Der Leipzig Marathon zählt laut den Veranstaltern zu den ältesten Straßenrennen Deutschlands und nach dem letzten Wochenende auch zu meiner Liste an gelaufenen Wettkämpfen. Nachdem ich im vergangenen Jahr aufgrund einer Zahn-OP nicht teilnehmen konnte, ließ ich mich in diesem Jahr bereits einen Monat zuvor nicht von einem Ultra-Marathon abhalten. Der Lauf in Schwerin wird mir allerdings mehr in Erinnerung bleiben als das Rennen in Sachsens Hauptstadt.
Schnee-Regen während der Ankunft
Leipzig ist nur etwas mehr als zwei Autostunden von mir entfernt und da der Start des Marathons erst für 10 Uhr angesetzt war, bot sich die Anfahrt am Renntag an. Die Teilnahme selbst war in diesem Jahr eine relativ spontane Entscheidung. Den letzten langen Lauf vor dem Marathon musste ich aufgrund der zwischenzeitlichen Temperaturen mit Sonnenstich abbrechen und auch mein „traditioneller“ Halbmarathon vor dem Wettkampf verlief nicht wie geplant. So waren die Erwartungen an das Rennen eher gedämpft und ich verstand den Lauf als eine strukturierte Trainingseinheit.
Um an den Start zu gelangen, musste mich ich allerdings trotzdem rechtzeitig auf den Weg machen, sodass der Wecker gut fünf Stunden vor Rennbeginn klingelte. Die Zeit für das Frühstück sparte ich zu Hause und nahm vielmehr alles auf die Fahrt mit, um unterwegs zu essen. Auf dieser Reise sollte das Wetter bereits einen Vorgeschmack auf das Wochenende bieten.

Wenige Kilometer vor Leipzig begann plötzlich starker Regen einzusetzen, nachdem in den Tagen vor dem Marathon noch ein trockener Tag vorhergesagt worden war. In Leipzig selbst gab es Schnee-Regen und im Radio wurde von einem erhöhten Unfallaufkommen aufgrund der Witterungsbedingungen gesprochen. Wirklich einladend präsentierte sich die Stadt damit nicht.
Warm und trocken in der Sportfakultät
Ich schrieb schon öfter, dass die Verfügbarkeit eines Frühstücks in Hotels vor dem Rennen für mich ein gewisser Indikator dafür ist, welche Relevanz ein Marathon für die jeweilige Stadt hat. In Leipzig machte ich ähnliche Erfahrungen, auch wenn ich nicht im Hotel übernachtet hatte.
Vom Hauptbahnhof, wo ich mein Auto parkte, sollte es mit der Straßenbahn wie durch die Veranstalter beschrieben zum Start gehen. Doch in welche Richtung man die auf der Website aufgeführten Straßenbahnlinien nehmen sollte, war leider weder auf dem Internetauftritt noch vor Ort auf den ersten Blick erkennbar. Also sprach ich jemanden an, der es wissen müsste: einen Straßenbahnfahrer.
Dieser machte mir allerdings nur deutlich, dass er keinerlei Interesse am Marathon habe und mir auch nicht sagen könne, wo sich der Start befindet. Erst auf Nennung der Station, an der ich aussteigen wollte, bekam ich Klarheit. Und so ging es im Laufschritt in die bereits wartende Bahn, um einige Stationen später in der Sportfakultät der Universität Leipzig die Startnummer abzuholen und die eigenen Sachen abzugeben.

Mitläufer beim Leipzig Marathon 2024
Während draußen der Regen abnahm, war man im Gebäude im Trockenen, wobei ich mich eine Stunde vor dem Start ohne Powerbank nicht traute, den Akku meines inzwischen nicht mehr brandneuen Smartphones unnötig zu belasten. So beobachtete ich die Inlineskater bei ihren Vorbereitungen in der Halle, die kurz vor dem Marathon auf die Strecke geschickt wurden, und ließ den Variantenreichtum der rollenden Schuhe auf mich wirken.
Kurz vor dem Start machte auch ich mich dann auf den Weg. Erstmals nahm ich zu einem Rennen Handschuhe mit, was sich rückblickend als gute Entscheidung herausstellen sollte. Mitsamt einem Kapuzenpullover, den ich einige Kilometer nach dem Start ablegen wollte, sortierte ich mich bei den 3-45-Pacemakern ein und begann mit diesen das Rennen. Aufgrund des Trainingsrückstandes und der Tatsache, dass zwei Wochen später mein erster Marathon in Kanada stattfinden würde, plante ich, mindestens die erste Hälfte in der Traube der Pacemaker zu laufen.





