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Laufen in der Dunkelheit: Sehen und gesehen werden

Ich laufe gerne in der Dunkelheit. Wenn es eine Sache gibt, die ich schon während meiner zweiten Marathon-Vorbereitung zu schätzen lernte, dann die Umsetzung der langen Nüchternläufe noch lange, bevor der Tag begonnen hatte. Während es zum einen eine gewisse mentale Zufriedenheit erzeugte, einen wichtigen Teil des Tages bereits absolviert zu haben, empfand ich die Dunkelheit mit der Zeit, insbesondere ab Läufen die 20 Kilometer und mehr dauerten, als angenehme Fokussierung.

Man sah schlichtweg nicht viel von der Strecke, die man schon unzählige Male gelaufen war, und konnte sich so auf sich selbst und die Musik auf den Ohren konzentrieren. Inzwischen sind es Podcasts, die mich auf meinen langen Nüchternläufen begleiten, aber an der Vorliebe für Läufe in der Dunkelheit hat sich in den letzten Jahren nichts geändert. Vielmehr ist es einer der Aspekte, die ich auf der Reise in 80 Marathons um die Welt, am meisten zu schätzen lernte, auch wenn es nicht unbedingt der optimale Zeitpunkt fürs Laufen sein mag.

Sehen oder gesehen werden? Das ist hier die Frage!

Eine Sache, die allerdings einiges mehr an Zeit benötigte, bis mein Dickkopf endlich einsichtig wurde, war die Frage des Sehens. Sowohl aktiv durch meine Person, also auch passiv durch andere gesehen zu werden. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, woher die Ignoranz kam, schließlich wird jeder Autofahrer die Situation kennen, wenn man unbeleuchtete Fahrzeuge oder Personen in der Dunkelheit nur schwer erkennen kann. Dennoch belächelte ich bunte Neon-Laufkleidung eher und war der Ansicht, dass es schon genügen würde, wenn ich in der Dunkelheit ein paar Meter vor mir den Weg erkannte. Schließlich rannte ich ja nicht auf der Fahrbahn.

Zumindest meistens. Mit meinem Umzug auf das idyllische hannoveranische Umland irgendwann zwischen dem zweiten und dritten Hannover Marathon wuchs nicht nur die Zahl an potentiellen Laufstrecken deutlich an, die mit allerlei Abzweigungen über die verschiedensten Feldwege führten. Es kam auch der ein oder andere wenig befahrene Schleichweg, der keinen Gehweg bot, hinzu und somit auch kurz durch mich als Läufer genutzt wurde. Ich selbst machte mir anfangs immer noch keine wirklichen Gedanken darum, bis meine Frau mich eines Tages darauf hinwies, dass ich bei Dämmerung mit meiner dunklen Kleidung kaum zu erkennen sei, als sie selbst an mir vorbeifuhr.

Mir wurde eine Warnweste aufgezwungen, die ich ohne Murren akzeptierte, und von nun an bei Läufen mit entsprechenden Lichtverhältnissen trug. Gleichzeitig war es für mich der Moment, an dem ich begann, bewusst darauf zu achten, ob ich andere Menschen erkennen würde, wenn ich besagte Schleichwege mit dem Auto entlangfuhr. Wie vermutlich die Meisten erahnen können, war dies mehr schlecht als recht der Fall.

Obwohl ich aus eigener Erfahrung wusste, dass die Fußgänger die kommenden Autos schon von Weitem erkennen würden, war ich mir so manches Mal erst wenige hundert Meter vor der Person sicher, ob dort ein Mensch am Straßenrand entlangging. Mir war also klar: Wenn ich weiterhin in der Dunkelheit laufen und daraus kein Glücksspiel machen wollte, sollte ich dafür sorgen, nicht nur zu sehen, sondern auch gesehen zu werden.

Licht ins Dunkel bringen

Noch lange bevor die Warnweste regelmäßiger Begleiter meiner Trainingseinheiten wurde, nutzte ich eine sehr einfache Stirnlampe für Läufe in der Dunkelheit. Ich kann gar nicht mehr nachvollziehen, welche Lumenzahl das Produkt offiziell hatte, doch gerade wenn man auf dem Land nachts durch dunkle Wälder oder Feldwege fernab jeglicher künstlicheren Lichtquellen läuft, merkt man, wie dunkel die Dunkelheit tatsächlich sein kann. Insbesondere, wenn man nicht nur grob die Richtung eines asphaltierten Weges erkennen will, sondern es durchaus von Interesse ist, ob vor einem eine Bodendelle oder ein Ast auf dem Weg warten, die einen ins Stolpern bringen könnten.

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Meine erste Stirnlampe war günstig und ist nicht sonderlich hell, wie die Vergleichsbilder ganz unten verdeutlichen.

Also versuchte ich mir einen Überblick über Stirnlampen für das Laufen zu machen und vermutlich wird jeder, der dies ebenfalls schon einmal getan hat, eine ähnliche Erfahrung wie ich gemacht haben: Das Angebot ist so groß, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Egal wie hell dieser beleuchtet sein mag. Entsprechend kann ich heute meine genauen Überlegungen und Abwägungen gar nicht mehr nachvollziehen und weiß nur, dass ich insbesondere nach einer hohen Lumenzahl suchte, um ein möglichst helles Licht zu bekommen.

