Kinesio Tapes gibt es in verschiedenen Farben
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Kinesio Taping vor dem Marathon

Kinesio Tapes haben es nicht leicht. Während viele Sportler, Trainer, Ärzte und Physiotherapeuten vom Einsatz überzeugt sind, werden auf der anderen Seite genauso viele Menschen aus den genannten Gruppen zu finden sein, die auf den fehlenden wissenschaftlichen Beweis der Wirksamkeit hinweisen, es vielleicht sogar als Scharlatanismus bezeichnen und alles andere als von der Anwendung überzeugt sind. Trotz dieses schon seit gefühlten Ewigkeiten bestehenden Streits behaupten sich Kinesio Tapes auf dem Sportmarkt und auch ich greife immer mal wieder gerne auf die bunten Bänder zurück.

Kinesio Taping: Trend oder Evergreen?

Der Jerusalem Marathon 2019 steht vor der Tür und wie schon vor dem Neu-Delhi Marathon plage ich mich noch immer mit meinen festen Waden herum. Wie man sich vielleicht denken kann, werde ich dieses Problem nicht grundlos haben und ich meine den Schuldigen auch bereits ausfindig gemacht zu haben. Die wichtigste Gegenmaßnahme ist getroffen, den Rest müssen die nächsten Wochen zeigen. Ergänzend versuche ich jedoch die Waden auch auf weiteren Wegen so gut wie möglich zu lockern und zu unterstützen.

Tägliches Dehnen und Massage mit der Massagepistole, regelmäßige Entspannungsbäder und nun noch Kinesio Tapes. Dabei laufe ich keinesfalls irgendwelchen Trends hinterher oder meine den heiligen Gral entdeckt zu haben. Die bunten Bänder begleiten mich bereits seit inzwischen fast zehn Jahren durch mein Sportlerleben und ich nutzte diese insbesondere im Bereich des Unterkörpers in der Vergangenheit nicht regelmäßig, aber immer wieder bei Bedarf.

Auch wenn sich bereits die alten Römer und Ägypter das Prinzip der Kinesio Tapes zu Nutze gemacht haben sollen, nutzen Sportler die bunten Klebebänder heutzutage aufgrund des japanischen Arztes Kenzo Kase. Bereits vor den Kinesio Tapes existierten feste Sporttapes, mit denen Kase jedoch nicht die gewünschten Ergebnisse erreichte. Aus diesem Grund entwickelte der Asiate bereits in den 1970ern die dehnbaren Tapes, deren Name vom Wort Kinese – also Bewegung – abstammt.

Im Gegensatz zu den festen Tapes der Vergangenheit können die aus dehnbarem Baumwollstoff bestehenden Kinesio Tapes fast auf eine Länge von 130 bis 140 Prozent gedehnt werden. Ursprünglich ohne spezielle Farben, arbeitete Kase schnell mit rosa und blauen Kinesio Tapes, die einen wärmenden bzw. kühlenden Effekt repräsentierten. Die Bänder selbst können diese Temperaturveränderung natürlich nicht allein aufgrund ihrer Farbe hervorrufen. Es geht also mehr um einen assoziativen Effekt im Kopf. Inwieweit dieser wirksam wird, ist sicherlich auch eine Frage der Empfänglichkeit des Einzelnen.

Kinesio Tapes gibt es in verschiedenen Farben
Kinesio Tapes gibt es in verschiedenen Farben

Inzwischen gibt es eine Vielzahl weitere Farben für Kinesio Tapes, die allerlei Wirkungen zugeordnet sind. Inwieweit dies tatsächlich beim Anwender gelingt, sei – wie dargestellt – dahingestellt.

Was sagt die Wissenschaft zur Wirkung von Kinesio Tapes?

Betrachtet man die Studienlage bezüglich Kinesio Tapes, so sind die Ergebnisse nicht so düster, wie manch Kritiker es pauschal behauptet. Die Wirkung der bunten Klebebänder wird immer wieder in unterschiedlichsten Szenarien untersucht, und auch wenn niemand auf die Idee käme, diese als universelles Allheilmittel zu betiteln, so kommen viele Untersuchungen doch zu einem positiven Ergebnis.

