Wenn man wie ich über die vergangenen Jahre bereits einige Marathons angesammelt hat und im Rahmen dessen diverse Länder bereist, stellt sich unvermeidbarer Weise eine gewisse Routine ein. Auch wenn ich mich weiterhin auf die Teilnahme in neuen Ländern freue und es auch immer wieder Highlights gibt, besteht dennoch nicht mehr diese kindliche Vorfreude, die ich beispielsweise vor meiner ersten größeren Reise damals zum New York Marathon empfand. Das Gefühl wird in dieser Intensität vermutlich nie wieder aufkommen, doch die Teilnahme am Shanghai Marathon 2024 ist dennoch etwas Ungewöhnliches.
大家好.我学习中文.
„Hallo alle zusammen. Ich lerne Chinesisch.“ In dieser Form lässt sich die oben stehende Überschrift übersetzen und ich brauchte nicht einmal Google-Translate für die Formulierung. Der Lebensweg besteht oftmals aus unerwarteten Zufällen, die Abzweigungen öffnen, für die einem zuvor die Fantasie gefehlt hätte. Vermutlich wird jeder solche Momente in seinem Leben benennen können. Was meine Verbindung zum Chinesischen angeht, so waren es eine Reihe an Kleinigkeiten, die sich summierten, und schließlich im Februar dieses Jahres zu einem Resultat führten.
So kam es, dass ich, der sich alles andere als fremdsprachenaffin beschreiben würde, seit nunmehr fast genau zehn Monaten Chinesisch lerne. Anfangs das Lesen und Verstehen der Lautsprache Pin Yin, schon bald das Erfassen der eigentlichen Schriftzeichen und seit einigen Monaten nunmehr auch das Schreiben jener anfangs kryptisch wirkenden Zeichen, deren Wurzeln in einer Bildsprache eine gewisse Faszination auf mich ausüben.
Ich nehme zweimal die Woche Einzelunterricht, um die Aussprache zu üben, und es verging die letzten zehn Monate kein Tag, an dem ich mich nicht mindestens eine halbe Stunde, meist aber deutlich mehr, mit der Sprache auseinandergesetzt hätte. Dass ich entsprechend auch das Land besuchen und einen Marathon in China laufen wollen würde, war mir bereits seit einigen Monaten bewusst. Dass es aber bereits in diesem Jahr so weit sein würde, kam völlig ungeplant!
Der Shanghai Marathon ist ein Anwärter auf die World Marathons Majors Serie …
Dies erwähnte ich bereits vor einigen Wochen, als ich über meine Erlebnisse beim Kapstadt Marathon 2024 schrieb. Als ich auf dem Weg zum Rennen nach Südafrika war, las ich zum ersten Mal von diesem Umstand, doch die Reise nach China war zu diesem Zeitpunkt bislang nicht geplant. Kapstadt hat inzwischen die nächste Etappe genommen und wird voraussichtlich im kommenden Jahr offiziell in den elitären Kreis aufgenommen. Über den Shanghai Marathon gibt es auf der Homepage der WMM-Organisationen noch kein Update.
Dennoch war auch dieser Umstand in gewisser Weise einer dieser Zufälle, die zu einer Entscheidung führen, auch wenn es fraglos nicht so weitreichend wie das Erlernen einer gänzlich neuen Sprache ist. Ich begann mich nach der Rückkehr aus Kapstadt in Deutschland damit auseinanderzusetzen, wie man denn überhaupt in China an einem Marathon teilnehmen kann. Eine erste Recherche einige Wochen zuvor machte mich nicht wirklich schlauer, sodass mein bisheriger Plan so aussah, über einen Reiseveranstalter im nächsten Jahr an einem Marathon auf der großen Mauer teilzunehmen.
Wie ich inzwischen weiß, ist es bei den großen Läufen in China normal, dass Lotterien um die Teilnahme angeboten werden. Obwohl Städte wie Peking, Shenzhen oder auch Shanghai allesamt fünfstellige Teilnehmerzahlen bewältigen, ist der Andrang offenbar so groß, dass nicht annähernd alle Laufwilligen auch die Möglichkeit hierzu erhalten. Anders als beispielsweise in Tokyo, London oder den anderen Major Marathons findet die Auslosung nicht bereits Monate im Vorfeld statt, sondern nur knapp sechs Wochen vor dem eigentlichen Rennen.
Der 外国人 hatte Losglück
Ich hatte daher Glück in mehrfacher Hinsicht. Zum einen hatte ich mir die Information, wie die Anmeldung bei den entsprechenden Rennen verläuft, unmittelbar vor Beginn der Anmeldephase für den Shanghai Marathon 2024 erarbeitet. Drei Tage hatte man Zeit, sich über eine App anzumelden, wobei ich im Internet zumindest für die vergangenen Jahre gelesen hatte, dass die Chance für einen Ausländer recht gut sein sollte.
Wie genau die Quoten für das diesjährige Rennen in Shanghai genau aussehen, ist mir nicht bekannt und wird, soweit ich dies im Überblick habe, auch nicht transparent dargestellt. Tatsache ist aber, dass dieser 外国人 Glück hatte und eine Startberechtigung für den Shanghai Marathon 2024 gewann. Also hieß es gut vier Wochen vor dem Rennen recht spontan Urlaub zu nehmen, eine Reise zu buchen und zum ersten Mal nach China zu reisen.



