Verdacht Bandscheibenvorfall: Wie geht es mit dem Laufen weiter?

Diagnose: Verdacht Bandscheibenvorfall. Der gute Vorsatz des Jahres 2022, gesund zu bleiben, wäre damit bereits nach wenigen Tagen gebrochen und das Sportjahr hätte deutlich besser beginnen können. Nachdem mich die Diagnose beim Arzt zunächst noch etwas überrumpelt hatte, sind meine Gedanken eine Woche später deutlich geordneter. Wie geht es also mit dem Laufen erst einmal weiter?

Was war passiert?

Begonnen hatte alles an einem Freitag. Nach dem Krafttraining setzte ich einen Koppellauf über 10 Kilometer um, was kein Problem darstellte. Am Samstag trainierte ich eine Kettlebell-Einheit mit ungewohnten Übungen. Ich hatte das Gefühl, mir den Muskel etwas gezerrt zu haben, absolvierte im Anschluss aber dennoch einen 5-Kilometer-Lauf im lockeren Tempo, da ich den Rest des Tages inaktiv zum Großteil im Auto verbringen sollte.

Schon am Nachmittag machte sich mein Gesäß bemerkbar und am nächsten Morgen schmerzte der linke Bereich spürbar. Doch was tun? Geplant waren 35 Kilometer, die ich nach den ersten Schritten fast abgebrochen hätte. Mein linke Hüfte fühlte sich völlig verkatert an. Doch gerade als ich den Abbruch der Einheit akzeptieren wollte, war der Muskel locker und ich absolvierte die komplette Distanz ohne Probleme. Nach der Einheit war ich erschöpft, aber verspürte keinesfalls Schmerzen.

Diese begannen in der Woche darauf. Während ich am Montag noch dachte, ich hätte lediglich Muskelkater, vermutete ich am Dienstag, mir den Muskel etwas gezerrt zu haben. Das Gesäß schmerzte und ich plante für Mittwoch bereits einen regenerativen Lauf. Doch daraus sollte nichts werden. Bereits in der Mittagspause sorgte eine halbe Stunde zügiges Gehen dafür, dass mein linkes Bein schmerzte. Der Beinbizeps krampfte und ich hatte das Gefühl, die Zehen nicht richtig heben zu können.

Das Training fiel somit flach. Als ich am Donnerstag die gut 500 Meter vom Auto zur Arbeit aufgrund von Schmerzen beim Gehen unterbrechen musste, war der Gang zum Arzt beschlossen. Da ich weder Rückenschmerzen hatte, noch beim Sitzen irgendetwas merkte, vermutete ich einen Muskelfaserriss, den ich mir unbemerkt am Samstag zugezogen und am Sonntag verschlimmert hätte. Der Arzt war, wie einleitend bereits angeführt, anderer Ansicht.

Verdacht Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich

Ich suchte die Sprechstunde am Freitagmorgen auf und wurde zunächst noch einmal nach Hause geschickt. Seit Corona gibt es keine vollen Wartezimmer mehr und man fragt sich manchmal, warum dies früher notwendig war. Gut eine Stunde später erschien ich pünktlich zu meinem Termin und musste noch einige Minuten im Behandlungszimmer warten, bevor der Arzt den Raum betrat.

Ich schilderte mein sportliches Wochenende sowie meine Probleme. Ich vermutete, dass wir nun irgendein bildgebendes Verfahren nutzen würden, um einen tieferen Muskelfaserriss zu diagnostizieren. Stattdessen sollte ich mich jedoch auf eine Liege begeben. Nach einigen Funktionstests teilte mir der Sportmediziner mit, dass er einen Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich vermutete.

Ich war überrumpelt. Mir ist diese Form der Sportverletzung bekannt und rückblickend passen die Symptome, allerdings hatte ich darüber bis zu diesem Moment nicht nachgedacht. Meinem Rücken ging es gut, ich hatte keine Taubheitsgefühle und auch die Schmerzen waren ertragbar. Die Frage, ob ich eine Krankschreibung benötigen würde, lehnte ich zunächst ab. „Davon wird es ja auch nicht besser!“ war meine Antwort. Mein Kopf wollte das Ergebnis noch nicht so richtig akzeptieren wollte.

Ich hatte keine Angst vor langfristigen Schäden. Die meisten Bandscheibenvorfälle verheilen von allein ohne bleibende Probleme. Ich wollte vielmehr nicht akzeptieren, in absehbarer Zeit keine Marathons laufen zu können. Überhaupt Laufen zu können.