Während Vanti und Kollegen 2015 in ihrer Meta-Studie dem Kinseio Taping eher keine Wirkung nachwiesen [Studie], sprachen Cspaso und Kollegen den bunten Bändern durchaus einen therapeutischen Effekt zu [Studie]. Die Untersuchungen vereinten dabei verschiedenste Untersuchungsbereiche vom Schulter- und Nackenbereich, über unteren Rücken bis hin zum Unterkörper. Für Läufer dürfte aber insbesondere die Anwendung im Beinbereich interessant sein.

Hierzu kamen Studien in den letzten Jahren zu Ergebnissen, die sich mit den subjektiven Erfahrungen vieler Sportler decken dürften. Kinesio Tapes sollen bei Schienbeinkantensyndromen [Studie], Knieschmerzen [Studie / Studie], sowie bei belastungsbedingten Wadenschmerzen [Studie / Studie] ein sinnvolles Hilfsmittel sein. Andere Untersuchungen kommen darüber hinaus zu dem Schluss, dass die Bänder für eine verbesserte Stabilität sorgen können [Studie / Studie]. Bei all den positiven Nachrichten sollte neben Qualität des Studiendesigns insbesondere beachtet werden, dass die Stärke des Effekts für einzelne Athleten von unterschiedlicher Bedeutung sein kann.

Warum nutze ich nun (erneut) Kinesio Tapes?

Mir selbst halfen die bunten Bänder, wie ich bereits schrieb, schon mehrfach in der Vergangenheit und auch aktuell merke ich im Alltag, aber auch in der letzten Laufeinheit vor dem Jerusalem Marathon die positive Wirkung. Schmerz wird im Gehirn verarbeitet und das von außen angebrachte Kinesio Tape kann fraglos nicht tieferliegende Probleme beispielsweise im Lymphsystem oder den Muskelfasern direkt beeinflussen. Auf der anderen Seite übt das Klebeband durch die äußere Reizsetzung aber einen Einfluss auf die Gesamtwahrnehmung aus.

Kinesio Tapes an den Waden
Für mich haben die Kinesio Tapes an den Waden einen positiven Effekt

So kann das Kinesio Tape psychisch wie physisch durch Stabilität und verlagerter Reizwahrnehmung im entsprechenden Bereich insofern helfen, dass eine ungehemmte natürliche Bewegung unterstützt wird. Dies wiederum verhindert Schonhaltungen bzw. -bewegungen und trägt so zur Regeneration bei. Wohlbemerkt immer unter der Prämisse, dass der eigentlichen Ursache auf den Grund gegangen wird und entsprechende Maßnahmen getroffen werden.

Wer bereits ein paar Mal unter Anleitung Tapes angelegt bekommen hatte, oder sich ein wenig mit der Materie auseinandersetzt, wird im Prinzip auch nichts falsch machen können, weshalb es keinen Grund für Berührungsängste mit den klebrigen Streifen gibt. Nachdem ich bisher – wie bereits angesprochen – vor allem positive Erfahrungen bei der Schmerzlinderung gesammelt hatte, in der Vergangenheit die Kinesio Tapes jedoch erst nutzte, wenn der entsprechende Körperbereich sich bemerkbar machte, werde ich beim Jerusalem Marathon auch erstmals prophylaktisch tapen.

Auch wenn ich nach den bisherigen Marathonwettkämpfen generell keine großen Probleme mit Schmerzen hatte, spürt man den Lauf am Tag nach dem Marathon dann doch in der Muskulatur. Die kurz umrissene Studienlage gibt in diesem Zusammenhang Hinweise, dass die prophylaktische Nutzung von Kinesio Tapes im Unterkörperbereich durchaus Vorteile mit sich bringen könnte. Und wenn es eine kostengünstige und sichere Methode gibt, die Beine bereits am Folgetage frischer wahrzunehmen, spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, es zu versuchen. Ich werde bei Gelegenheit meine Eindrücke berichten.


Wer sich ganz frisch mit der Thematik beschäftigt, findet einen guten Überblick zum Taping in diesem Buch*.

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