Gesichtserkennung auf der Marathonmesse
Wer wie ich bislang noch nie in China gewesen war, wird sicherlich einige Vorstellungen mit dem Land verbinden, ohne so genau zu wissen, wie korrekt diese überhaupt sind. Eine hiervon ist die weitreichende Überwachung oder besser gesagt allgegenwärtige Präsenz von Kameras im öffentlichen Raum. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass die Deutschen äußerst sensibel bei diesem Thema sind, doch mein Eindruck in Shanghai war keinesfalls so, wie manche Beschreibung es glauben machen könnte.
Zwar musste man bei der Einreise seine Fingerabdrücke abgeben und ein Foto aufnehmen lassen, doch dieses Prozedere wird auch in vielen anderen Ländern umgesetzt. Zumal man als Deutscher für Kurzaufenthalte derzeit keinerlei Visum benötigt, worüber der Einreiseverkehr in ein Land auf andere Weise registriert werden könnte. Doch auch die Anzahl an Kameras in der Öffentlichkeit war keinesfalls sonderlich hoch. Anders ausgedrückt: Ich sah eher selten welche, obwohl ich bewusst darauf geachtet hatte.



Etwas anders war es bei der Marathonmesse. Nachdem ich vom Flughafen aus mit der S-Bahn zum Hotel gefahren war und dort meine Sachen abgestellt hatte, nahm ich mit ein Didi, wie die chinesische Uber-Variante heißt, um die Startnummer abzuholen. Vor Ort war eine der ersten Maßnahmen, dass man meine Daten registrierte und ein Foto von mir machte. Dieses wurde dann noch beim Einlass in die Messe überprüft, bevor man tatsächlich seine Startnummer abholen durfte. Was ich bislang nicht ahnte: Es sollte noch einmal später von Bedeutung werden.
Erneut ein neongelbes Shirt
Unmittelbar nach dem Empfang der Nummer wurde man zum T-Shirt-Empfang geleitet. Wer schon einmal günstige Kleidung im Internet bestellt hat, wird sich vielleicht bewusst sein, dass ein „europäisches M“ in der Regel mindestens ein „asiatisches L“ ist. Entsprechend sortierte ich mich in der entsprechenden Reihe ein und der Helfer am Stand bestätigte mir, dass man mit 1米74 auf keinen Fall zu einem M greifen sollte.
Wie schon beim Kapstadt gab es auch beim Shanghai Marathon 2024 ein neongelbes Shirt und ebenfalls wie in Südafrika wurde an fast jeder Ecke der Marathonmesse darauf hingewiesen, dass man ein Aspirant auf den WMM-Status sei. Anders als in Südafrika war die weitere Messe von diversen bunten, teils riesigen Sportartikelherstellerständen geprägt, die mit Messedamen und Bühnenbildern aufwarteten, wie man es von Marathonmessen nicht gewohnt ist.








