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Laufen im Schnee: Atmen, Stabilität und Meditation

Ich liebe es, im Schnee zu laufen. Wenn mich jemand fragen würde, was ich mehr genieße als das Laufen in der Dunkelheit, dann bliebe wohl nur dieses Szenario. Umso bedauerlicher empfand ich es im bisherigen Winter, dass das Laufen im Schnee für mich wortwörtlich ins Wasser fiel. Während die Wetterstationen auf der einen Seite Rekordniederschläge für den Januar 2019 vermeldeten, der in den Alpen und höher gelegenen Regionen zeitweise im Schneechaos mündete, blieben die Temperaturen im Umkreis des niedersächsischen Hannovers meist knapp über dem Gefrierpunkt und verweigerten somit eine weiße Schneedecke. Auch wenn bayrische Verhältnisse auch im Februar 2019 im Norden Deutschlands wohl nicht mehr einkehren werden, blieb in dieser Woche zumindest eine erste, fast schon schüchtern anmutende Schneeschicht liegen. Ich bekam erstmals in diesem Winter die Gelegenheit, im Schnee zu laufen – mit allen Vor- und Nachteilen.

Laufen im Schnee
Am Donnerstag deutete sich der erste Schnee auf den Feldwegen an.

Die Schattenseite des Laufens im Schnee

Auch wenn ich meine Nüchternläufe zu einer Uhrzeit starte, zu der die Sonne im Winter wie die meisten Menschen noch im Bett liegen bleibt, hat das Laufen im Schnee fraglos seine Schattenseiten. Viele Menschen klagen beispielsweise über Atemproblem bei eisigen Temperaturen, was ich selbst bisher nie erlebt habe. Gemäß Matteo Rosetto ist dies auf eine Verengung der Atemwege zurückzuführen, da die Muskeln der Luftwege verkrampfen, was wiederum zu einem Anschwellen der Schleimhäute führe. Der niederländische Extremsportler Wim Hof, der den Spitznamen The Iceman trägt, entwickelte sogar eine spezielle Atemtechnik, mit der er extreme Kälte aushalten könne. Dass ihm dies auf jeden Fall gelingt, bewies Hof bereits mehrere Male und lief unter anderem 2009 nur mit Schuhen und Shorts bekleidet am nördlichen Polarkreis einen Marathon in 5 h 25 min bei knapp minus 20 Grad, was im Dokumentarfilm Daredevils: The Ice Man begleitet wurde.

Ich selbst hatte, wie bereits angesprochen, bisher nie Probleme mit dem Atmen. Selbst im Winter 2009, als das Thermometer auch in Deutschland teilweise unter minus 20 Grad anzeigte, lernte ich auf meinen 5000-Meter-Läufen damals zwar das Gefühl von eingefrorenen Wimpern kennen. Das Luftholen stellte allerdings nie ein Problem dar.

Was dagegen auch im Jahr 2019 stellenweise Probleme bereitet, ist die Beschaffenheit des Weges. Laufen im Schnee ist anstrengender. Durch das Absinken benötigt man mehr Kraft, um sich Abzudrücken, was gleichzeitig eine höhere Belastung für die Achillessehne bedeutet, wobei der letzte Punkt bei sinnvollem Beweglichkeits- und Krafttraining kein Problem darstellen sollte. Aber das wäre mal das Thema eines anderen Artikels.

Viel herausfordernder ist allerdings unerwartete Glätte. Insbesondere Straßenbereiche, auf denen keine weiße Decke zu erkennen war, stellten sich beim heutigen Lauf als tückisch heraus, so dass man mehr stakste als lief. Das propriozeptive System, das für die Körperwahrnehmung im Raum verantwortlich ist, wird verstärkt gefordert. Ein weiterer Punkt, bei dem Läufer, die sinnvolles Krafttraining betreiben, Vorteile haben sollten. Dies ist unter anderem ein Grund, warum Athleten jeder Sportart freie Langhantelübungen mit geschlossener Muskelkette (Füße stehen auf dem Boden) dem Maschinentraining (wie der Beinpresse) vorziehen sollten.

Die Sonnenseite des Laufens im Schnee

Doch wo Schatten ist, da findet sich bekanntlich auch Licht. Es gibt vermutlich nicht umsonst etliche Marathonveranstaltungen, die in kalten Regionen zu Zeitpunkten im Jahr stattfinden, bei denen auf jeden Fall mit Schnee und Eis zu rechnen ist. Der Nordpol Marathon verläuft sogar gänzlich auf gefrorener Fläche, unter der sich nur das Meer und kein fester Boden befindet. Ich bin offenbar nicht der Einzige, der gerne im Schnee läuft.

In einem früheren Beitrag schrieb ich bereits über die Einstellung zum Laufen, und dass man lernen sollte, einen Marathon zu genießen. Gleiches gilt vielleicht auch für das Laufen im Schnee, wenn dieses bisher nicht der Fall ist. Ich selbst empfinde es fast wie das Erreichen der höchsten Stufe der Meditation, meiner Lauf-Meditation, wenn ich durch schneebedeckte Landschaften laufen und den Gedanken ebenso freien Lauf lassen darf. Ich freue mich daher über die wenigen Flocken der letzten Tage und nehme die ein oder andere Minute Zeitverlust bei den langen Nüchternläufen gerne in Kauf.

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