Die erste Lampe, die ich mir für zukünftige Läufe in der Dunkelheit kaufte, war eine Alien Scout*, die als stoß- und wetterfest LED Kopflampe beworben wurde. Die 168 Lumen sollten angeblich bis zu 110 Meter weit leuchten, wobei jeder, der schon einmal in die dunkle Nacht der freien Natur geleuchtet hat, weiß, dass sich das Licht sowieso in der Dunkelheit verliert, wenn es nicht von einem Hindernis reflektiert wird. Dennoch dachte ich, dass ich damit nichts falsch machen könnte, zumal die Lampe mit 90 Gramm inklusive Batterien auch nicht sonderlich schwer war.

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Für die Stadt würde mir die Alien Scout vollkommen reichen!

Wer allerdings ein wenig recherchiert, wird schnell feststellen, dass 168 Lumen keinesfalls die Obergrenze solcher Lampen darstellt, so dass ich getreu dem Motto „Mehr ist besser!“ wenig später eine Black Diamond* in mein Laufequipment ergänzte, die mit maximal 300 Lumen wirbt und gleichzeitig eine Anzeige bot, die in drei Stufen über den Ladezustand der Batterien Auskunft gab. Die benötigt es durchaus, da nach gut vier- bis fünfstündiger Dauernutzung auf höchster Stufe bereits ein Großteil der Energie aus frischen Batterien entzogen ist.

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Auf dem Land möchte ich fürs Laufen in der Dunkelheit auf kein Lumen mehr verzichten. Entsprechend ist die Black Diamond die Stirnlampe meiner Wahl geblieben.

Auf der anderen Seite wollte ich in erster Linie eine Lampe, die mich sicher auf meinen Läufen in der Dunkelheit geleitet und dabei möglichst viel Licht bietet. Das tut die Black Diamond in vollem Maße und bietet, was ich inzwischen sehr zu schätzen weiß, einen größeren Lichtkegel als die keinesfalls schlechte Alien Scout. Vermutlich würde mir in der Stadt die günstigere Alien Scout vollkommen ausreichen, wenn künstliche Lichtquellen die Nacht nicht völlig verdunkeln ließen. Auf meinen bereits beschriebenen Laufwegen möchte ich allerdings auf kein Lumen mehr verzichten.

Von links nach rechts ein Foto auf meinem Grundstück zum etwa 20 Meter entfernten Zaun ohne Licht, mit der alten Stirnlampe, der Alien Scout und schließlich der Black Diamond. Alle Lampen auf höchster Leuchtkraft mit frischen Batterien. – Zum Vergrößern einfach anklicken!

In einem guten Licht erscheinen

Doch wie ich bereits ansprach, ist es nur die halbe Miete, in der Dunkelheit gut sehen zu können. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass es fast wichtiger ist, selbst gut gesehen zu werden. Dieser Eindruck bestätigt sich mir immer wieder, wenn ich am Wochenende meine Nüchternläufe lange vor dem Sonnenaufgang mache und mir auf den Wegen Hunderhalter beim morgendlichen Gassi gehen begegnen. Trotz 300 Lumen ist eine dunkle Winterjacke oftmals erst auf wenige Meter von einem Baum oder hohen Busch am Wegesrand zu unterscheiden. Von vierbeinigen Begleitern ohne besondere Leuchthalsbänder möchte ich gar nicht erst sprechen.

Die Warnweste ist bereits seit Monaten fester Begleiter sobald es auch nur zu dämmern beginnt. Seit kurzem habe ich meine Ausrüstung aber um LED Armbänder* ergänzt, die weniger dazu dienen, dass ich mich am grünen und roten Leuchten erfreue, sondern vielmehr zur guten Sichtbarkeit beitragen sollen. Wem schon einmal ein Auto entgegengekommen ist, dass nur einen funktionierenden Scheinwerfer hatte, wird verstehen, worauf ich hinauswill. Ich hoffe, so schlichtweg besser in meinem Rahmen wahrgenommen zu werden, und fühle mich auf jeden Fall mit den Armbändern sicherer. Auch hier gilt, dass ich in der Stadt vermutlich auf solche Armbänder verzichten würde, auf meinen Landstrecken inzwischen aber für jede Möglichkeit dankbar bin, mich für andere in der Dunkelheit gut wahrnehmbar zu machen.

Sehen UND gesehen werden!

Es ist somit keine Frage des Sehens oder Gesehen Werdens. Beide Aspekte sind wichtig, wenn man in der Dunkelheit Laufen will und sein Glück nicht herausfordern möchte. Rückblickend fällt es mir schwer, zu verstehen, warum diese Einsicht bei mir erst so spät kam. Aber manchmal braucht man bekanntlich ein wenig, bis einem ein Licht aufgeht.

Vergleich der Lichtquellen in der Dunkelheit

Die folgenden Fotos wurden in der Dunkelheit auf meinem Grundstück gemacht. Die Fotos wurden vom Haus aus gemacht, in dem das Licht angeschaltet war, was bei der Warnweste zu erkennen sein wird. Die Entfernung beträgt etwa 20 Meter Luftlinie.

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Völlige Dunkelheit.
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Mit der Alien Scout angeleuchtet ohne spezielle Bekleidung.
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Warnweste und nur das Licht vom Haus (auf Foto 1 auch bereits).
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Mit der Alien Scout angeleuchtet, während die Warnweste angezogen war.
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Selbst die Stirnlampe Black Diamond angeschaltet und Foto, ohne angeleuchtet zu werden.
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Stirnlampe Black Diamond sowie die LED Armbänder angeschaltet und auf den Boden vor mir geleuchtet. Foto ohne angeleuchtet zu werden.

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