Wenn ich raten müsste, würde ich behaupten, dass die verschiedenen westlichen Marken um den chinesischen Markt buhlen. Zumindest bekräftigte sich dieser Eindruck für mich am Renntag nochmals.
Das erste Mal chinesisches Essen
Von der Messe aus ging es mit einigen Schwierigkeiten zurück zum Hotel. Zuerst hatte mir Didi einen Fahrer zugewiesen, der meinen Standort nicht fand und mich daraufhin anrief. Dummerweise war sein ungeduldig schnelles Chinesisch für mich praktisch nicht zu verstehen und er hatte offenbar auch nicht die Ruhe, meine gebrochene Beschreibung, wo ich stehe, nachzuvollziehen. Ich legte auf, stornierte die Fahrt und buchte ein neues Fahrzeug.
Dieses kam an und brachte mich zum Hotel. Leider nur nicht zu meinem, wobei die Schuld allein bei mir lag. Wie sich herausstellte, gab es in Shanghai zwei „Atours“-Hotels, wobei das eine im Westen und das andere im Osten der Stadt lag. Ich bemerkte meinen Fehler zu spät und dreht auf diese Weise eine Extrarunde durch Chinas größte Metropole, deren Verkehr auf einem Freitagabend nicht unbedingt wenig war. Schlussendlich im Hotel, ohne weitere Termine im Nacken angekommen, meldete sich mein Magen, der seit dem Flug nichts mehr erhalten hatte. Also machte ich mich auf den Weg, um irgendwo etwas zu essen herzubekommen.
Um das Hotel herum waren einige Restaurants und Schnellimbisse verteilt, und ich entschied mich für das erstbeste Lokal, das einerseits nicht den Charme einer Pommesbude hatte und andererseits nicht vollkommen überfüllt war. Ich verständigte mich im Rahmen meiner Möglichkeiten und bekam das erste Mal in meinem Leben Yunnan-Küche serviert. Neben einer frittierten Tofu-Speise gab es eine Nudelsuppe und eine für mich nicht weiter erkennbare Zubereitung mit Rindfleisch. Insgesamt muss ich gestehen, traf das Ganze nicht ganz meinen Geschmack. Ich wurde satt, aber hatte nicht das Bedürfnis, dort ein zweites Mal zu essen.




Jing’an Tempel, Stadtrundfahrt und erneut erkrankt?
Abends fiel ich tot ins Bett, sodass ich ohne meinen Wecker wohl deutlich länger als nur bis um acht geschlafen hätte. Nach einem Frühstück im Hotel, das tatsächlich mal regional war und nicht das sonst übliche internationale Buffet anbot, fuhr ich zunächst zum Jing’an Tempel. Die Anlage befindet sich mitten zwischen den Wolkenkratzern in Shanghai und ist, wie man sich denken kann, ein Touristenmagnet für Besucher von außerhalb. Es war keinesfalls überfüllt, aber es wuselten doch eine Vielzahl an Menschen im Tempel herum, den ich zugegebenermaßen weniger spektakulär empfand, als ich erhofft hatte.









Nachdem ich alles gesehen hatte, was nicht allzu lange dauerte, ging es zurück in Richtung Hotel, um den nahegelegenen Hopp-On-Hopp-Off-Stop aufzusuchen. Für im internationalen Vergleich extrem günstiges Geld bekommt man ein Ticket für drei verschiedene Touren, die sich stellenweise überschneiden und zu diversen Orten in der Metropole des östlichen Chinas bringen. Ich selbst wollte insbesondere zum Shanghai Tower, der zu den weltweit größten Gebäuden zählt. Auch wenn ich ähnliche Aussichtsmöglichkeiten bereits aus anderen Orten kannte, wollte ich diesen Punkt dennoch von meiner imaginären Bucket List streichen.










Vielmehr war es dann aber auch nicht, sodass vom Tag noch einiges an Zeit übrig geblieben war. Doch anstatt weiter durch die Stadt zu fahren, musste ich zusehen, mich in mein Hotel zu begeben. Nachdem meine HRV über Nacht bereits im Keller war und ich dies zunächst auf den Jetlag geschoben hatte, merkte ich, dass es mir alles andere als gut ging. Im Hotel am frühen Nachmittag angekommen, musste ich mich hinlegen und hätte ich mir nicht erneut den Wecker gestellt, hätte ich wohl deutlich mehr als zwei Stunden geschlafen.






Schildkrötenfleisch in der historischen Altstadt
Es dauerte einige Zeit und die Unterstützung von Ibus, um ohne Kopfschmerzen wieder klarzukommen. Nach Vancouver und Kapstadt setzte sich mein Pech damit in diesem Jahr auch bei der dritten großen Reise zu einem Marathon fort. Das Bett war wie schon in Südafrika vom Schweiß durchnässt, und ich duschte zunächst, bevor ich mich wieder auf die Straße wagte.
Dort war es inzwischen bereits dunkel geworden und es war mehr ein Pflichtbewusstsein, was mich nach draußen trieb. Schließlich wollte ich mir zumindest noch die historische Altstadt anschauen und wusste nicht, wie es mir am nächsten Tag nach dem Rennen gehen würde. Also machte ich mich zu Fuß auf den Weg, nachdem ich festgestellt hatte, dass diese von meinem Hotel aus gut erreichbar gewesen war. Was ich erlebte, entsprach nicht ganz meinen Erwartungen.
Wie schon den Jing’an Tempel hatte ich auch von der Altstadt zuvor im Internet Aufnahmen gesehen, sodass man die hell erleuchteten Gebäude bereits von weitem erkannte. Mir war jedoch nicht bewusst, dass dieser Bereich inzwischen eine für Autos abgesperrte Einkaufspassage war. Überall gab es Läden, die sich an Touristen richteten, und zwischen diesen befanden sich diverse Imbissstände bzw. kleine Läden mit Straßenverkauf.








