufgrund der parallel gestarteten Halbmarathonteilnehmer schwer einzuschätzen. Wie sich herausstellte, sollte ich mit 1 h 50 min nicht zu langsam, aber auch nicht sonderlich schnell unterwegs gewesen sein.

Dieses Tempo ließ sich an diesem Tag aber nicht halten. Obwohl ich vereinzelt andere Läufer einholte, merkte ich, dass ich selbst stetig langsamer wurde. Als es dann erneut in den trailartigen Abschnitt ging, brach die Pace schließlich ein, wobei ich auch keine Ambitionen hatte, mich an diesem Tag zu quälen.

So lief ich am Ende mit einer Zeit von 3 h 54:48 min (netto) ins Ziel. Das Rennen in Belgien war damit einer der langsameren Marathons. Nummer 42 war aber ebenso geschafft. Empfehlen würde ich das Rennen jedoch leider nicht.

Medaille Kasterlee Marathon

Frank

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