Asien, Marathon

7 Tage vor dem Dubai Marathon 2019 krank

Ich bin nicht gesund. – Wenn man die eigene Reise in 80 Marathons um die Welt dokumentiert, macht man sich ein paar Gedanken, ob und worüber man etwas zu erzählen hätte. Ferne Orte, Vorfreude auf anstehende Herausforderungen oder auch das in den Sog der Subkultur des Laufens Geraten sind allesamt Themen, über die man gerne sprechen mag. Krank sein gehört dagegen weniger dazu. Insbesondere nicht dann, wenn man sieben Tage vor dem nächsten Marathon steht, der nicht mal eben so einen Steinwurf entfernt stattfindet. Im Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, liegen weniger als 7 Tage zwischen mir und dem Dubai Marathon 2019. Ich würde mich inzwischen nicht mehr als krank bezeichnen, aber gänzlich gesund bin ich auch noch nicht.

Eine Leidensgeschichte in fünf Akten?

Ein bekannter Aphorismus unterstellt dem Leben, dass es die schönsten Geschichten schreiben würde. Ob es sich dabei an den fünfgliedrigen Ablauf eines Dramas hält, vermag ich nicht zu beurteilen. Sollte dies aber der Fall sein, befinde ich mich hoffentlich bereits im vierten Akt und habe den Spannungshöhepunkt hinter mir gelassen. Ich befinde mich auf den Weg der Besserung und hoffe am Ende auf einen Dénouement, also ein auflösendes Ergebnis, statt der dramatischen Katastrophe.

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Klassischer Aufbau eines Dramas – Quelle: Wikipedia.org

Rückblickend begann der erste Akt vermutlich bereits eine Woche zuvor. Ich fühlte mich bereit seit ein paar Tage etwas angeschlagen, allerdings gut genug, wichtige berufliche Verpflichtungen nicht abzusagen. Gleichzeitig kam ich dadurch mit verschiedenen Kollegen in Kontakt, die es wiederum kurze Zeit später dahinraffte. Etwas dramatisch ausgedrückt, schließlich verwandelte kein unbekannter Virus irgendwen in Zombies, aber ich war in jedem Fall nicht Patient null.

Am Wochenende lief ich noch den letzten geplanten langen Nüchternlauf vor dem Dubai Marathon 2019. Wie üblich stand ich zu dieser Jahreszeit vor der Sonne auf und lief in der Dunkelheit die 36 Kilometer ohne große Probleme runter. Auch die beiden nächsten Tage verliefen ohne Auffälligkeiten, wobei ich rückblickend den erhöhten Ruhepuls zumindest als erste Warnzeichen hätte verstehen sollen. Ich dokumentiere meinen Puls nun seit über 15 Monaten durchgehend, so dass der Wert für mich ein nützlicher Faktor bei der Überwachung meiner Regeneration geworden ist. Normalerweise steigt der Ruhepuls einen Tag nach dem langen Lauf um einen Schlag, um am anschließenden Tag wieder abzusinken. Diesmal aber war es anders: Zwei Schläge mehr, die auch am Folgetag blieben.

Ich richte mein Leben nicht an meinem Puls aus, ich laufe schließlich nicht mal nach Belastungspuls, aber verstehe den Ruhepuls als wichtiges Puzzleteil für das Gesamtbild. In diesem Fall nahm ich jedoch keine anderen ersten Anzeichen wahr, so dass ich am Dienstagabend noch wie geplant die letzte schwere Kniebeugeeinheit vor dem Dubai Marathon absolviert. Das Gewicht fühlte sich an diesem Abend wie keine zu schwere Last an und auch das restliche Training verlief zufriedenstellend.

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„Strong mentally!“ – Ein Credo, das es in schwachen Momenten wohl mehr denn je zu beachten gilt.

Spätestens am Mittwoch befand ich mich aber im zweiten Akt dieses kleinen Dramas. Normalerweise wäre noch einmal ein zügiger Lauf geplant gewesen, aber ich merkte, wie ich verschnupft war und der Kopf den typisch benebelten Zustand erlangt hatte, wie ihn wohl die meisten vom Kranksein kennen werden. Ich entschloss mich, vernünftig zu sein, die Füße still zu halten, und gleichzeitig auf das Beste zu hoffen. Bis zur Abreise zum Dubai Marathon wäre zwar noch eine ganze Woche gewesen, allerdings konnte ich auf einen Spannungsbogen auf meine Kosten gut verzichten. Leider sah es der Autor namens Leben in diesem Fall wohl anders, so dass ich mich nach einem Tag Schonung noch elendiger fühlte. Ich musste mich, wie bereits den Tag zuvor, krankmelden und außer meine Nase war keinem Teil meines Körpers nach Laufen zu Mute.

Ich schlief wie schon die Nacht zuvor deutlich länger als sonst, ohne zu wissen, dass mir die eigentliche Peripetie noch bevorstand. Es war Freitag, sieben Tage vor dem Dubai Marathon 2019, und in meinem Postfach schlug eine Mail vom Wettkampfveranstalter mit dem Titel „Are you Race Day Ready?“ ein. Was für ein Hohn, weniger ready hätte ich zu diesem Zeitpunkt wohl nicht sein können. Wäre dies für mein Gemüt nicht bereits genug gewesen, so überkam mich abends eine plötzliche Müdigkeit, die mich nach nur wenigen Stunden des Wachseins wieder ins Bett trieb. Ich fühlte mich hundeelend, mir war eiskalt und ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Ich schlief 13,5 Stunden. Nicht gut, aber letztendlich erholsam, so dass der Schnupfen fast gänzlich verschwunden war und auch das Unwohlsein der letzten Tage spürbar besser geworden war. Der Appetit, den ich tags zuvor noch verloren hatte, kehrte wieder zurück und sechs Tage vor dem Dubai Marathon 2019 sah nicht nur meine Gemütslage bereits wieder deutlich besser aus, als noch sieben Tag vor dem Start.

Akt 5: Dubai Marathon 2019 Dénouement oder Katastrophe?

Ich befinde mich also mitten im vierten Akt. Die Handlung wird hinausgezögert und mit völliger Sicherheit kann ich das Ergebnis stand heute noch nicht vorhersagen. Dass ich früher oder später an diesem Punkt ankommen würde, trotz aller Umsicht zu erkranken, war mir klar. Schon beim Hell of the Brave Hindernislauf nur eine Woche vor dem Graz Marathon 2018 begleiteten mich entsprechende Gedanken. Ich halte mich auch keinesfalls für Bruce Willis in Unbreakable und dennoch hofft man immer das Beste.

Dasselbe tue ich jetzt. Ich werde meinen Körper die nächsten Tage mit allen mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten weiter beobachten und spätestens am Mittwoch entscheiden, ob ich den Flieger Richtung arabische Halbinsel besteige. Der Dubai Marathon 2019 ist nur der Anfang eines marathonreichen Jahres, das mir bevorsteht und das ich entsprechend nicht riskieren werde. Aktuell bin ich aber guter Dinge, mein persönliches Dénouement zu erleben.

4 Gedanken zu „7 Tage vor dem Dubai Marathon 2019 krank“

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