Während ich für Schildkrötenfleisch am Spieß letztlich nicht mutig genug gewesen war, holte ich mir eine Art Hähnchen-Schaschlik, das ich wie schon das Essen am Vorabend nicht als kulinarische Delikatesse in Erinnerung behalten werde. Gleiches gilt für eine Art Apfelkuchen, der an einem anderen Stand optisch vielversprechend aussah, geschmacklich aber eher fad und wenig intensiv war. Aufgrund verschiedener Darstellungen waren meine Erwartungen an die chinesische Küche andere als die letztlich gebotenen Erfahrungen.
Gesichtserkennung beim Shanghai Marathon 2024
Nach der historischen Altstadt suchte ich nochmals die berühmte Nanjing (East) Road auf, die ein buntes Meer an Leuchtreklamen über mehrere hundert Meter verteilt aufwartet. Auch hier probierte ich während meines Aufenthalts noch ein paar Dinge wie 饺子 (Dumplings) oder 月餅 (Mondkuchen), die allesamt in Ordnung waren, aber keine Reise nach Shanghai gerechtfertigt hätten. Am Abend fiel ich schließlich müde ins Bett und stellte mir erneut den Wecker, um am nächsten Morgen rechtzeitig beim Marathon am Start zu sein.





Über 20.000 Teilnehmer konnte der Shanghai Marathon 2024 aufwarten, die entsprechend im Vorfeld organisiert, aber vor allem auch am Renntag koordiniert werden wollen. Die Veranstalter lösten das Ganze pragmatisch und letztlich recht smart. Der Start des Rennens verlief an „The Bund“. Ein unter Touristen ebenfalls beliebter und bekannter Ort, an der die Straße mehrere Kilometer geradeaus neben dem Huang Pu Fluss entlang führt.



Um zu diesem Bereich zu kommen, erhielt jeder Startblock seine eigene Seitenstraße, die zum Start führte, was sich in der Praxis als gute Lösung herausstellte. Um allerdings überhaupt in diesen Bereich gelangen zu dürfen, wurde erneut auf das Foto zurückgegriffen, was man bei der Anmeldung machen musste. Nur wer den Gesichtsscan bestand, durfte in den abgesperrten Bereich passieren. Ein Startnummerntausch, wie bei anderen großen Läufen oftmals praktiziert, gibt es in Shanghai somit nicht.
Bon Jovi und die chinesische Nationalhymne
Wie sich herausstellte, dauerte der Weg zum Startbereich länger als erwartet, sodass mein einkalkulierter Zeitpuffer vollends ausgenutzt wurde. Wenige Minuten vor Beginn des Rennens reihte auch ich mich ein und kurz darauf begann über die Lautsprecher bereits die Ankündigung des Rennens. Wie ich es schon bei den nordamerikanischen Marathons erlebt hatte, wurde zunächst die Nationalhymne gespielt, die vor Ort von praktisch allen Teilnehmenden mit Begeisterung gesungen wurde.





Kurz darauf war es dann aber Bon Jovi, der das Wort erhielt. In einer Dauerschleife spielte man fortan „It’s my life“, während die Läuferinnen und Läufer allmählich über die Startlinie geschickt wurden. Shanghai gilt generell als recht westliche Stadt, was ich mit meinen Eindrücken bestätigen kann. Dass man sich dann aber für diese Art des Rahmenprogramms am Start entschied, hätte ich im Vorfeld nicht geahnt.
Slalomlaufen beim Shanghai Marathon
Obwohl die Organisation am Startbereich reibungslos funktionierte und die Straße ebenfalls eine gewisse Breite aufbot, begann für mich von nun an eine Art Slalomlauf, wie ich diesen noch vom Berlin Marathon kannte. Ich weiß nicht, warum man mir so weit hinten einen Startplatz zugeteilt hatte, doch es dauerte nicht lange und ich holte die ersten 5-Stunden-Pacer ein, die offenbar bereits vor mir ins Rennen geschickt wurden.

Entsprechend dauerte es einige Kilometer, bis ich mich halbwegs in das Rennen fand, auch wenn ich keine Bestleistungen an diesem Tag abrufen wollte. Die Nacht war, wie schon der Nachmittagsschlaf, von starkem Schwitzen geprägt und ich fühlte mich am Morgen wie gerädert. Auch wenn ich mir nach den Eindrücken in Vancouver und Kapstadt inzwischen im Klaren war, in solch einem Zustand ohne Weiteres einen Marathon laufen zu können, entsprach dies nicht meiner Wunschvorstellung.