Ruhe und Bewegung in den ersten Tagen nach dem Bandscheibenvorfall

Erst zu Hause verarbeitete ich die Diagnose. Beim Finden eines Termins für das MRT stellte ich fest, dass ja der Urlaub samt Marathon in Funchal geplant war. Verdammt. Ich brauchte doch eine Krankschreibung.

Ich verbrachte den Freitag damit, auf der Couch zu liegen und die Beine hochzustellen. In dieser Position war ich tatsächlich schmerzfrei und gleichzeitig bewegungslos. Während ich an normalen Tagen mindestens 10.000 Schritte gehe und um die 3.000 kcal verbrenne, waren es an diesem Tag keine 3000 Schritte. Der Verbrauch sank auf knapp 2.000 kcal und ich ärgerte mich eigentlich nur über meine Unvernunft.

Sportverletzungen können passieren. Das gehört zum Training dazu. In diesem Fall hätte ich aber etwas mehr auf meinen Körper hören sollen. Ich bin somit der lebende Beweis, dass man auch mit fast 40 Lebensjahren nicht zwangsläufig vernünftiger wird. Unvernünftig wäre es jedoch auch, völlig bewegungslos zu bleiben.

Bereits am Samstag bewegte ich mich ein paar Schritte mehr und probierte, was ohne Schmerzen möglich ist. Während das Sitzen in den meisten Positionen seit Mittwoch zunächst unangenehm war, ging dies zum Ende der Woche schon wieder besser. Am Sonntag setzte ich mich auf Radergometer und stellte fest, dass ich ohne Probleme locker in die Pedale treten kann.

Am Montag bekam ich eine Krankmeldung für die Woche und bereits am Dienstag begab ich mich in Fitnessstudio, um an Maschinen kontrolliert den Oberkörper zu trainieren. Es wurden nur Sachen gemacht, die die Wirbelsäule nicht stauchten und sich gut anfühlten. Gerade die völlige Untätigkeit ist einer der größten Fehler, den man bei einem Bandscheibenvorfall begehen kann!

Nach dem Bandscheibenvorfall ist das Laufen erst einmal nicht möglich und das Radergometer die Alternative

Wie geht es mit dem Laufen nach dem Bandscheibenvorfall weiter?

Ob es tatsächlich ein Bandscheibenvorfall oder eine minderschwere Bandscheibenvorwölbung ist, wird das MRT in gut zehn Tagen zeigen. Bis dahin versuche ich auf meinen Körper zu hören und so aktiv wie möglich zu bleiben. Spazierengehen ist für gut eine halbe Stunde bereits wieder möglich. Ab diesem Zeitpunkt beginnt dann aber die Muskulatur zu schmerzen.

Anders sieht es dagegen auf dem Rad aus. Nachdem lockeres Radeln und Krafteinheiten für den Oberkörper kein Problem waren, probierte ich mich Mitte dieser Woche am Spinning und konnte auch dies ohne Schmerzen während oder nach der Belastung durchführen. Generell wurden die Beschwerden bereits deutlich besser. Während ich in den ersten Tagen noch vor dem Schlafen Ibuprofen nutze, kann ich auch darauf seit Mitte der Woche verzichten. Ich bin guter Dinge, dass ich schon bald wieder die Laufschuhe schnüren kann.

Bis dahin konzentriere ich mich auf das Krafttraining an Maschinen und halte die Kondition mithilfe von Radfahren auf einem akzeptablen Niveau. Das dies gut funktioniert, konnte ich mir bereits vor gut zwei Jahren beweisen. Entsprechend blase ich keinesfalls Trübsal, sondern versuche die Situation zu nehmen, wie sie ist.

Ernährung tracken, Verbrauch beachten und Schmerztagebuch führen

Meine Ernährung tracke ich weiterhin. Ebenso wie ich mich bei der Kalorienzufuhr an meinem Fitbit orientiere, um aufgrund der geringeren Bewegung nicht unnötig zuzunehmen. Parallel führe ich ein Schmerztagebuch. Darin machte ich jeden Tag Notizen, was gut funktionierte, wie belastbar ich war und was Probleme bereitete.

Aus der Erfahrung heraus weiß ich, dass man andernfalls rückblickend den Genesungsprozess nur schwer rekonstruieren kann. Die Erinnerung trübt einen bekanntermaßen schnell mal. Das alles mag nicht der beste Start ins Sportjahr 2022 gewesen sein. Andererseits kann es von nun an eigentliche nur besser werden.

in80marathonsumdiewelt

7 Kommentar zu “Verdacht Bandscheibenvorfall: Wie geht es mit dem Laufen weiter?

  1. Hey Frank, bin schon gespannt wie es weitergeht. Mich würde eine Ursachenanalyse sehr interessieren. Gute Besserung! Gruß Tim

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