Laufen acht Wochen nach dem Bandscheibenvorfall

Kann man nach einem Bandscheibenvorfall wieder laufen? Wer diese Frage im Internet googelt, erhält erstaunlich wenig hilfreiche Informationen. Auf Unique SportsTime berichtete einer der Autoren bereits im Oktober 2013 in einer ähnlichen Situation gewesen zu sein. Der eigentlich Genesungsprozess wurde jedoch in keiner Weise thematisiert. Nicht viel anders erging es mir mit dem Rest an Informationen, den zumindest ich im Internet finden konnte. An dieser Stelle also zumindest meine Erfahrungen.

MRT: Bestätigung des Bandscheibenvorfalls

Nachdem ich Anfang Januar zunächst nur eine Verdachtsdiagnose auf einen möglichen Bandscheibenvorfall erhielt, gab es die Überweisung zum MRT gleich mit dazu. Gut 2,5 Wochen später war am 25.01.2021 der erste mögliche Termin. Ursprünglich wollte ich zu dieser Zeit noch auf Madeira sein und den Funchal Marathon laufen. Dass auch dieser zweite Anlauf aber nicht zur Realisierung führen würde, war aber längst klar.

Der Ablauf des MRTs war denkbar unspektakulär. Ausfüllen eines kurzen Anamnesebogens und Ablegen der Kleidung in einer Umkleidekabine. Die Frage, ob ich schon einmal ein MRT gemacht hätte, konnte ich bejahen. Im Jahr 2009 wurde ich schon einmal in die Röhre geschoben. Damals erlitt ich einen Bandscheibenvorfall im Halswirbelbereich, der in den ersten Tagen allerdings deutlich schmerzhafter war. Nach Abschluss der Maßnahme musst ich noch kurz warten und bekam eine CD mit den Bildern mit nach Hause. Der letztendliche Befund wurde dem Arzt übersandt.

Die Tür zum MRT.

Die ersten Wochen nach dem Bandscheibenvorfall

Was den Heilungsprozess angeht, war ich zu diesem Zeitpunkt gemäß meines Schmerztagesbuchs nachts bereits wieder ohne Probleme. Während das Fahren auf dem Radergometer schon wenige Tage nach dem Bandscheibenvorfall keine Probleme bereitete, war das Gehen in der ersten Zeit nicht selbstverständlich. Am 17. Januar konnte ich erstmals wieder 10.000 echte Schritte gehen, wobei dies keinesfalls schmerzfrei verlief. Ich rollte morgens meine Hüfte, dehnte mich abends und teilte die Gehphasen auf. Dennoch notierte ich mir, dass ich beim Einkaufswagen schieben im Supermarkt Probleme bekam.

Eine weitere Woche später war ich langsam schmerzfrei. Die Muskulatur war im linken Bein bzw. der linken Hüftregion aber weiterhin steif. Darüber hinaus war mein Tibialis Anterior, also der Bereich am Schienbein, mit dem der Fuß angezogen wird, dauerhaft verspannt. Ende Januar probierte ich beim Gehen dann die erste Laufbewegung. Keine 100 Meter. Ich wollte allerdings schauen, wie diese andere Form der Bewegung sich anfühlen würde. Nachdem in den nächsten Tagen 12.000 echte Schritte kein Problem waren und ich den letzten Sonntag im Januar sogar überlegt hatte, einen echten Laufversuch zu starten, war es am 02. Februar so weit: Ich schnürte erstmals seit dem Bandscheibenvorfall die Laufschuhe.