Ich versuchte daher, entspannt an den Wettkampf anzugehen und die Atmosphäre zu genießen. Der Shanghai Marathon 2024 war kein Rundkurs, was für Veranstalter den Vorteil hat, in den frühen Stunden Straßenbereich absperren lassen zu können, die bereits lange vor Ende des Rennens wieder freigegeben werden können. Entsprechend ging es vom Bund aus nicht nur am Jing’an Tempel, sondern auch der Nanjing East Road vorbei, die bereits am Mittag für Fußgänger und Autofahrer wieder freigegeben waren.
Organisation auf Weltklasseniveau
Überhaupt gehörte der Shanghai Marathon 2024 in jedem Fall zu den besseren Rennen, die ich bislang gelaufen war. Die Strecke führte tatsächlich DURCH die namensgebende Stadt und nicht nur entlang ihrer Randbereiche, wie es manch anderer großer Lauf umsetzt. Überdies waren die Verpflegungspunkte zahlreich und gut ausgestattet. Es gab Wasser, Isodrinks, einige Stände mit Gels, Bananen und Croissants und am Großteil der Stände auch Schwämme mit kaltem Wasser.






Erstmals erlebte ich bei meinem Marathon zudem, dass man an Versorgungspunkten abgepackte Eiswürfel erhielt. Dies bot sich zum Ende des Rennens auch tatsächlich an. Die eigentlich einstelligen Temperaturen am Morgen fühlten sich schon nicht wirklich kalt an und als das Thermometer die letzten 10 Kilometer in Richtung 20 Grad stieg, wurde es zunehmend unangenehm.







Dennoch blieb mein Puls den Großteil des Rennens deutlich unter 150 Schläge, was ich in Anbetracht der Umstände in dieser Form nicht erwartet hätte. Das Rennen flog daher nur so an mir vorbei, was in diesem Fall vollkommen positiv gemeint ist. Insbesondere ab der zweiten Hälfte gab es nun auch immer mehr Zuschauer am Rand, die die Teilnehmer anfeuerten, und mehrfach sah man riesige, gelbe Werbebanner von Nike, die Motivationssprüche auf Chinesisch präsentierten. Zumindest beim Shanghai Marathon 2024 schien dieser Sportartikelhersteller die Nase vorn gehabt zu haben.
Eines WWM-Anwärters würdig?
Fast schon überraschend ging es in die letzten Kilometer, auf denen mein Puls erstmals an diesem Tag in höhere Bereiche gelangte, und dann war das Rennen auch bereits vorbei. Nach 3h 47:16 min überschritt ich die Ziellinie. Wie schon beim Start erforderte auch der Zielbereich bei einer so großen Teilnehmerzahl einen logistischen Aufwand, den die Organisatoren des Shanghai Marathons in jedem Fall bewältigten. Während das Rennen noch unmittelbar vor einem Stadion endete, erhielt man zunächst ein Handtuch und etwas zu trinken, bevor man in das Stadion geleitet wurde.





Dort gab es dann zunächst die Medaille, die in dieser Form in jedem Fall etwas Einmaliges darstellte. Der Shanghai Marathon 2024 wartete nicht nur mit dem vermutlich schwersten Exemplar auf, das ich mir bislang verdiente, sondern arrangierte dieses auch für jeden Teilnehmer wie etwas Besonderes. Jeder Finisher erhielt seine Medaille in einem Art Kästchen, das etwas Edles hatte. Von dort aus ging es weiter aus dem Stadion wieder heraus, an dessen Ausgang es noch für alle Läuferinnen und Läufer ein Finisher-Shirt, dieses allerdings nicht in Neongelb, sowie Badelatschen gab.



Dies mögen alles Kleinigkeiten sein, die jedoch insbesondere im Kontrast zu anderen Rennen einen gewissen Stil hatten. In Kombination mit der sehenswerten Strecke und der vorbildlichen Organisation empfand ich das Rennen in Chinas Metropole in jedem Fall erlebenswerter, als es beispielsweise in Chicago der Fall war, welches bereits ein Teil der WMM ist. Melbourne ist inzwischen offiziell Rennen Nummer 7 und Kapstadt soll im nächsten Jahr als achter Lauf folgen. Ich habe von daher keinen Zweifel, dass Shanghai das neunte, bereits fest eingeplante Rennen werden wird, das sich in Zukunft zum Kreis der WMM-Läufe zählen darf.

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