Mein Plan ging so weit auf. Erstmals lief ich bei einem Marathon unmittelbar hinter den Männern mit den Fahnen auf dem Rücken. Obwohl die Pace von 5:20 min relativ konstant von den beiden Zeitläufern gehalten wurde, fühlte sich das Rennen für mich anstrengender an, als es normalerweise der Fall gewesen wäre. Das Tempo war gut zu halten, aber ich hatte gleichzeitig nicht das Gefühl, mich übermäßig bremsen zu müssen. Dies war kein gutes Vorzeichen.
Unspektakuläre zwei Runden durch Leipzig
Das Rennen selbst stellte sich als äußerst unspektakulär heraus. Inzwischen fühle ich mich ein wenig wie ein Restaurantkritiker, der ungefragt über das, was ihm vorgesetzt wird, herumnörgelt. Dennoch lässt es sich nicht vermeiden, dass der eigene Kopf Vergleiche anstellt. Sein es Situationen wie das Wetter, Organisationsabläufe oder eben auch die Stimmung und die Eindrücke an der Strecke.
Während das Wetter an diesem Wochenende von Schnee-Regen über starken Wind bis Sonne, die mir am nächsten Tag Urlaubsbräune bescheren sollte, alles zu bieten hatte, traf dies auf die Strecke leider nicht zu. Ich empfand den Leipzig Marathon 2024 als fast schon langweilig. Sollte die sächsische Hauptstadt schöne Ecke vorzuweisen haben, so hat man diese beim Rennen nicht zu sehen bekommen. Die Nachbarstadt Dresden hatte einige Monate zuvor deutlich mehr in dieser Hinsicht zu bieten.
Ein kleines Highlight bot mir das Rennen dann doch. Erst in der zweiten Runde erkannte ich, dass man an der Deutschen Nationalbibliothek vorbeigeführt wurde, die in Leipzig sowie Frankfurt am Main Standorte hat. Wer schon einmal ein Buch in Deutschland veröffentlicht hat, wird in einer der beiden Niederlassungen vertreten sein.

Einsame 12 Kilometer
Doch nicht nur die Streckenführung war unspektakulär. Auch mein Rennergebnis sollte es werden. Nachdem ich die ersten 26 Kilometer meinen Plan in die Realität umsetzen konnte, gelang es mir nach einer Getränkestation nicht mehr, den kleinen, aber konstanten Abstand zu der Pacemaker-Gruppe aufzuholen. Vier Kilometer später musste ich mir schließlich eingestehen, dass ich etwas Tempo herausnehmen musste und ließ die Gruppe davonziehen.

Fortan wurden es recht einsame 12 Kilometer, auf denen ich von verschiedenen Teilnehmern eingeholt wurde, aber ebenso die ersten gehenden Läufer überholte. Mir selbst blieb das letztgenannte Schicksal praktisch erspart, was nichts daran ändert, dass das Rennen körperlich fordern wurde. Am Ende kam ich nach 3 h 52:06 min durch das Ziel, nachdem ich bei 31,1 Kilometern noch die 3-45-Pace gemäß Zwischenzeit gehalten hatte.
Der Muskelkater am nächsten Morgen war ungewohnt stark, was mir nochmals verdeutlicht, dass es schlichtweg am zu geringen Trainingsvolumen in den Wochen vor dem Rennen lag. Nun habe ich zwei Wochen, mich zu regenerieren und ein paar Kilometer zu sammeln, bevor es zum ersten Mal in meinem Leben nach Kanada gehen soll.