Besprechung der Ergebnisse beim Arzt

Wenn es nach meinem Arzt gehen würde, hätte ich dies allerdings nicht machen sollen. Gut eine Woche nach dem MRT gab es den Termin zum Besprechen der Ergebnisse bei meinem Hausarzt. Dieser war, wie ich bereits schrieb, früher auch als Sportarzt tätig, so dass ich keinen Grund sah, für die erste Abklärung eine andere Praxis aufzusuchen. Die Tatsache, dass ich bei meinem zweiten Termin erneut als der „Mann mit den muskulären Oberschenkeln“ begrüßt wurde, die er in der Form noch nicht gesehen hätte, zeigte mit allerdings auch, dass die Erfahrung mit Kraftsportlern nicht sonderlich groß sein konnte.

Zu meiner Überraschung wurden die Bilder des MRTs nicht mit mir besprochen. Ehrlich gesagt, hatte ich sogar das Gefühl, dass diese gar nicht erst gesichtet wurden, sondern lediglich das Gutachten der MRT-Klinik gelesen wurde. Gemeinsam ging er mit mir das Fach-Latein durch und gab selbst zu, dass man all dies auch hätte deutlich unkomplizierter formulieren könnten.

Letztendlich kam dabei rum, dass meine Wirbel und meine Bandscheiben im Lendenwirbelbereich nicht mehr die eines 20-jährigen sind. Dieses Ergebnis half mir nicht wirklich weiter. Dass die Bandscheiben im Alter degenerieren, ist mir selbst bekannt. Ebenso bleiben gut 25 Jahre schweres Krafttraining, die insbesondere in den Anfangsjahren nicht immer korrekt umgesetzt wurden, nicht folgenlos. Ein unmittelbarer Vergleich mit anderen 40-jährigen oder Sportlern, die 25 Jahre Kraftsport auf dem Buckel haben oder meinem 10 Jahre jüngeren Ich wären interessant gewesen. So fehlte mir aber jede Relation, was ich von dem Befund zu halten hätte.

Nie wieder Laufen nach dem Bandscheibenvorfall?

Daran änderten auch meine Nachfragen nichts. Auf dem Befund wurde Gewebe beschrieben, das auf Grundlage der Aufnahmen nicht eindeutig zuzuordnen sei. Darüber hinaus wurden Veränderungen einiger Strukturen beschrieben, ohne dass dies laut Befund spezifiziert werden könnte. Meine Rückfrage, was das zu heißen habe, konnte mir ebenso wenig beantwortet werden.

Ich ging mit der Empfehlung, dass Radfahren gesünder für Knie und Wirbelsäule sei, und dass ich mir ja mal zeigen lassen könnte, wie Krafttraining funktioniert. Wie geschrieben, weiß ich selbst, dass ich in den Anfangsjahren nicht alles richtig machte. Die ersten Sportjahre im Ringen waren sicherlich ebenso wenig produktiv für die Wirbelsäule. Dass man aber von Heilberufen immer wieder wie ein Idiot behandelt wird, ohne dass die Person sich einmal darüber informiert, was man macht und was man wüsste, ist in gewisser Weise frustrierend.

Zwei Ärzte, drei Meinungen

Wenn es nach meinem Hausarzt gegangen wäre, sollte ich den Rest meines Lebens also möglichst gar nicht Laufen und am besten die Hanteln gegen Kieser-Training oder ähnliches tauschen. Im Kontext des Erstaunens über meine Beinmuskulatur sowie der Tatsache, das von jemandem zu hören, der selbst augenscheinlich nicht trainiert und einen etwas zu hohen Körperfettanteil hat, war die Situation fast schon absurd.

Mir ist bewusst, dass man mit dieser Empfehlung nicht viel falsch machen kann. Auf der anderen Seite ist es aber mit Medizinern wie mit Rechtsanwälten: Zwei Ärzte, drei Meinungen. Während mein Arzt das Laufen quasi verteufelte, bezeichnet der Wirbelsäulenspezialist Dr. Theodoridis Laufen als Bandscheibenmassage.

Allgemein ist zur Problematik der Diagnose (und letztendlich der damit verbundenen Handlungsempfehlung) auch ein Beitrag aus dem bayrischen Ärzteblatt lesenswert. Ich will damit nicht ausdrücken, dass ich es besser wissen würde. Ich versuche die Gesamtsituation aber spezifisch und differenziert zu betrachten.

Die ersten Laufeinheiten acht Wochen nach dem Bandscheibenvorfall

Vier Wochen nach dem Bandscheibenvorfall führte ich meine erste Laufeinheit durch, wenn man diese so bezeichnen will. Letztendlich waren es 1000 Meter mit einer 6er-Pace. Physisch hatte dies noch nicht viel mit Sport zu tun. Psychisch tat es aber unglaublich gut. Dennoch war noch nicht mehr Strecke möglich. Mein linkes Bein war noch nicht richtig kontrollierbar. Nachdem meine linke Wade dann das dritte Mal im Bereich der Kniekehle eine Art Schnappbewegung machte, brach ich das Joggen ab, um Verletzungen zu vermeiden.

Drei Tage später trainierte ich die Beine erstmals auch wieder im Fitnessstudio an der Beinpresse. Lange Gehphasen über eine Stunde hinweg waren aber weiterhin problematisch. Sechs Wochen nach dem Bandscheibenvorfall setzte ich mich das erste Mal im Jahr 2022 auf dem Concept 2 Rudergerät. Weder Rücken noch Hüfte machten ein Problem, wobei der Tibialis im Anschluss spürbar verspannt war.

Rudern nach dem Bandscheibenvorfall

Weitere zwei Wochen später ging es dann wieder in die ersten echte Laufeinheiten. Am 03. März lief ich zehn Kilometer. Nach gut drei Kilometern wurde die Muskulatur unsicherer und nach fünf Kilometern überlegte ich abzubrechen. Da ich aber schmerzfrei war, lief ich weiter. Oder bewegte mich zumindest in einer Laufbewegung, bei der die Pace jedoch über 6 Minuten lag. Am Ende waren aber die ersten zehn Kilometer seit dem Bandscheibenvorfall geschafft.

Die erste echte Laufeinheit seit dem Bandscheibenvorfall.

Am nächsten Tag hatte ich – entgegen meinen Befürchtungen – keine Probleme. In den Oberschenkeln war etwas Muskelkater spürbar, aber nichts schmerzte. Spontan entschloss ich mich daher am Sonntag erneut die Laufschuhe zu schnüren, anstatt auf dem Radergometer in die Pedale zu treten. Erneut wollte ich zehn Kilometer laufen, wobei ich bereits auf den ersten Kilometern merkte, dass ich mich deutlich sicherer bewegte als noch am Donnerstag.

Nachdem sich die geplante Streckte gut anfühlte, verlängerte ich die Laufeinheit spontan auf 15 Kilometer. Dass dies zunächst genug war, machte mir mein Körper durch einen Einbruch der Pace deutlich. Dennoch blieb ich schmerzfrei und letztendlich deutlich schneller als noch drei Tage zuvor. Das langfristige Ziel sind Stand heute spätestens im Herbst wieder Marathons. Wie es bis dahin weitergeht, werde ich von Woche zu Woche entscheiden. Der nächste Schritt ist erst einmal die Halbmarathondistanz.

Die ersten 15 km Laufen nach dem Bandscheibenvorfall.

in80marathonsumdiewelt

2 Kommentar zu “Laufen acht Wochen nach dem Bandscheibenvorfall

  1. Hallo Frank,

    schön zu Lesen, dass es wieder aufwärts geht, ich hatte schlimmeres befürchtet. Hoffentlich bleibst du auch bei längeren Distanzen schmerzfrei.
    Mit den Ärzten gebe ich dir absolut Recht, Klassiker bisher: „Dann hören sie doch mit dem Laufen auf“ (vom Sportorthopäden) und „Alles das weniger als 6 Wochen schmerzt ist kein orthopädisches Problem“ anhören.
    Also weiterhin gute Besserung.

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